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Ganz nah dran: Die Besucher stehen auf dem Empore, direkt an der Orgel der Trinitatiskirche.

Orgel-Führung in der Trinitatiskirche: Verstimmungen möglich

Oberschleißheim - Warum man Orgeln mit einer Familie vergleichen kann? Weil es, genau wie in einer Familie, große und kleine Mitglieder gibt.

Origineller kann man zu einer Orgelführung kaum einladen. In der Oberschleißheimer Trinitatiskirche hat man den Bogen raus. 

Zum 50. Bestehen der „Ott-Orgel“ lud die evangelisch-lutherischen Gemeinde interessierte Oberschleißheimer ein, sich die Orgel anzusehen. Organistin Elisabeth Heppner gewährte einen ungewohnten Zugang zu dem Instrument, mit dem sie sonst Gottesdienste musikalisch begleitet. 

Das mit dem originellen Einfall hat durchaus funktioniert: Viele Familien mit Kindern nutzten die Gelegenheit, die Empore hinaufzusteigen zur Orgel. Tatsächlich war von „zehn Gründen“ die Rede, weshalb Orgeln und Familien etwas gemein hätten. „Weil es sowohl in Familien als auch bei Orgelpfeifen zu Verstimmungen kommen kann“, lautete Antwort Nummer sechs. Neben der Familie mit großen und kleinen Mitgliedern übrigens, der ersten von zehn Antworten, war ein Foto abgedruckt von einer Familie, die wie Orgelpfeifen, vom Vater abwärts, angeordnet waren. 

Elisabeth Heppner ist Meistern ihres Fachs und war, wie Dieter Hildebrandt, Ilse Siebenmorgen, Michael Pfeiffer und Aribert Nikolai, auf die Empore gefolgt. Als Organistin vermittelte sie den Besuchern, was ihr an dem Instrument so sehr behagt. Der Unterschied zwischen hölzernen Pfeifen etwa und ihrem warmen, weichen Klang und solchen aus Zink und Blei. Dann schlägt sie die ersten Tasten an. „Das war das volle Werk“, ruft sie. Dann wieder sanft und flötig, irgendwie barock. Heppner zieht an den Hebeln, den Registern der mechanisch angetriebenen Orgel. „Gibt praktisch einen Vibrator-Effekt.“ Die Besucher bemühen sich, nicht irritiert zu wirken. „Hebt die Solo-Stimme hervor“, schiebt die Organistin eilig nach. 

Pfarrerin Martina Buck und Kirchenpfleger Hans Hirschfeld sind dankbar, dass die Gemeinde seinerzeit der Versuchung widerstand, ein gebrauchtes Instrument in die Kirche zu stellen. Neben dem in Oberschleißheim weithin bekannten, blauen Dreiecksfenster stellt die Ott-Orgel eine Attraktion in der Trinitatiskirche dar, ein Juwel, wie die Gemeinde frohlockt. An jedem Wochenende ist das Gotteshaus ganztägig für all jene geöffnet, die einfach einmal zur Ruhe kommen wollen. Das tiefblaue, beruhigende Licht und Seelenmusik im Hintergrund laden zum Meditieren ein. 

Die Orgel selbst erklingt nicht nur in Gottesdiensten. Abends steht häufig ein Konzert ins Haus. Diesmal auch. Alle sind sie da, frühere Organisten und Elisabeth Heppner. Dazu mit Martina Wester auch eine Flötistin. Von Bach über die Klassiker bis hin zu Crossover, der Versuch, Bach und Modernes, miteinander zu verbinden, reicht das Programm. Schon bei der Führung hatten von Bach begeisterte Orgelfreunde den Worten Heppners und noch mehr den Klängen gelauscht, die sie den Pfeifen entlockte. Die Jüngsten zog vor allem ein kleiner, dunkler Raum an: Eine Art Verschlag an der Seite der Orgel, den der Erbauer wohl als Zugang zur Belüftung konstruiert hatte. Jener Lüftung, die den Pfeifen all die Töne entlockt. 

Die Kinder jedenfalls dürften in dem winzigen Raum etwas Besonderes entdeckt haben. Eine Kammer, in deren Dunkelheit Geheimnisse verborgen sind.

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