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Finstere Wolken am Himmel: Das Baierbrunner Kältetechnik-Unternehmen Kelvion steht vor der Schließung. Ende 2018 soll hier dicht gemacht werden. 

Mitarbeiter kritisieren das Vorgehen des Unternehmens

Kelvion löst Standort auf: 200 Mitarbeiter stehen vor dem Aus

Baierbrunn - Beim Kühlgeräte-Hersteller Kelvion, ehemals GEA, in Baierbrunn herrscht eisige Stimmung. Seit vielen Jahrzehnten hat das Unternehmen einen großen Produktionsstandort in der Gemeinde. Jetzt hat die Geschäftsführung den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung überraschend verkündet, dass der Standort geschlossen wird. Rund 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Sie fühlen sich verraten und verkauft.

Was Kelvion am Mittwoch in einer offiziellen Pressemitteilung von seiner Bochumer Zentrale aus als „neue Strategie“ zur Steigerung der Wettbewergsfähigkeit verkauft, heißt für die rund 200 Mitarbeiter in Baierbrunn schlichtweg: Ihnen steht die Kündigung ins Haus. Am Mittwoch hatte die Geschäftsführung alle Mitarbeiter spontan zu einer Betriebsversammlung zusammengetrommelt. Wie Alexander F. (Name von der Redaktion geändert), der Ehemann einer Mitarbeiterin, dem Münchner Merkur berichtet, seien alle davon ausgegangen, dass sich der neue Geschäftsführer vorstellen wollte. „Was dann kam, hat alle geschockt“, sagt er. Die Geschäftsführung verkündete den Mitarbeitern, dass der Standort Baierbrunn 2018 geschlossen werden soll, weil er nicht mehr konkurrenzfähig sei. Auch das mehrere Zehntausend Quadratmeter große Gelände soll verkauft werden. Nicht einmal der Betriebsrat habe von diesen Plänen vorher gewusst.

Investor lässt umstrukturieren 

Zu tumultartigen Szenen sei es dann im Laufe der Versammlung gekommen. Mitarbeiter hätten laut und wütend ihrem Unmut Luft gemacht. „Sie warfen der Geschäftsführung offen vor, die Firma sehenden Auges vor die Wand gefahren zu haben“, sagt Alexander F..

Seine Frau, erzählt er, arbeitet seit mehr als 25 Jahren in dem Unternehmen. Vor etwa zwei Jahren hat der internationale Investor „Triton“ das Unternehmen, das damals noch GEA hieß, gekauft. Das Segment „Wärmeaustauschgeschäft“ wurde abgespalten und unter dem neuen Namen Kelvion weitergeführt. „Vor der Übernahme war das ein harmonischer Betrieb, danach wurde nur noch systematisch Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt und man hat die Firma ausbluten lassen“, so F.. Optimierungsagenturen seien durch das Unternehmen gelaufen, um zu schauen, wo man sparen, umstrukturieren und reduzieren kann. Teile der Produktion und Knowhow hätte man auf günstigere Standorte im Ausland, wie Polen und China, ausgelagert. Mit Rabatten von bis zu 60 Prozent seien Kunden geködert worden, um die Umsätze nach oben zu treiben. Alexander F.: „Rentabel war man damit aber nicht, und investiert wurde daher auch nicht.“

Untergang mit Methode?

Stattdessen habe man die Mitarbeiter unter Druck gesetzt, sie müssten noch mehr leisten, damit das Unternehmen überlebt. „Viele haben Überstunden geschoben, sind sogar am Wochenende in die Firma gekommen. Ich kann tagsüber meine Frau nicht mal anrufen, weil sie gar keine freie Minute zum Atmen hat und unter ständiger Beobachtung ist“, sagt Alexander F.. Im letzten Jahr sei es so schlimm geworden, dass seine Frau fast täglich den Tränen nahe war. Auch von Mobbing spricht er. „Wenn langjährige Mitarbeiter von selbst gehen, dann kann das der Firma ja nur recht sein, um keine großen Abfindungen zahlen zu müssen.“ Auch bei der Betriebsversammlung hätte die Geschäftsführung den Mitarbeitern ans Herz gelegt, die Zeit zu nutzen, um sich schon jetzt nach einem neuen Job umzusehen. War der Untergang von Kelvion in Baierbrunn also vorprogrammiert und reine Strategie? So zumindest vermuten es viele Kelvion-Mitarbeiter, die nun um ihre Existenz bangen müssen. „Es ist die typische Heuschrecken-Masche“, ist sich Alexander F. sicher. „Eine ganz miese Methode.“

Kelvion schweigt zu den Hintergründen

Kelvion selbst wollte zu den Vorwürfen gestern keine Stellung nehmen. Über die Pressestelle ließ das Unternehmen ausrichten, man wolle jetzt erst einmal intern die Kommunikation mit den Mitarbeitern suchen. In der offiziellen Presseerklärung jedenfalls verliert das Unternehmen kein Wort über Kündigungen. Stattdessen ist von einem „neuen Programm“ die Rede: „Es umfasst im ersten Schritt Investitionen, Struktur- und Kapazitätsanpassungen in Deutschland. Uns war es wichtig, die Mitarbeiter und Betriebsräte frühzeitig zu informieren, um sie in die detaillierte Ausgestaltung der anstehenden Maßnahmen in den kommenden Monaten aktiv einzubinden.“

Lesen Sie hier einen Kommentar von Merkur-Redakteurin Patricia Kania.

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