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Politprominenz ist das Aushängeschild des Keferloher Montags. Im vergangenen Jahr war Peter Gauweiler (l.) zu Gast. Vorsitzender Klaus Rieger hat gern den Hut auf, auch wenn die Verantwortung für die Veranstaltung ein großes Risiko für ihn ist.

Bauernfeiertag

"Keferloher Montag" ein gewaltiges finanzielles Risiko

Grasbrunn - Die Keferloher Freunde sind ein kleiner Verein und sie stehen mächtig unter Druck. Denn die Ausrichtung des Keferloher Montags bedeutet inzwischen ein großes finanzielles Risiko.

Die Keferloher Freunde sind ein kleiner Verein und sie stehen mächtig unter Druck. Denn die Ausrichtung des Keferloher Montags bedeutet inzwischen ein großes finanzielles Risiko. Von Charlotte Borst Grasbrunn – Der Keferloher Montag in Grasbrunn ist ein Traditionsfest. Alljährlich versammeln sich Landwirte aus der Region und interessierte Bürger am ersten Montag im September auf dem Freigelände des inzwischen geschlossenen Gasthofs Kreitmair in Keferloh. 

Es gibt einen Markt, einen Rinderschätzwettbewerb und eine zünftige Brotzeit im Festzelt, während das Bier im alten Keferloher Maßkrug gezapft wird und die CSU-Prominenz markige Reden hält. Peter Gauweiler war da, Karl-Theodor zu Guttenberg, Horst Seehofer, Edmund Stoiber und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Festzelt sprachen sie mal vor 3000, mal vor 4000 Besuchern, Guttenberg und Merkel sogar vor 10 000 Leuten. In diesem Jahr ist es den Keferloher Freunden gelungen, den bayerischen Finanzminister Markus Söder am Montag, 5. September, als Festredner zu gewinnen. 

Für den Wirt kaum
lukrativ

Das Problem ist nur, dass Wirt Lorenz Stiftl sein Bierzelt diesmal quasi nur für diese politische Ansprache aufbaut, also für maximal sechs Stunden am Montag. „Diesmal ist es nicht gelungen, ein Rahmenprogramm im Festzelt zu organisieren“, sagt Ehrenvorsitzender Anton Reichlmair. Und dadurch kann die eintägige Veranstaltung für den Wirt kaum lukrativ werden.

„Ohne das Engagement der Augustiner Brauerei würde es gar nicht gehen, die wollen uns einfach unterstützen“ sagt Vorsitzender Klaus Rieger. Er denkt, dass der Keferloher Montag in Zukunft nur noch als mehrtägige Veranstaltung funktioniert. „Das Problem ist aber, dass wir das mit den paar Mitgliedern nicht stemmen können.“ In den vergangenen Jahren hatte sich der Landkreis mit einem Musikanten-Tag oder die Gemeinde Grasbrunn mit einem Ehrenamtstag als Festzeltnutzer angehängt. Doch das kam nicht so gut an, weil der Keferloher Montag in die bayerischen Sommerferien fällt. „Die Ehrenamtlichen kamen auf mich zu, sie fanden das nicht so günstig“, erklärt Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD). Die Festredner würden zwar immer nur aus dem konservativen Lager stammen, meint Sozialdemokrat Korneder, trotzdem steht er hinter dem Traditionstag, und die Gemeinde bezuschusst ihn mit 3000 Euro. „Der Keferloher Montag ist etwas Besonderes und ein Aushängeschild für Grasbrunn“, sagt Korneder.

Diese Meinung teilen eigentlich alle: „Wir wollen das Fest erhalten. Der Keferloher Montag ist ein historischer Feiertag für die Region“, sagt Otto Bußjäger (FW), der ursprünglich auch aus Grasbrunn stammt, stellvertretender Landrat und seit 15 Jahren Mitglied bei den Keferloher Freunden ist. „Solange der Gasthof Kreitmair lief, war der gastronomische Teil in sicherer Hand.“ Seit dieser aber geschlossen ist, wechselten die Wirte im Festzelt ein ums andere Mal. 

Bauernverband fordert Veränderung 

Auch der Kreisobmann des Bauernverbands, Anton Stürzer, hält an der Tradition fest und beruhigt: „Die Keferloher Freunde brauchen nicht die Angst zu haben, dass sich der Bauernverband zurückzieht. Wir steigen nicht aus.“ Gleichzeitig aber fordert er Veränderungen: „Wir müssen in Zukunft mehr Bauern mobilisieren.“ Die Mitglieder des Bauernverbands schreiben Einladungen, kleben Plakate und werben in E-Mails für den Besuch des Festtags. Trotzdem würden mittlerweile weniger Landwirte kommen, dafür mehr politisch Interessierte, sagt Stürzer: „Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist im Landkreis München von 1000 auf 540 zurückgefallen.“ Viele Landwirte seien heute Nebenerwerbsbauern. „Der Montag ist für die ein ganz normaler Arbeitstag, die können sich nicht freinehmen.“ Er fordert deswegen: „Wir müssen uns dem Strukturwandel stellen, denn wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“ 

Doch welche Veränderung sinnvoll ist und auch zum Keferloher Montag passt, darüber wird intensiv im Vorstand diskutiert und mitunter auch gestritten. 

2014 hatte der Kreistag dem Verein der Keferloher Freunde einen Zuschuss von 10 000 Euro gewährt, um gegebenenfalls ein Defizit auszugleichen. Am Ende wurde der Betrag aber gar nicht abgerufen. Privatpersonen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, zahlten das Defizit lieber aus eigener Tasche, statt eine Diskussion über die Inanspruchnahme von Steuergeldern zu befeuern. „Sie haben gesagt, wir stehen selber dafür gerade, weil ihnen die Tradition des Keferloher Montags am Herzen liegt“, erklärt Klaus Rieger. Und weil dieselben Gönner fanden, dass es nicht zum Keferloher Montag passe, Eintritt zu verlangen, spendierten sie auch das Honorar für die Jetzendorfer Hinterhofmusikanten. 

Engagement mit großer Verantwortung 

Der Festtag lebt eben vom Engagement weniger: Klaus Rieger ist seit zwölf Jahren im Vorstand und seit 2008 Vorsitzender und Nachfolger von Anton Reichlmair. „Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt der 56-jährige Angestellte im Rathaus Höhenkirchen-Siegertsbrunn: „Ich bin kein Landwirt und gehöre auch keiner Partei an.“ In einer dreitägigen Veranstaltung sieht er die Zukunft des Festtags, auch wenn das eine riesige Verantwortung ist: „Ich unterschreibe dafür persönlich und bin verantwortlich von Freitag 18 Uhr bis Montag 22 Uhr.“ Auch die Auflagen seien immer schlimmer geworden: „Pro 100 Leute muss man jetzt einen Ordner bezahlen.“ In welche Richtung es weitergeht, das werde man sehen, meint Rieger: „Jeder der positiv denkt, kann sich gern einbringen.“

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