+
Koffer gepackt: In ihrem Zimmer in Pullach ist Anuschka Ptacek jetzt bereit für ihren Freiwilligendienst. Auf nach Afrika – ihr lang gehegter Traum wird wahr.

Anuschka Ptacek aus Pullach macht ein freiwilliges soziales Jahr in Benin

Mitleben im Waisenhaus

Pullach - Der große Koffer ist gepackt – und gut halb so groß wie Anuschka Ptacek (18) selbst. „Ich freu mich schon, aber es ist alles noch nicht ganz realistisch“, sagt sie. Da ist sie noch zu Hause in Pullach. Heute ist sie rund 4500 Kilometer Luftlinie von ihrer Familie entfernt – im westafrikanischen Staat Benin, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wird.

Bereits in der siebten Klasse habe sie gemeinsam mit einer Freundin beschlossen, nach Afrika zu reisen. „Aber wir wollten nicht wo Urlaub machen, wo es anderen schlecht geht“, sie wollten helfen. Nach dem Schulabschluss sollte es losgehen. Seit Juni hat sie ihr Abitur in der Tasche – es ist so weit. Anuschka hat schulterlange, braune Haare. Sie spricht ruhig, wirkt sehr überlegt. 

In ihrer Freizeit spielt sie gern Theater, malt und schreibt. Später will sie Lehramt studieren oder Journalistin werden, das sind zumindest ihre Pläne. Was sie jetzt will, weiß die 18-Jährige aber genau: für ein Jahr nach Afrika, um zu helfen. Bereits letztes Jahr bewarb sie sich deshalb bei der staatlichen „weltwärts“-Organisation, die Freiwilligendienste in Asien, Afrika, Lateinamerika, Osteuropa und Ozeanien über rund 180 Organisationen vermittelt. „Ich wollte mitten in die Kultur rein, das Land und die Leute kennen lernen“, und das gehe über einen Freiwilligendienst eben viel besser als mit einer Rucksacktour, sagt sie.

Benachteiligten Kindern eine Chance auf Bildung bieten

Da Anuschka seit der fünften Klasse Französisch lernt, bot es sich an, in ein französischsprachiges Land zu gehen. Sie bewarb sich auf mehrere Einsatzstellen. Nach einem Auswahlgespräch beim „Kinderhilfe Westafrika e.V.“ im November 2015 wusste sie, wo es für sie hingehen wird: in das Waisenhaus „Les chants des oiseaux“, zu deutsch „Die Gesänge der Vögel“, in Pobé, im Staat Benin. 

Dort wird sie sich gemeinsam mit zwei anderen einheimischen Betreuern um 17 Waisenkinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren kümmern. Zudem werden 60 weitere Waisen, die in der Umgebung bei Verwandten wohnen, begleitet und unterstützt. Ziel ist es, ihnen eine möglichst unbeschwerte Kindheit und eine Chance auf Bildung zu bieten. 

„Das ist gerade für Waisenkinder oftmals nicht selbstverständlich“, sagt Anuschka. Sie wird im Waisenhaus wohnen, hat aber auch eine Gastfamilie. Ihr Gastvater ist der Leiter des Waisenhauses. 

Die Arbeit mit Kindern ist für Anuschka nichts Neues. Sie leitete drei Jahre selbst eine Jugendgruppe in der Heilig-Geist-Kirche in Pullach. „Deshalb wollte ich auch in Afrika gerne mit Kindern arbeiten“, sagt sie. Die Kinder dort sind zwischen zehn und 13 Jahren alt. Und beim Helferkreis in Pullach engagierte sie sich im vergangenen Jahr als Betreuerin von Flüchtlingskindern. 

Was genau Anuschka in Pobé erwartet, weiß sie noch nicht: „Ich bin die erste Freiwillige in dieser Einsatzstelle“, sagt sie. Deshalb habe sie auch keine Vorgänger, die ihr von ihren Erfahrungen hätten berichten können. „Ich werde das machen, wo ich gerade gebraucht werde.“ 

Laut der Organisation gestalten die Freiwilligen beispielsweise den Alltag mit den 17 Kindern oder unterstützen sie bei schulischen Aufgaben. Gemeinsam mit den Projektmitarbeitern wird sie auch die Waisenkinder bei ihren Verwandten besuchen. Die Organisation habe das Waisenhaus erst vor Kurzem gebaut. Deshalb gäbe es noch viele Projekte, die umgesetzt werden sollen, sagt Anuschka, auch eine Grundschule soll entstehen. 

In einem zehntägigen Seminar bereiteten ehemalige Freiwillige Anuschka und 26 weitere junge Erwachsene, die nach Benin reisen, auf ihren Einsatz vor. Dort sei es beispielsweise darum gegangen, wie man mit fremden Kulturen umgeht und sich zurechtfindet. Aber auch praktische Tipps hätten sie bekommen: „Zum Beispiel, was man in seine Reiseapotheke packen sollte, oder wie man Kindergruppen leitet.“ 

Anuschka sammelt noch Spenden für ihr großes Projekt

In Benin folgen weitere Seminare. Während sie in Benin ist, hat Anuschka eine Tutorin in Deutschland und einen Mentor vor Ort, die ihr bei Fragen oder Problemen weiterhelfen. „Während wir dort sind, müssen wir alle drei Monate einen Bericht einreichen und uns jeden Monat bei unserem Tutor melden“, sagt Anuschka. 

Die Finanzierung übernimmt großteils der „Kinderhilfe Westafrika e.V.“. „Dreiviertel der Kosten werden übernommen, 25 Prozent finanzieren sich durch Spenden“, sagt Anuschka. Das Programm wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Dennoch braucht Anuschka noch Spenden, um das Waisenhaus zu unterstützen und ihren Aufenthalt zu finanzieren. 

Die Spenden gehen an den „Kinderhilfe Westafrika e.V.“, der diese dann an das Waisenhaus weitergibt: „Es gibt ein Spendenkontingent von 2000 Euro. Auf alles, was ich vielleicht mehr zusammenbekomme, kann ich zugreifen, um spezielle Projekte zu verwirklichen“, sagt Anuschka. „Das Haus ist ganz neu und grau, vielleicht wäre es für die Kinder schön, es farbig zu streichen.“ Erst einmal sei es aber nur wichtig, dass viele Spenden zusammen kämen, denn das Waisenhaus sei auf Unterstützung angewiesen. Noch in Deutschland hat sie eigens Flyer entworfen, die sie in ihrer Heimatgemeinde Pullach verteilt hat. 

Anuschkas Freiwilliges Soziales Jahr kann man auf ihrem Blog mitverfolgen, auf dem sie ihre Erfahrungen mitteilen wird: „Ich versuche, mit möglichst wenigen Erwartungen dort hinzugehen. Aber natürlich freue mich schon sehr darauf, das Land, die Sprache und die Menschen mit ihrer Kultur kennen zu lernen“.

Von Stephanie Albinger

Spendenkonto und Blog:

Spendenkonto: Kinderhilfe Westafrika, IBAN: DE03830500000000652164, BIC: HELADEF1GER, Verwendungszweck: Anuschka Ptacek.

Anuschkas Blog findet man im Internet unter www.dergesangdervoegelvonpobe.auslandsblog.de


Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Ewig in der Warteschleife

Ebenhausen - Der Kampf um den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs von Ebenhausen erinnert mittlerweile an eine unendliche Geschichte. Und traurig ist sie zugleich.
Ewig in der Warteschleife

Die schwarze Null steht

Brunnthal – Die Haushaltslage der Gemeinde Brunnthal kann als geordnet bezeichnet werden. Diese Draufsicht beim Haushalt 2017 liest sich nicht nur aus dem Resümee des …
Die schwarze Null steht

Wildsau wird vor Augen von Schulklasse erschossen

Grünwald - Aufregung um einen Schulausflug ins Walderlebniszentrum in Grünwald: Dort musste eine Schulklasse mitansehen, wie ein Wildschwein erschossen wurde.
Wildsau wird vor Augen von Schulklasse erschossen

Münchner Merkur sucht Babys des Jahres

Landkreis  - Den Babys des Jahres widmet sich der Münchner Merkur: Wir wollen sie willkommen heißen. Alle Eltern, die 2016 Nachwuchs bekommen haben, können mitmachen.
Münchner Merkur sucht Babys des Jahres

Kommentare