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Im Mittelpunkt: Minister Markus Söder. Hinter ihm stehen die Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer-Stäblein und Bundestagsabgeordneter Florian Hahn. Links neben Söder der Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch, rechts Anton Reichlmair, Ehrenvorsitzender der „Keferloher Freunde“.

Minister Söder beim Keferloher Montag

Zwischen Abreibung und Seelenmassage

Keferloh - Eine kalte Abreibung für Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. Eine wärmende Massage für die bayerische Seele: Markus Söder weiß, was zu sagen ist – auch und gerade am Montag nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern. 

Als Festredner beim Keferloher Montag bietet Söder ein Wohlfühlprogramm, das die rund 2000 Zuhörer gerne genießen. 

Die Kanzlerin ist mit ihrem „Wir schaffen das“ gescheitert. Lösungen in der Asylpolitik müssen her, der Kurs dafür lautet „Wir ändern das“. Die Wahl in Meck-Pomm muss als „Weckruf“ interpretiert werden – und wer das nicht verstanden hat, der muss zur Kur nach Bayern. Denn dort findet sich die Keimzelle all dessen, was funktioniert im ganzen Land: „Deutschland ist stark, weil es uns Bayern gibt“, sagt Markus Söder (CSU), der Heimatminister, der auch Finanzminister ist. Ein erster warmer Guss fürs bayerische Wohlbefinden. Der nächste folgt sofort.

Es sei schon wahr, vor einem Jahr seien die ersten Flüchtlinge in Keferloh untergekommen. Ein Kraftakt, für den es allen Helfern zu danken gelte, findet Söder. Schließlich habe die Welle der Hilfsbereitschaft hier und anderswo im Land dafür gesorgt, dass „wir uns in der Welt ordentlich präsentiert“ haben. Aber mal ehrlich: „Die realen Möglichkeiten der Aufnahme finden irgendwo ihre Grenzen“ und „die unbegrenzte Zuwanderung ist der falsche Weg für unser Land“. Allein Bayern gibt, laut Söder, in den kommenden zwei Jahren neun Milliarden Euro für Flüchtlinge aus. Wie viele Schulen könnten dafür gebaut, wie viele Polizisten eingestellt werden, rechnet er laut. Nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass der Staat in Zeiten der Rekordsteuern nicht einfach dem Bürger in die Tasche greifen dürfe. Und wenn Söder dann an anderer Stelle einmal mehr darauf verweist, dass Bayern beim Länderfinanzausgleich den Zahlmeister der Nation gibt, spätestens dann ist klar: „Bayerisches Geld ist am besten in Bayern aufgehoben.“

Hier und da gibt es kräftigen und spontanen Applaus

Mit seinen Worten erwärmt Söder die Herzen seiner Zuhörer. Viele an den Tischen nicken zu dem, was er sagt. Hier und da gibt es spontanen und kräftigen Applaus. Am Ende, als Söder die Bühne verlässt, wird ein älterer Herr ihm die Hand schütteln und sagen: „Sie haben mir aus der Seele gesprochen, Herr Minister.“

Populismus werfen Söder viele vor, auch einige seiner Parteifreunde. Und manches, was er auch hier im Festzelt sagt, bleibt kaum mehr als ein Schenkelklopfer. Etwa wenn er von Menschen spricht, „die aus total anderen Kulturen kommen“. Die keine Gleichberechtigung kennen, „also wie bei uns, wo die Frau das Sagen hat“. 

Keferloher Montag: Bilder

Burka statt Bikini? Nicht mit Söder

Aber es gelingt Söder, die Zuhörer abzuholen. Er mag ihnen ihre Ängste nicht nehmen können. Aber er stärkt ihr Selbstbewusstsein, gibt ihnen ein gutes Gefühl in diesen Zeiten der scheinbar unentwegten Flüchtlingswellen. Etwa, wenn er sagt: „Wer hier lebt und arbeitet, muss sich an unsere Sitten und Gebräuche anpassen.“ 

Burka statt Bikini? Nicht mit Söder. Denn der will zwar ein „weltoffenes Land“. Aber eines mit sicheren Außengrenzen und ohne unkontrollierte Zuwanderung. Auch nicht aus der Türkei. Deren EU-Beitritt hält er für ausgeschlossen. Und dem Land am Bosporus Visafreiheit zu gewähren, bringt uns, nach seiner Meinung, „nur neue Probleme ins Land“. Was Deutschland wirklich brauche, sei ein Kompass. Die Verfassung allein reiche da nicht, eine Leitkultur sei notwendig. Damit klar und unumstößlich sichergestellt ist: „Wir wollen unsere Werte behalten, wir wollen kein anderes Land werden.“ Wer die Richtung für den neuen Kurs vorgibt, ist für Söder keine Frage: Bayern natürlich. Denn hier werde Politik gemacht, die Probleme löse, nicht Menschen belehre. Ob er auf diesem Kurs einmal den Steuermann geben will? Das lässt er wohlweislich offen. Merkt nur an, der Defiliermarsch beim Einzug ins Festzelt werde ja eigentlich nur für Ministerpräsidenten gespielt – was er aber „emotional aushält“. Ebenso wie die Frage nach Unterstützung für Angela Merkel bei der kommenden Bundestagswahl: „Man muss sehen wie sich Personen und Programme entwickeln“, sagt er lediglich. Das klingt eher nach kalter Dusche als nach wärmender Wohlfühlanwendung.

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