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Raumnot: Im Grasbrunner Rathaus an der Lerchenstraße gibt es viel zu wenig Platz.

Grasbrunn: Ein Ort im Umbruch

Tante-Emma-Laden im Rathaus? So steht es um die Nahversorgung

Grasbrunn -  Aufgrund der mangelnden Nahversorgung südlich der Wasserburger Landstraße wird nun geprüft, ob sich im Rathaus ein Tante-Emma-Laden einrichten lässt.

Die Dame, geschätzt 70, rennt aus der Straße, die Neue Heimat heißt. Sie winkt wild, die leere Stofftasche, die sie in der Hand hält, flattert hin und her. 20 Meter ist die Frau von der Bushaltestelle Grünlandstraße in Neukeferloh entfernt, wo vormittags um 11 Uhr niemand wartet. Da offenbar auch niemand aussteigen möchte, brummt der Bus mit Karacho um die Kurve in Richtung Rathaus. Erst läuft die Frau ein paar Meter hinterher, dann gibt sie auf und schlägt die Einkaufstasche auf ihren Oberschenkel. Sie ist sauer auf den aus ihrer Sicht unverschämten Busfahrer: „Der muss mich doch gesehen haben“, ruft sie. Sie schüttelt den Kopf und geht zu Fuß weiter. Der nächste Supermarkt ist rund einen Kilometer entfernt. 

Der einzige Nahkauf südlich der B 304 in Neukeferloh, der seit 1959 geöffnet hatte, hat vor einigen Monaten zugemacht. Dort bekam man nicht nur Lebensmittel. „Das war auch ein beliebter Treffpunkt“, sagt Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD). Inhaberin Charlotte Seitner hat ihr Geschäft in der Gartenstraße aus Altersgründen aufgegeben. Außerdem hätte der Laden renoviert werden müssen. 

Zwei Grasbrunner wollen im Rathaus einen Supermarkt betreiben

Seit der Schließung tun sich insbesondere alte Menschen schwer mit dem täglichen Einkauf. Es gibt lediglich einen Auto-Bäcker. Die nächste Einkaufsmöglichkeit befindet sich am Bretonischen Ring, nördlich der viel befahrenen Wasserburger Landstraße. Ziemlich weit für alle, die nur schlecht zu Fuß sind und auf der anderen Seite der B304 wohnen. Alternativen sollen baldmöglichst her. 

Rückseite des Rathauses in Neukeferloh: Lässt sich hier ein kleiner Supermarkt einrichten?

Zwei Grasbrunner sind auf die Gemeinde zugegangen. Sie haben angefragt, im Untergeschoss des Rathauses einen Lebensmittelladen einzurichten. Gemeint ist die alte Halle direkt unter dem Sitzungssaal des Gemeinderates, wo bis vor ein paar Jahren die Freiwillige Feuerwehr ihre Fahrzeuge parkte. Die Feuerwehr hat 2014 ein eigenes Haus bekommen. Nun steht die Garage im Rathaus voll mit alten Fahrrädern, die keinem gehören. Der Helferkreis Asyl hat es sich zur Aufgabe, diese zu reparieren. Geflickte Schläuche und geschmierte Ketten liegen auf Werkbänken. Hinten im alten Stüberl lehnen Matratzen an der Wand. Es gibt ein Damen- und ein Herrenklo. Kann man hier einen Supermarkt einrichten? Bürgermeister Korneder ist skeptisch. „Man müsste umbauen. Für einen klassischen Nahversorger ist die Fahrzeughalle eigentlich zu klein“, sagt er. Vielleicht reiche der Platz für einen kleinen Tante-Emma-Laden, heißt es. Die beiden Bewerber sollen nun einen Business-Plan vorlegen. Die Gemeinde möchte sich die Option offen halten. 

Teile der Verwaltung sollen in das ehemalige Sparkassen-Gebäude umziehen

Leerstand: Teile der Verwaltung sollen in das Sparkassen-Gebäude umziehen, das die Gemeinde gekauft hat.

In Grasbrunn und Neukeferloh hat man zuletzt immer wieder versucht, Gebäude, die leer stehen, wiederzubeleben oder sinnvoller zu nutzen. Das hat dazu geführt, dass sich derzeit vieles im Umbruch befindet in der Kommune im Osten Münchens. Kürzlich hat die Gemeinde zum Beispiel das ehemalige Sparkassen-Gebäude direkt gegenüber vom Rathaus gekauft. Darin untergebracht sind auch eine Arztpraxis und eine Wohnung. Die Kreissparkasse hat die Filiale in ein sogenanntes SB-Center umgewandelt. SB steht für Selbstbedienung. Kunden können lediglich Geld abheben oder Kontoauszüge ausdrucken. Die Sparkassenmitarbeiter sind weg. Die Folge ist, dass die Räume im Gebäude momentan niemand benutzt. Da im Rathaus Platz fehlt, plant man bei der Gemeinde, Teile der Verwaltung in das ehemalige Sparkassen-Gebäude überzusiedeln. 

Der Weg der Gemeinde ist klar: Nachverdichtung statt Neubau. Korneder sagt: „Es ist positiv, dass wir uns statt einem Umbau des Rathauses für den Erwerb des Sparkassen-Gebäudes entschieden haben.“ Wer genau umziehen muss, steht noch nicht fest. „Gut wären Bereiche, die Kontakt mit der Bevölkerung haben – zum Beispiel das Einwohnermeldeamt“, sagt er. Schließlich würde sich das offene Foyer im alten Bank-Gebäude dafür anbieten. Im Gegenzug sollen Mitarbeiter der Gemeindewerke und der Grasbrunner Projektentwicklungs GmbH, die bisher in einer Gemeinde-Wohnung untergebracht sind, ins Rathaus ziehen. Korneder erwartet sich dadurch „Synergieeffekte“. Hinzukommt, dass wieder eine Wohnung mehr auf dem hart umkämpften Mietmarkt frei würde. Fehlt eigentlich nur ein neues Lebensmittelgeschäft in Neukeferloh. Korneder sagt: „Uns wird nicht langweilig.“ 

Bürgermeister Klaus Korneder: "Uns wird nicht langweilig"

Es ist kurz nach 11 Uhr vormittags. Vor Charlotte Leitners altem Geschäft schaufelt ein Bagger Schutt und Kies. Daneben steht ein Dixie-Klo. Bauarbeiter haben die Gartenstraße aufgerissen. Die Straße in Neukeferloh, wo man früher einmal einkaufen konnte, bekommt einen neuen Belag. Grasbrunn ist im Umbruch.

rat

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