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Viel Redebedarf besteht in Neubiberg zur Asyl-Unterkunft. 

Hitzige Debatte beim Info-Abend in Neubiberg

Asylunterkunft: Kritiker nicht zu beruhigen

Neubiberg - Weniger Flüchtlinge als geplant und eine Zufahrt wie gewünscht: Gute Nachrichten hörten die besorgten Anwohner beim Info-Abend zur geplanten Asyl-Unterkunft. Dennoch hagelte es Kritik. Im Fokus: der Bürgermeister.

Der Abend begann friedlich, harmonisch, auf Dialog und Sachlichkeit ausgelegt. Darum hatte Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland die Redner und mehr als 200 Zuhörer in der Grundschule eindringlich gebeten. Er appellierte, „sachlich und fair zu bleiben und nicht abzudriften in bundespolitische Diskussionen“ über das Thema Asyl.

Letzteres gelang, ersteres nur in Teilen. Je länger der Info-Abend zur geplanten Asyl-Unterkunft an der Äußeren Hauptstraße dauerte, desto emotionaler wurde die Debatte geführt. Dabei hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) zwei gute Nachrichten für die Anwohner,von denen sich viele zur Bürgerinitiative „Flüchtlinge in Neubiberg“ zusammengetan haben: In den acht Holzhäusern, die an der Äußeren Hauptstraße geplant sind, ist Platz für maximal 240 Flüchtlinge – und nicht, die zunächst vorgesehen, für mehr als 300. Zudem erfolgt die Zufahrt über die Staatsstraße und nicht durchs Wohngebiet. Dies ist eine zentrale Forderung der Initiative. 

Dafür dankten die Neubiberger dem Landrat.Im Fokus der Kritik stand vielmehr die Gemeinde, an vorderster Front Bürgermeister Heyland. Ihm warfen mehrere Zuhörer in der Fragerunde Intransparenz bei der Auswahl des Grundstücks vor. Seine Bemühungen um Sachlichkeit, Dialog und ein Miteinander zeigten wenig Wirkung. 

Bürger fordern mehr Transparenz

Stephan Kluge, Anwohner auf der Heid in Nachbarschaft der Traglufthalle, forderte „die gleiche Transparenz, die der Landrat herstellt. Diese haben wir verdient.“ Er erntete großen Applaus. Ebenso für seinen zweiten Wortbeitrag, bei dem er Heyland dazu aufforderte, alle Grundstücke, die für eine Flüchtlingsunterkunft im Gespräch waren, sowie die Gründe für die Ablehnung auf die Internetseite der Gemeinde zu stellen. „Der Landrat macht Ihnen vor, wie das geht. Dann müssen wir nicht wie Bittsteller ins Rathaus kommen.“ Heyland hatte angeboten, jedem Interessierten im Rathaus alle Flächen darzulegen und die Entscheidung dafür oder dagegen detailliert zu erläutern. 

Die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge ist die wichtigste Forderung der Bürger. Kluge war sich sicher: „Es ist den Anwohnern, die nur 20 Meter entfernt von der Unterkunft leben, nur schwer zu vermitteln, dass andere Standorte nicht weiter verfolgt wurden“. In anderen Gemeinden würden die Geflüchteten schließlich auch dezentral untergebracht. 

Dezentrale Unterbringung versus preisgünstiger Wohnraum

Die Kommune habe alles getan, um „möglichst viel Raum zur Verfügung zu stellen“, entgegnete Heyland. In zwei Gemeinde-Gebäuden leben insgesamt 18 Asylbewerber, eigene Freiflächen seien auch überprüft worden. Mit solchen ist Neubiberg aber nicht gerade gesegnet. Zudem sind mehrere Areale, beispielsweise am Floriansanger, vorgesehen „um künftig preisgünstigen Wohnraum für unsere Bürger zu schaffen“, sagte der Bürgermeister. Darüber hinaus kommen nicht alle Areale nach einer Prüfung als Standort für eine Unterkunft in Frage. 

„Wenn es möglich ist, sozialen Wohnraum zu schaffen, kann man auf diesen Grundstücken doch auch für zehn Jahre Asylbewerber unterbringen“, warf ein Zuhörer ein. „Jedes Grundstück wurde bewertet und nie mir nichts, dir nichts entschieden“, sagte Heyland. Zudem sei es naheliegend, dass die Staatsregierung, die für die Unterbringung federführend zuständig ist, Unterkünfte auf eigenen Flächen wie an der Äußeren Hauptstraße baut. Der Rathauschef erinnerte zudem an bestehende Gemeinderatsbeschlüsse, in dem die Nutzung von Flächen für sozialen Wohnraum festgesetzt wurde. 

„Ich bitte Sie, uns all diejenigen Dinge zuzurufen, die wir prüfen sollen.“

Im Gegensatz dazu ist die geplante Asyl-Unterkunft noch nicht in Stein gemeißelt, wie Landrat Göbel betonte: „Ich bitte Sie, uns all diejenigen Dinge zuzurufen, die wir prüfen sollen.“ Dazu zählt auch die Verlegung der Häuser in den Nord-Westen des Areals, um einen größeren Abstand zur angrenzenden Bebauung zu erreichen, die ein Anwohner forderte. 

Die Details der „Feel Home“-Unterkunft stellte Projektplaner Konstantin von Abercron vor. Geplant sind acht Holzhäuser mit 65-Quadratmeter-Wohnungen, bei denen sich jeweils zwei Einheiten einen Eingangs- und Aufenthaltsbereich teilen. Diese Unterkunft werde „eine andere als die, die wir vor einem Jahr gebaut haben“, sagte Landrat Göbel. Er sprach von einem „Wohn-Campus“, bei dem „das dauerhafte Wohnen im Vordergrund steht“ und nicht mehr das Ziel, „möglichst schnell möglichst viele unterzubringen".

Janine Tokarski

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