+
Schnell unterwegs ist man mit der original Quickly L, dem Moped, mit dem Ottfried Fischer in dem Streifen „Irgendwie und Sowieso“ unterwegs war. Eva Michels von den Oldtimerfreunden sitzt Probe.

Oldtimer-Treffen

Alte Schätze aufpoliert

Brunnthal - Es war bei den früheren Jahres-Treffen der Faistenhaarer Oldtimerfreunde schon mal trockener und wärmer. Vom Matsch auf dem Ackergelände und gelegentlichen Regengüssen ließen sich die vielen 100 Besucher auf dem Hofgelände der Familie Ritz nicht abhalten.

Rund 200 Fahrzeuge mit nostalgischem Glanz zogen die Gäste wieder in ihren Bann. Aus allen Himmelsrichtungen der Region kamen jene Fahrzeuge und ihre stolzen Besitzer von Motorrädern, Autos, Schleppern, Bulldogs, Landmaschinen oder Standmotoren. Sogar ein antikes Feuerwehreinsatzfahrzeug aus Salzburg sowie ein US-Militärjeep aus den 1960er Jahren waren darunter. Das Schöne ist die Vielseitigkeit der nur scheinbar willkürlich angeordneten Fahrzeuge.

Das Faistenhaarer Oldtimer-Treffen hat vieles zu bieten. Der Rundgang beginnt in der zur Moped-Halle umgestalteten Scheune. Dutzende von Zweirädern von DKW bis Zündapp haben die Halle geflutet. Schnell auf ein ganz besonderes Schmuckstück. Die „Quickly L“ mit 49 Kubikzentimetern Hubraum, 1,4 PS, 26-Zoll-Rädern, Blechschalenlenker, verkleidetem Hinterrad und Hinterradfederung sowie einem Steigungsfahrvermögen von 18 Prozent war innerhalb der erfolgreichsten Moped-Kreationen, die Hersteller NSU ab 1953 auf den Markt brachte, die sogenannte Luxusvariante. Bekannt wurde das formschön wie nostalgisch anmutende Vehikel durch die 1980er-Jahre-Kultserie „Irgendwie und Sowieso“. Ottfried Fischer brillierte unter der Regie von Franz Xaver Bogner als musikverrückter Jungbauer Alois Kerschbaumer, der wegen seiner Liebe zum eigenen Fahruntersatz den beziehungsreichen Spitznamen „Sir Quickly“ trug.

In Faistenhaar kamen also nicht nur die Maschinenbau-Anhänger, sondern auch TV-Serien-Nostalgiker auf ihre Kosten. Das Original-Moped aus der Serie war live zu bewundern – samt jener Mixturen-Musikanlage aus Tonbandgerät und Plattenspieler auf dem eigenwillig umgestylten Gepäckträger, mit der „Sir Quickly“ seinerzeit per Dreiganggetriebe durch die Dreharbeiten rauschte. „Auf solche Gustostückerl sind wir natürlich stolz“, erklärt Franz Ritz und führt gleich zu einem weiteren, sehr besonderen Stück. In der Abteilung „Bulldogs“ gleich nebenan sticht der Lanz HR 5 besonders ins Auge. Das drei Tonnen schwere Exponat war der weltweit erste Bulldog mit Umlaufkühlung, wurde von 1929 bis 1935 gebaut und ist mittlerweile auf dem Sammlermarkt schwer zu bekommen.

 Der als „Bulldog-Kini“ in Branchenkreisen bestens bekannte Sammler und Schrauber Ludwig Streitberger hatte das Erfolgsmodell mit Rückwärtsgang und 10 338 Kubikmeter Hubraum 1992 in Neuseeland entdeckt und auf schwierigen Pfaden nach Deutschland geholt. Mittlerweile steht das stolze Ein-Zylinder-Fahrzeug im Fuhrpark von Franz Ritz, der allein zehn Antik-Bulldogs sein eigen nennt und vornehmlich mit Spezl Wast Pichler an dem Neuseeland-Modell schraubt. „Wir haben dem Lanz sogar Motorräder verpasst, um so mit den breiten Walzen besser über morastiges Geläuf zu fahren“, erklärt Ritz am Objekt. 

Jetzt ist auch Senior Hans Ritz eingetroffen – zusammen mit dem verstorbenen Heinz Bründel vor knapp zwei Jahrzehnten Initiator des Treffens. Im schmucken Exponat fährt Ritz senior vor. „Ein 17 M P3 TS“, präsentiert Ritz liebevoll den eigenen Ford Taunus des Baujahrs 1963. „Einzelsitzer, Viergang-Getriebe, 70 PS und 1,7 Liter-Motor“, sprudelt es aus dem Oldtimer-Fachmann. „Wegen seiner ovalen Bauform auch im Volksmund Badewanne genannt“, erklärt Ritz. „Aber wir schrauben nicht nur. Wir besuchen auch andere Ausstellungen und Oldtimervereine, Museen oder treffen uns zu jährlichen Ausflugsfahrten“, umreißen Vater und Sohn Ritz den weiten Radius der Faistenhaarer Oldtimerfreunde. 

Die alten Schätze haben auch ganz junge Fans. Der siebenjährige Luis aus Rosenheim hat den Fahrersitz eines Kleintraktors aus technischer Koproduktion der „Linde Eismaschinen AG“ und der „Güldner Motorenwerke Aschaffenburg“ erklommen und hantiert fachmännisch an den Armaturen. „Besonders interessieren mich alte Autos und Landmaschinen. Mit meinem Papa bastele ich selbst an Maschinen rum“, sagt der junge Fachmann. Vorbei an weiteren Schmuckstücken wie dem feuerroten Porsche Diesel Traktor (Baujahr 1961) führt der Weg noch zu Josef Weigl aus Moos. Der „alte Hase“ der Branche ist ein ausgewiesener Sammler von Eicher-Traktoren und hat im heimischen Gehöft rund 30 der wertvollen Altvehikel zusammengeführt. Heute ist er mit dem Modell „Tiger 2“ nach Faistenhaar gekommen. Baujahr war 1969, und es wurde vom Alt-Landwirt früher fürs Mähwerk verwendet. „Viel Bastelei steckt da drin“, verrät Weigl schmunzelnd. „Die Antriebswelle habe ich von einem Audi 100 hier eingepasst“, präsentiert er stolz das Innenleben seines stattlichen Boliden. Harald Hettich

Auch interessant

<center>Süße Weihnachtsbäckerei</center>

Süße Weihnachtsbäckerei

Süße Weihnachtsbäckerei
<center>König Ludwig 4er Set mini</center>

König Ludwig 4er Set mini

König Ludwig 4er Set mini
<center>Bayerische Hausberge</center>

Bayerische Hausberge

Bayerische Hausberge
<center>Münchner Kalenderblätter</center>

Münchner Kalenderblätter

Münchner Kalenderblätter

Meistgelesene Artikel

Dach muss wohl neu gedeckt werden

Ebenhausen – Über Geschmack lässt sich streiten, über die Dachfarbe in Ebenhausen aber nicht. Denn hier gilt: Grau ist nicht erlaubt, weshalb die Besitzerin des …
Dach muss wohl neu gedeckt werden

Erst Kündigung, dann saftige Mieterhöhung

Ottobrunn – „Stellplatz zu vermieten“: Kaum zu übersehen sind die Schilder, die auf dem Areal an der Zaunkönigstraße in Ottobrunn, vor den Hausnummern 9 bis 13, an …
Erst Kündigung, dann saftige Mieterhöhung

60.000 Euro Schaden bei Karambolage vor Autohaus

Sauerlach – Eine Mercedes-Fahrerin hat am Dienstag gegen 14.30 Uhr auf dem Gebrauchtwagenareal des Autohauses Huber in Lochhofen vier abgestellte Pkw ramponiert und …
60.000 Euro Schaden bei Karambolage vor Autohaus

Radfahrer übersehen

Brunnthal – Ein 30-jähriger Brunnthaler ist am Dienstag um 16.30 Uhr  schwer verletzt worden, als er in Brunnthal mit seinem Fahrrad von der Glonner Straße nach links in …
Radfahrer übersehen

Kommentare