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Vor seinem stattlichen Hof: Martin Stadler ist einer der letzten Bauern in Peiß, die noch Vieh halten. Er macht sich Sorgen um das Dorf.

Appell an Gemeinderat Aying

Landwirt aus Peiß sorgt sich: „Unser Dorf darf nicht aussterben!“

Aying - 170 Mitglieder hatte die Molkereigenossenschaft Peiß in ihren besten Zeiten. Jetzt sind es noch 15. Viele Ställe und Hofstellen stehen leer in dem 481-Seelen-Dorf, das zu Aying gehört. Martin Stadler (41), einer der letzten drei Landwirte mit Rindern, hat einen Vorschlag zur Belebung des Dorfs: Ställe in Wohnungen umbauen. Für viele ein Tabu.

Martin Stadler will seine Überlegungen nur als Denkanstoß verstehen. Aber die leer stehenden Ställe und Hofstellen an seinem Heimatort bereiten dem 41-Jährigen Peißer Sorgen. Wie soll es damit weitergehen? Immer weniger Vieh wird in Peiß gehalten. Stadler, der Ortsobmann des Bauernverbandes ist, plädiert für die Möglichkeit, in diesen Gebäudeteilen Wohnungen einrichten zu lassen. Dabei soll sich Peiß nicht grundlegend verändern, sondern wandeln.

Wenn der Landwirtschaftsmeister an den einzelnen Gehöften in Peiß vorbeigeht, dann weiß er nur zu gut, wo tatsächlich noch Kühe gehalten werden. „Wir sind nur noch zu dritt“, sagt Martin Stadler. Das ist natürlich kein Phänomen, das nur in Peiß auftritt. Aber das Straßendorf lebt von den großen Bauernhöfen entlang der Hauptstraße. Hier wird das besonders deutlich. Gehörten der Molkereigenossenschaft Peiß früher 170 Bauern an, sind es heute nur noch 15. Landwirtschaftliche Betriebe sind auf den Rückzug.

Landwirtschaft auf dem Rückzug

Und das hat unterschiedliche Gründe, auch in Peiß. Nur eine kleine Viehmenge zu haben, rentiert sich nicht mehr. „Wir haben 70 Milchkühe und nochmals die gleiche Menge an Nachzucht. Und selbst da reicht es nicht, meine Familie zu ernähren“, sagt Martin Stadler. Mit dem Kartoffelverkauf hat er ein zweites Standbein. Seine Milchkühe stehen auch nicht mehr auf dem Bauernhof, sondern etwas weiter unten, in Richtung Bahngleis. „So ein Stall wäre im Dorf heute nicht mehr denkbar“, sagt Stadler und bringt als Beispiel die Menge an Tieren, den Geruch und die Lautstärke an. Andere Landwirte gingen ihrer Beschäftigung nur noch im Nebenerwerb nach, bewirtschafteten letztlich nur Felder und Wälder.

Wohnungen statt Ställe

Auch der Generationenwechsel ist ein Thema. Heutzutage noch den Hof der Eltern zu übernehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das hat Folgen für ein Dorf wie Peiß: Vor allem Gebäudeteile, die zur Unterbringung und Versorgung von Tieren dienen, stehen immer häufiger leer. Trotzdem müssen sie unterhalten werden, um sie vor dem Verfall zu schützen. Auf nicht wenigen Anwesen in der Rosenheimer Straße liegt der Denkmalschutz. Da ist nicht nur der Rat teuer.

Im Dorf redet keiner laut über das Thema

„Im Dorf wird nicht laut über dieses Thema geredet, aber mich beschäftigt das schon sehr“, bekennt Stadler. „Wir müssen uns überlegen, ob nicht die Gebäudeteile, die nicht mehr für die Landwirtschaft benötigt werden, in Wohnungen umgewandelt werden können.“ Schließlich werde Wohnraum benötigt. Und da ist Stadler eine Nachverdichtung wesentlich lieber, als das Ausweisen neuer Flächen, die eventuell auch von der landwirtschaftlichen Nutzung weggenommen werden. Überlegt werden könnte, inwieweit bestehende Bauten umgewandelt oder neu errichtet werden können, ohne viel am Aussehen zu ändern. „Die Proportionen müssen freilich stimmen.“

Moderates Bevölkerungswachstum

Dabei ist sich Martin Stadler durchaus bewusst, dass ein Plus an Einwohnern nicht nur Vorteile birgt. Moderat müsste auch in Peiß der Bevölkerungszuwachs sein. Wie das alles gehen könnte, weiß der Familienvater auch nicht. Es ließe sich sowieso niemand zu seinem Glück zwingen, selbst wenn von gemeindlicher Seite der Weg für diese Idee durch die Bauleitplanung eröffnet werden könnte. „Ich möchte sicherlich keinen Unfrieden schaffen“, betont Stadler. Aber: „Wenn gar nichts getan wird, verfallen Bauten. Das kann nicht unser Ziel sein. Unser Dorf darf auch nicht aussterben.“

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