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Gerd Gersbeck ist offizieller Wahlbeobachter in den USA.

Gerd Gersbeck (68)

Unterschleißheimer als Wahlbeobachter in den USA

Unterschleißheim - Clinton gegen Trump: In der Nacht auf Mittwoch unserer Zeit wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Mittendrin ist ein Unterschleißheimer: Gerd Gersbeck verfolgt als offizieller Wahlbeobachter das Geschehen vor Ort.

Clinton oder Trump? Stellt man Gerd Gersbeck diese Frage, wird der sonst so beredte Unterschleißheimer plötzlich wortkarg. Nicht, dass er sich nicht für Politik interessieren würden – im Gegenteil: Bei der nächsten Bundestagswahl tritt Gerd Gersbeck, 68 Jahre alt, sogar als unabhängiger Direktkandidat im Wahlkreis München-Land an. Und doch will er sich nicht öffentlich dazu äußern, was er vom Politprofi Hillary Clinton und vom Profipöbler Donald Trump hält – schließlich ist Gerd Gersbeck in offizieller Mission unterwegs, als Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Nicht nur für Entwicklungsländer relevant

Wahlbeobachter? Da denken die meisten Menschen an Entwicklungsländer und instabile Demokratien – und nicht an den mächtigsten Staat der Erde. Doch auf Einladung der US-Regierung entsendet die OSZE auch diesmal Beobachter – so wie bei den vergangenen drei Wahlen. Dies hat freilich nichts zu tun mit den Trump’schen Manipulationsvorwürfen, die im Wahlkampf so hohe Wellen geschlagen haben. „Klar werden wir privat immer wieder darauf angesprochen“, sagt Gersbeck. „Aber die Kandidaten haben da keinerlei Einfluss.“

Bereits zehn Einsätze, von der Türkei bis Aserbaidschan

Der 68-Jährige ist am Freitag in die USA geflogen, wo er erstmals als OSZE-Beobachter im Einsatz ist. Insgesamt ist es für ihn die zehnte Mission; zuvor war Gersbeck in Albanien, Georgien, Aserbaidschan, Mazedonien und der Türkei. Auf die Idee, sich für dieses Ehrenamt zu bewerben, hat ihn ein Fernsehbeitrag gebracht, in dem ein Wahlbeobachter über seine Erlebnisse im Kongo berichtete. „Sein Statement war so was von verzerrt und daneben, dass ich mir gedacht habe: Das kannst du besser“, erzählt Gersbeck, der selbst fünf Jahre in dem afrikanischen Land gelebt hat.

Zentrum für Internationale Friedenseinsätze

Also machte er sich im Internet schlau und schickte seine Bewerbung an das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurde er 2012 genommen – wohl auch, weil Gersbeck lange als ehrenamtlicher Richter gearbeitet und 15 Jahre auf verschiedenen Kontinenten gelebt hat. „Ich hatte eine gewisse Erfahrung mit anderen Kulturen und Sprachen“, sagt der Luftverkehrskaufmann, den sein Job unter anderem in die Türkei und nach Venezuela geführt hat.

In Zweier-Teams im Wahllokal

Prinzipiell unterscheide man bei den OSZE-Einsätzen zwischen Kurzzeit- und Langzeitbeobachtungen, erklärt Gersbeck. Bei Letzteren reise der Beobachter sechs bis acht Wochen vor dem Wahltermin ins Land und prüfe, „ob sich alle Beteiligten an das Wahlgesetz halten“. Beispielsweise gehe es oft um die Frage, ob allen Parteien im Wahlkampf der Zugang zu den Medien ermöglicht wird. Bei Kurzzeitbeobachtungen, so wie jetzt in der USA, konzentrieren sich die OSZE-Mitarbeiter auf den Wahltag. In Zweier-Teams – stets eine Frau und ein Mann, die aus verschiedenen Ländern kommen – suchen sie die Wahllokale auf. „Da geht es beispielsweise um die Frage, wie die Wahllokale besetzt sind, oder um die Infrastruktur, also ob auch Behinderte problemlos ihre Stimme abgeben können“, sagt Gersbeck. Als Wahlbeobachter greife man nie direkt ein, betont er. Vielmehr gehe es darum, Fakten zu sammeln, die hinterher in einen Bericht einfließen.

Lieber Clinton oder Trump? Da schweigt Gersbeck diplomatisch.

Die USA haben für diese Wahl erstmals auch Kurzzeitbeobachter der OSZE eingeladen. „Schließlich gibt es auch bei entwickelten Demokratien Verbesserungspotenzial bei der Wahl“, erklärt Gerd Gersbeck. Er selbst reist nach Lincoln, der Hauptstadt von Nebraska – ein Bundesstaat, der seit 1964 stets an den Kandidaten der Republikaner ging. Auch diesmal wird dort wohl Donald Trump das Rennen machen. Ob er darüber hinaus auch ins Weiße Haus gewählt wird? Bei dieser Frage verweist Gersbeck erneut auf seinen „Verhaltenskodex“ als Wahlbeobachter – und enthält sich einer Antwort.

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