Verein "Friends without borders" will ghanaischem Dorf helfen

Unterschleißheim - Die Welt ein kleines bisschen zu verändern: Mit diesem Anspruch ist Petra Halbig (52) im Frühjahr angetreten, ihre Vorstellungen einer besseren Welt in einem kleinen Ort in Ghana umzusetzen.

 Jetzt ist mit der Gründung des Vereins „Friends without borders“ der erste Schritt getan. Schneller als erwartet war es Petra Halbig gelungen, befreundete Unterschleißheimer für ihr Vorhaben zu begeistern. Nach einem ersten Bericht über ihre Pläne im April hatten Freunde sie für einen Vortrag im kleinen Kreis gewonnen. „Das Feedback hat mich unheimlich motiviert“, erinnert sie. Bald hatte sich ein festes Team um sie geschart. 

Am 1. Juni gründeten zehn Unterschleißheimer „Friends without borders“. Es gibt eine Homepage und ein Logo, ein Spendenkonto und einen Plan: „Länder haben Grenzen, Freunde nicht.“ Angefangen hatte alles im Februar, nachdem Halbig aus Ghana zurückgekehrt war. Die Reise im Rahmen der Klimapartnerschaft Unterschleißheims mit dem „Ho Municipal District“ hatte die Fahrradbeauftragte der Stadt tief bewegt. Mit einem Haufen Eindrücken im Gepäck, Bildern, die sie nicht mehr losließen, saß sie in ihrer Wohnung und wollte irgendetwas tun. Etwas tun für Chief Togbe Akliku Ahorney II, Queen Mama Amensinu II und die netten Menschen von Maif Dadaboe, einem 800-Seelen-Dorf in Westafrika. 

Der Chief, Ansprechpartner der 2014 angelaufenen „Klimapartnerschaft“, hatte sie eingeladen in sein Heimatdorf, zweieinhalb Autostunden entfernt von der ghanaischen Hauptstadt Accra, hatte sie eintauchen lassen in das Leben abseits afrikanischer Metropolen. Vom ersten Tag an war sie als Gast im Haus des Chiefs eingebunden in den Alltag. Abgesehen von der enormen Unterstützung, die sie erfuhr, freut Petra Halbig, dass ihre Initiative Wellen schlägt. Die Mittelschule Unterschleißheim will das Projekt, vielleicht im Unterricht von Schülern aufarbeiten lassen. „Das freut mich tierisch, wenn das klappt.“ 

Ein Optik-Geschäft in Lohhof sammelt Brillen. Der SV Lohhof trägt Fußbälle, Trikots und Ballpumpen zusammen. „Die geben sich wahnsinnig viel Mühe.“ Gleichzeitig knüpft Petra Halbig Kontakte zu anderen Vereinen, will ein Netzwerk der Hilfe zur Selbsthilfe aufbauen. Darum nämlich geht es „Friends without borders“: Unterstützung wird als Starthilfe zur Selbsthilfe vermittelt. Die Bewohner von Mafi Dadaboe und dem benachbarten Mafi Wute werden vom Verein als Partner betrachtet, die ihrerseits liefern müssen. „Bei jeder Maßnahme muss die Mitarbeit der ghanaischen Partner gewährleistet sein“, sagt Halbig: „Wir stellen den Leuten nicht einfach einen Sack Reis vor die Tür.“ 

Konzentrieren will sich der Verein zunächst auf die Bereiche Bildung, Gesundheit, Umweltschutz, Fair Trade und Kultur. Halbig plant eine Aufklärungskampagne zum Thema „Frühschwangerschaften“. Das Wissen über Verhütung tendiere gegenwärtig noch gegen Null. Petra Halbig würde gern junge Frauen als Ansprechpartnerinnen schulen. In Accra gibt es einen Workshop. Derweil soll in Maif Dadaboe eine Art Gesundheitszentrum aufgebaut werden. Ein kleines Häuschen mit Zimmer für Schulungen, einem Lagerplatz für Brillen und dergleichen und einem weiteren Raum, in dem über Land fahrende Ärzte und Apotheker Patienten empfangen können. Ein Anschluss für einen Laptop wäre ebenfalls hilfreich. Internet, Telefon und Wlan gibt es erst wieder in Ho.

 Via CD könnte man mit Hilfe des Laptops in Kontakt bleiben. Zu einer der wichtigsten Bedingungen für Hilfe zählt der Verein Transparenz. „Mitglieder und Spender haben Anspruch darauf, zu erfahren, wohin ihr Geld geht, für was es verwendet wird, was erreicht wurde.“ Der Verein verlangt von seinen Partnern Belege, Rechnungen oder Beweisvideos. Der Verein finanziert sich allein durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Bewusst habe man die Mitgliedsbeiträge niedrig gehalten. „Jeder, gerade junge Leute, soll es sich leisten könnnen, mitzumachen.“ Spenden hofft Halbig auf Veranstaltungen in Unterschleißheim zu requirieren. „Wann immer es geht, sind wir mit einem Infostand dabei.“

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