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Einsam ist es derzeit noch in den Gängen des Ayinger Erdstalls. Die Gemeinde will das Tunnelsystem mit Hilfe einer Röhre „erlebbar machen“.

Nach historischem Sensationsfund

Ayinger Erdstall soll erhalten bleiben

Aying - Der vor wenigen Tagen in Aying entdeckte Erdstall aus dem Mittelalter soll erhalten bleiben. Das betonte Bürgermeister Hans Eichler (PWH) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das unterirdische Gangsystem ist ein historischer Sensationsfund und soll künftig auch öffentlich zugänglich gemacht werden.

Da die Aushub-Arbeiten für den Pfarrsaal bereits weitergehen, war klar, dass definitiv ein Teil des Fundes nicht zu halten war. Wie bereits vermutet worden ist, gab es jetzt bei den weiteren Arbeiten einen Gangeinbruch. Beharrt wird aber von gemeindlicher Seite, dass nicht nur Fotos an diesen Erdstall erinnern sollen. Vielmehr soll er in Zukunft zugänglich sein. Bürgermeister Hans Eichler berichtete, dass recht kurzfristig eine einvernehmliche Lösung gefunden worden ist, die bereits vom Landratsamt München Zustimmung gefunden hat. Demnach soll der Pfarrsaal 30 Zentimeter höher errichtet werden, um zu dem darunter liegenden Erdstall eine größere Überdeckung zu schaffen. Außerhalb des neuen Gebäudes sollen die beiden Schachtteile erhalten und mit einem Betonrohr verbunden werden, „um das Gesamtsystem erlebbar zu machen und den Gesamteindruck zu wahren.“ 

Eichler sagte: „Wir haben eine sehr gute Lösung gefunden, um beiden Seiten gerecht zu werden.“ Das sieht auch Josef Bachmair so, der nicht nur Zweiter Bürgermeister, sondern auch Kirchenpfleger von Sankt Andreas ist. Gefunden wurde der Erdstall nämlich auf Pfarrpfründegrund, weswegen die Pfarrei ein Wörtchen bei allen weiteren Schritten mitzureden hat. „Wir arbeiten zusammen, das versteht sich von selbst. So was darf man nicht kaputt machen“, ist nicht nur die klare Meinung des 61-Jährigen. „Der Fund ist einmalig.“

Mit Pfarrer Martin Kurlitsch sei dieser Weg abgesprochen, versichert Bachmair. Unabhängig von den Bauarbeiten werden jetzt Sicherungsmaßnahmen für den Erdstall vorgenommen. Danach könne die Betondecke gesetzt werden. „Die Arbeiten laufen voneinander getrennt. Mit wenigen Tagen Verzögerung geht es bei unserem Bauvorhaben ganz normal weiter“, sagte Bachmair im Gespräch mit dem Münchner Merkur an. Großes Interesse hat der Erdstallfund nicht nur in der Gemeinde Aying gefunden. Neben den Tages- und Boulevardzeitungen war auch das Bayerische Fernsehen vor Ort, um über die Entdeckung in der „Abendschau“ zu berichten. Mutige Bürger sind auch selbst in den Erdstall eingestiegen, um sich ein Bild von der Bauleistung damaliger Zeit zu machen. Es wurde dabei fleißig fotografiert. Manches Foto zeigt mittlerweile nicht mehr den Istzustand, sondern ein Stück Geschichte.

Dass dieses Stück Geschichte erhalten wird, freut besonders den Ayinger Erdstall-Experten Dieter Ahlborn: „Wenn es uns am Ende aller Bauarbeiten gelingt, alles zu sichern, wäre das schon eine Sensation.“ Optimistisch stimmt Ahlborn dabei die Größe der Baufahrzeuge, die demnach deutlich kleiner sind als erwartet. Die Rechnung, die er dabei aufstellt, ist denkbar einfach: „Kleinerer Bagger gleich kleinere Vibration.“

Obwohl das Tunnelsystem ein gutes Jahrtausend ohne nennenswerte Schäden – ein Teil der Decke in der Schlusskammer hatte sich über die Jahre gelöst – überstanden hat, sind die Wände aus Nagelfluh dennoch empfindlich. Sie erhalten ihre Stabilität aus der spitz zulaufenden Deckenform und dem s-förmigen Verlauf der Gänge. Den Erdstall touristisch zu erschließen, hielt Ahlborn daher am Montag noch für „etwas gefährlich“. Dennoch ist er voll des Lobes für die Bemühungen zum Erhalt der mittelalterlichen Tunnelanlage im Ayinger Untergrund: „Es ist super, wie interessiert Gemeinde und Pfarrverband am Erhalt der Anlage sind“, schwärmt Ahlborn. „Das habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt.“

Wolfgang Rotzsche

Wolfgang Rotzsche

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