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Die 19-jährige Vanessa Hirsch wurde vor kurzem Mutter.

Plötzlich Mutter

Baby statt Blinddarm: Keiner wusste, dass sie schwanger war

Vanessa Hirsch aus Brunnthal kam mit Verdacht auf Blinddarmentzündung ins Krankenhaus – und mit einem Kind wieder nach Hause. Keiner wusste von der Schwangerschaft.

Die 19-jährige Vanessa Hirsch wurde vor kurzem Mutter. Das Besondere daran: die Schwangerschaft blieb unbemerkt. Sie kam quasi wie die Jungfrau zum Kind. „Nicht ganz“, sagt Vanessa mit einem Lachen. Es gibt da schon jemanden, der maßgeblich beteiligt war: ihr Freund Ferdi.

Die Zwei lernten sich in der Schule kennen und sind mittlerweile gut zwei Jahre zusammen. Ja, und jetzt ist Ferdinand Ranninger (20) aus Ottobrunn plötzlich Papa. Über Nacht. So schnell kann’s gehen. „Eine tolle Überraschung.“ Das ging dem jungen Vater als Erstes durch den Kopf nach der Geburt seines Sohnes Maximilian.

Davor war nicht viel Zeit zum Nachdenken gewesen. Während seine Freundin wegen Verdachts auf Blinddarmentzündung von einem Arzt untersucht wurde, wartete Ferdinand auf dem Krankenhausflur. Kurz darauf ging die Tür auf und eine Krankenschwester zerrte ihn in Richtung Kreißsaal – mit den Worten: „Sie werden Vater!“

Dann ging es auch schon los. Vanessa Hirsch war es wenige Minuten zuvor nicht viel anders ergangen. Blutabnahme und Ultraschall-Untersuchung brachten den wahren Grund für ihre Bauchschmerzen schnell ans Tageslicht. „Sie bekommen ein Kind!“, sagte der Arzt ganz direkt. Es ihr schonender beizubringen, dafür fehlte schlichtweg die Zeit. Der Kopf des Kindes war bereits zu sehen.

In dem Moment ein regelrechter Schock für die werdende Mutter. Die Gedanken purzelten durcheinander: „Oh Gott, was passiert da mit mir? Schaffe ich das alles überhaupt?“ Danach begibt sie sich vertrauensvoll in die Hände der erfahrenen Fachleute. „Ich habe einfach gemacht, was mir die Hebamme gesagt hat“, erzählt die Brunnthalerin. Wenige Presswehen später war der kleine Maximilian auch schon da: 51 Zentimeter groß und 2980 Gramm schwer.

Was folgte, war der Anruf bei Vanessas Eltern. „Ich hab‘ zwei Stunden gebraucht, bis ich es richtig begriffen habe“, erinnert sich Thomas Hirsch. Der frischgebackene Opa ist 50 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Simone (48) und den Töchtern Vanessa und Laura in Neukirchstockach, einem Ortsteil von Brunnthal.

Die Reaktion des Opas ist nachvollziehbar. Vanessa zeigte keinerlei Anzeichen einer Schwangerschaft. Keine morgendliche Übelkeit, kein typischer Schwangerschaftsbauch. Vanessa hat es für eine der üblichen Gewichtszunahmen gehalten. „So wie man halt immer wieder mal ein bisserl zu- oder abnimmt.“

Und dann auf einmal ein Kind. Sozusagen aus dem Nichts. Damit hatte keiner gerechnet. Zunächst war die größte Sorge, ob Maxi gesund ist. Natürlich hatten die jungen Eltern auch Angst, was auf sie zukommen wird.

Nach dem ersten Schreck weiß Ferdinand Ranninger heute allerdings: „Rückblickend war es der schönste Tag meines Lebens.“ Dass er das so sehen kann, ist auch das Verdienst des Klinikums Neuperlach, wo der kleine Maximilian geboren wurde. „Die haben uns dort wirklich sehr geholfen“, sagen die dankbaren Eltern.

Ein weiteres Glück: Maxi kam noch kurz vor dem geplanten Urlaub auf die Welt. „Sonst wären wir zu dritt aus Kroatien heimgekommen“, erklärt Papa Ferdinand. So jung Eltern zu werden, war freilich nicht geplant: „Wir wollten eigentlich noch ein paar Jahre mit der Familienplanung warten.“

Weil Vanessa und Ferdinand in Ausbildung sind – sie zur Erzieherin, er zum Einzelhandelskaufmann – bleiben sie wie bisher bei den Eltern wohnen. In ein paar Jahren möchten sie sich eine gemeinsame Wohnung nehmen. Das Schönste für das junge Paar ist: „Wir haben durchweg positive Reaktionen erfahren.“

Von der Baby-Erstaustattung bis zum Alltag mit Kind – Familie oder Freunde, jeder hat mitgeholfen, damit der kleine Maximilian einen guten Start ins Leben hat. Vor allem Oma Simone ist eine große Stütze. „Sie ist immer für uns da und hilft wo sie kann“, sagt Vanessa.

Und dann ist da ja auch noch Laura, Vanessas Schwester. Die 14-Jährige ist – wie alle anderen – hin und weg von dem Kleinen: „Wenn man ihn ansieht, geht einem das Herz auf – vor lauter Freude“, schwärmt sie und hat sich gleich freiwillig für den Babysitter-Dienst gemeldet. Fazit: Überraschungsbaby hin oder her. Maximilian ist gesund und munter. Und er bringt Leben ins Haus. Darüber freut sich die ganze Familie.

Cornelia Schönhardt

Unbemerkt schwanger – geht das wirklich?

Interview: Gynäkologe Dieter Grab hat in 30 Jahren fünf Fälle erlebt, in denen Schwangerschaftszeichen nicht wahrgenommen wurden

Eine unbemerkte Schwangerschaft wie jetzt in Brunnthal ist kein Einzelfall. Wie oft kommt so etwas tatsächlich vor?

Professor Dieter Grab,Chefarzt der Frauenklinik, Klinikum Harlaching und Klinikum Neuperlach.

Professor Dieter Grab: Eine unbemerkte Schwangerschaft ist ein seltenes Ereignis. Über die genaue Häufigkeit gibt es keine belastbaren Daten. Ich erinnere mich während meiner inzwischen über 30-jährigen geburtshilflichen Erfahrung an insgesamt fünf Fälle von über 60 000 Geburten. Die rückblickend eigentlich meist deutlichen Schwangerschaftszeichen werden von den betroffenen Frauen und ihrer Umwelt bis zum Einsetzen der Geburtswehen in aller Regel verdrängt.

Die Mutter aus Brunnthal hat, wie sie sagt, immer zuverlässig die „Pille“ eingenommen. Welche Ursachen gibt es, die zu einem Versagen der „Pille“ führen können?

Bei Pillenversagen handelt es sich meist um Einnahmefehler. Das heißt, das Einnehmen der „Pille“ wird an einem Tag ganz vergessen oder die „Pille“ wird zu spät eingenommen. Das ist insbesondere relevant bei reinen Gestagen-Präparaten, den sogenannten Minipillen. Andere Möglichkeiten sind Magen-Darm-Infekte mit Erbrechen des Mageninhalts nach der Pillen-Einnahme, dann wirkt die „Pille“ natürlich auch nicht. Seltener sind Wechselwirkungen mit anderen Präparaten, die zu einem schnelleren Abbau der Wirkstoffe führen, wie das beispielsweise bei Medikamenten gegen Epilepsie der Fall ist.

Wenn eine Frau in Unkenntnis der Schwangerschaft weiter die „Pille“ einnimmt: Ist das der Grund, weshalb sie trotzdem regelmäßig ihre Periode hat, beziehungsweise die klassischen Anzeichen einer Schwangerschaft, wie morgendliche Übelkeit oder Erbrechen fehlen?

Periodenblutungen bei Schwangeren unter Pilleneinnahme sind eher die Regel als die Ausnahme und durch die „Abbruchblutung“ aus der Schleimhaut des Gebärmutterhalses auch gut pathophysiologisch erklärbar. Das Fehlen der morgendlichen Übelkeit hat wahrscheinlich weniger mit der Pilleneinnahme zu tun. Übelkeit und Erbrechen gehören ohnehin nicht zu den obligaten Schwangerschaftszeichen.

Kann es durch die Pillen-Einnahme während der Schwangerschaft zu Schäden beim Kind kommen?

Die modernen niedrig dosierten Präparate zur hormonellen Kontrazeption (Anm. d. Red. Empfängnis- oder Schwangerschaftsverhütung) bergen nach heutigem Stand für das Ungeborene kein Risiko für Fehlbildungen.

Welche Gefahren birgt eine unbemerkte Schwangerschaft für Mutter und Kind?

Es besteht ein erhöhtes Risiko durch den Konsum von Alkohol, Nikotin, Medikamenten, Drogen und Strahlenexposition. Da die betroffene Frau ja von ihrer Schwangerschaft nichts weiß und somit diese Dinge nicht in ihrer Lebensführung berücksichtigt. Weil sich die Frauen auch nicht entsprechend körperlich schonen, besteht ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko.

Weitere Risiken?

Sämtliche in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen entfallen, und damit werden für die Schwangerschaft relevante Erkrankungen, zum Beispiel Blutarmut oder Diabetes mellitus oder für Schwangerschaften riskante Infektionen nicht erkannt. Genauso wie eine Mangelversorgung des Ungeborenen. Wird die Schwangerschaft erst kurz vor der Geburt des Kindes erkannt, kann Gefahrenzuständen während der Eröffnung des Muttermundes, wie Sauerstoffmangel, nicht rechtzeitig durch adäquate geburtshilfliche Maßnahmen entgegengewirkt werden.

Das Gespräch führte Cornelia Schönhardt.

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