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Ohne Schnickschnack: der Kreisverkehr an der B471.

Magerrasen statt Blumen und Kunst

Verkehrsinsel in Lustheim: "Hässlichster Kreisel im Kreis"

Oberschleißheim - Roland Schreitter ist entsetzt: ein grüner Erdhügel, mehr nicht. Völlig verschenkt findet er den Kreisverkehr an der B471. Aber so einfach ist das nicht mit der Verschönerung.  

Wenn Roland Schreitter (71) am Kreisverkehr bei Lustheim vorbeikommt, kann er nur mit dem Kopf zu schütteln. Der Diplom-Ingenieur im Ruhestand denkt dann an verpasste Chancen. Selten hat er eine so hässliche Verkehrsinsel gesehen, sagt er. Nur aufgeschüttete Erde, wenig Gras. Keine Farbe, keine Gestaltung. Für ihn „nicht gerade eine Augenweide."

Mit Violine und Noten erinnert Salo am Gardasee an seinen berühmten Geigenbauer.

Darum hat der Unterschleißheimer seinem Unmut bei Landrat Christoph Göbel freien Lauf gelassen: „Der Kreisel bei Lustheim ist der hässlichste im ganzen Landkreis“, hat Schreitter ihm geschrieben und fordert: „Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass dieser Kreisverkehr nicht länger einer der unattraktivsten im ganzen Landkreis, vielleicht sogar im gesamten Regierungsbezirk Oberbayern, bleibt."

Auch Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) hätte nichts gegen Blumen in der Mitte des Kreisverkehrs, aber für diesen sei nun mal das Staatliche Bauamt Freising zuständig. Kuchlbauer glaubt, das sich die Behörde keine unnötige Arbeit und keine Folgekosten durch Gestaltung und Pflege aufhalsen möchte. „Wenn der Kreisel uns gehören würde, dann könnten wir was Schönes daraus machen“, meint der Bürgermeister. Aber ihm seien die Hände gebunden.

Bunt und fröhlich leuchtet der bepflanzte Kreisel in Lörrach.


Das Staatliche Bauamt Freising wehrt sich gegen den Vorwurf, es scheue Kosten und Mühen. „Das ist nicht der Fall“, betont Peter Döbl, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis München. Vielmehr sei die Verkehrsinsel eine Ausgleichsfläche und als solche festgelegt im naturschutzfachlichen Konzept, das Teil der Baugenehmigung für den Kreisverkehr war. Blumen hingegen gelten nicht als Ausgleichsflächen. „Das ist vielleicht nicht für jeden schön, aber naturschutzfachlich so vorgegeben“, sagt Döbl.

Doch Schreitter findet: Eine Gemeinde, die so viele Besucher anzieht, sollte jede Gelegenheit nutzen, um sich schön zu präsentieren. „Wieso ist bloß keiner auf die Idee gekommen, für die Schlösser zu werben?“, fragt er sich. Der Kreisel böte eine optimale Gelegenheit: Er liegt an markanter Stelle, am Ortseingang an der B471.

Drei Schlösser, ein über 100 Jahre alter Flughafen mit der Dependance des Deutschen Museums: „Besuchermagnete“, um die Oberschleißheim beneidet wird. Schreitter hat viele Ideen, um für die Schlösser zu werben, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen. Der 71-Jährige denkt an Salo, die größte Stadt am Westufer des Gardasees, bekannt für den Geigenbauer Gasparo da Salò. Ein schön verzierter Kreisverkehr mit Violine und Noten erinnert an den Künstler. Er war in Sachen Kreisverkehr viel unterwegs, hat sich umgeschaut. Nicht nur am Gardasee, auch in Lörrach und Steinach am Brenner.

Sehr positiv findet er, dass in einigen Kommunen Gebwerbetreibende, beispielsweise Gartenbaubetriebe, Kreisverkehre schön gestalten – und diese als Werbeplattform für sich nutzen. Im Gegenzug kommen die Betriebe für die Pflege auf. Kerpen in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel nutzt die „etwas unkonventionelle Art der Werbung in eigener Sache“. Schreitter ist überzeugt: „Auch im Umkreis von Lustheim sollte es genügend Interessenten geben, die eine Patenschaft übernehmen."

Extravagan: Mit Kunst auf dem Kreisel heißt Steinach am Brenner die Gäste willkommen


Seine Ideen reichen noch weiter: „Es gibt in Oberschleißheim doch bestimmt einen Künstler, der sein Kunstwerk aufstellen mag.“ Doch auch dieser Idee erteilt das Staatliche Bauamt eine Absage: An Kreisverkehren außerhalb von Ortschaften seien Kunstwerke verboten, erläutert Peter Döbl. Und zwar, um Unfallgefahren zu minimieren. Wenn jemand mit dem Auto auf den Kreisel fährt und gegen ein Kunstwerk prallt, könnte dies schlimme Folgen haben.











Andreas Sachse
Janine Tokarski

Andreas Sachse

E-Mail:info@merkur.de

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