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Franz Inselkammer und Martin Esterl erinnern sich an den Gegenwind gegen einen Flughafen im Hofoldinger Forst, der zur Gründung der Schutzgemeinschaft führte.

50 Jahre Schutzgemeinschaft

Als sich der Widerstand formiert

Aying - Ayings Kulturlandschaft und ihre Umgebung würden heute anders ausschauen, wäre im Sommer 1969 die Entscheidung anders ausgegangen: Der neue Großflughafen wurde nicht im Hofoldinger Forst gebaut, sondern im Erdinger Moos. Die Schutzgemeinschaft erreichte bei den Verantwortlichen ein Umdenken.

Die sachlich formulierten Argumente dieses Bündnisses, das sich vor 50 Jahren gegründet hat, sprachen gegen den Hofoldinger Forst. Als sich die Pläne in den 1960er Jahren für einen Standort im Hofoldinger Forst herauskristallisierten, hielt sich die Begeisterung im Südosten Münchens sehr in Grenzen. Resignation war zu spüren, dass das der Freistaat durchboxen werde. Viele Menschen hatten Angst um ihre Existenz. Absiedlungsgedanken wurden geäußert. Andere wollten es nicht glauben. 

Martin Esterl aus Heimatshofen erklärte beim vierten Vortrag, der jetzt im Rahmen der Jubiläen Ayings im Sixthofstadel abgehalten wurde, dass er es sich damals nicht vorstellen konnte, dass Hunderte von Hektar Wald gerodet werden sollen. Doch der Landwirt, dessen Familie sich auf dem Hof in Heimatshofen bis zum Jahr 1632 zurückverfolgen lässt, weiß auch: „Es war damals heiß und brandig!“ Will heißen, eine Gefahr gab es sehr wohl, dass die Entscheidung pro Hofoldinger Forst ausfallen konnte. Schließlich gehörten 70 Prozent der dortigen Fläche dem Freistaat Bayern. Die Politik war sich durchaus einig. Aber es gab Gegenwind. 

Schon 1960 hatte sich ein Arbeitskreis der Anliegergemeinden gegen das Vorhaben gegründet. Vorsitzender war der Peißer Bürgermeister Johann Mang, der dann auch die Schutzgemeinschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1970 anführte. Sebastian Stadler; Jahrgang 1939 aus Peiß, zeigt sich noch heute von dem Gemeindeoberhaupt begeistert: „Mit Mang haben wir einen Analytiker gehabt.“ Obgleich der ehrenamtliche Bürgermeister „nur“ Landwirt war, habe er die Schutzgemeinschaft „generalstabsmäßig geführt“: „Unser Bürgermeister hat die Gefahr erkannt, die Lage richtig beurteilt und den Feind mit unschlagbaren Argumenten besiegt.“ 

Zu Hochzeiten gehörten dem Bündnis 104 Gemeinden an, mit 400 000 Menschen. Als besonderes Merkmal der Schutzgemeinschaft sieht Rupert Fritzmeier ihr Auftreten in der Öffentlichkeit: „Wir waren nicht politisch, sondern bürgerlich.“ Auch wenn es Demonstrationsplakate mit dem Titel „Sägt den Minister! Nicht Bäume“ gab, so sei primär mit sachlichen Argumenten gearbeitet worden. 

Fritzmeier war Schriftführer der Schutzgemeinschaft; in seinem Familienunternehmen in Großhelfendorf wurden Plakate und Handzettel gedruckt. Da es bei Fritzmeier schon eine EDV-Anlage gab, war die Mitgliederverwaltung hier in guten Händen. Durchaus ernst sah das Unternehmen, das gerade sein Stammwerk in Großhelfendorf errichtet hatte, die Lage und die Möglichkeit des Flughafenbaus. Um im Notfall Ersatz zu schaffen, wurde das stillgelegte Bergwerk in Hausham übernommen. Mit was die Staatsregierung nicht gerechnet habe, so Fritzmeier, sei die Leistungsfähigkeit der Schutzgemeinschaft gewesen: „Wir haben uns Fachspezialisten geholt. Damit wurde es für die Regierung zusehends schwieriger, weil wir unsere Argumente untermauern konnten.“

"Wir waren nicht politisch, sondern bürgerlich."

Da kam auch Franz Seraph Inselkammer, der verstorbene Vater des heutigen Seniorbräus, ins Spiel, der von Anfang an im Vorstand der Schutzgemeinschaft saß. „Mein Vater hat gehörig mitgemischt. Er war bemüht, durch seine Bekanntheit die richtigen Personen zu bekommen, um stichhaltige Argumente gegen den Hofoldinger Forst zu erhalten“, erzählt Franz Inselkammer sen. „Die größte Karte, die wir gespielt haben, war das Trinkwasservorkommen“, sagt Fritzmeier.

Der Trinkwasserspeicher unter der Schotterebene dürfte den Ausschlag dafür gegeben haben, dass die Staatsregierung am 5. August 1969 bekannt gab, den Standort im Erdinger Moos weiter zu verfolgen. Begründet wurde dies damit, dass sich mit dieser Entscheidung 310 Millionen Mark einsparen ließen. 

Bis heute gibt es die Schutzgemeinschaft, wenngleich sie derzeit ruht. Ihr aktueller Vorsitzender ist Ayings Bürgermeister Hans Eichler. 

Noch bis zum Sonntag präsentieren die Gemeinde Aying und die Ayinger Privatbrauerei eine interessante und informative Ausstellung zu vier aktuellen Jubiläen. Die Ausstellung ist am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet drei Euro.

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