Drei Ordensschwestern im Haus Betania in Pullach: Maurilla, Dolorosa und Barbara (v.l.). Seit 2004 leben die drei in Pullach, beten und arbeiten gemeinsam.

Jubiläum

Die drei "Ausgesandten"

Maurilla, Dolorosa und Barbara gehören seit 60 Jahren der Franzsikanerinnen-Gemeinschaft "Schwestern von der Schmerzhaften Mutter" an

Wer in Pullach regelmäßig in die Kirche geht, am Montag vielleicht in Warnberg oder am Wochenende in Heilig Geist, der kennt die drei bestimmt. Sie fehlen ja in keinem Gottesdienst, tragen immer ihre Schwesterntracht, haben ihre Kette um den Hals, die die Mutter Maria zeigt unterm Kreuz. Sie sind Maurilla, Dolorosa und Barbara, Schwestern von der „Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter“, die in der Gemeinde auch wohnen. Kürzlich wurden sie, als auch die Pfarrkirche ihren 60. Geburtstag gefeiert hat, geehrt – für ihre 60-jährige Zugehörigkeit zum Orden.

Beim Besuch des Münchner Merkur im „Haus Betania“ haben sie einiges zu erzählen. Schwester Barbara war zwölf Jahre in Brasilien. Maurilla und Dolorosa haben in verschiedensten Einrichtungen als Erzieherinnen gearbeitet. Sie sind noch immer caritativ engagiert, machen, wie es die Regel des Ordens vorsieht, Krankenbesuche, kümmern sich um alte Leute, helfen mit beim Isartaler Tisch. Mit ihnen im Haus wohnt noch eine vierte Schwester, Hildegard. Sie ist aber an diesem Tag nicht da, sie arbeitet bei Missio in München. „Sie ist ja auch noch jünger als wir“, scherzen die drei. Ein kleiner Witz: Hildegard ist auch schon 78, die drei sind zwischen 79 und 81 Jahren. Aber: „In unserem Alter zählt jedes Jahr.“

Maurilla, die sich ihren Namen damals noch nicht selbst aussuchen durfte, der Gemeinschaft beigetreten, 1956 legte sie – wie auch die anderen – ihr Gelübde ab. Schwor, in Armut zu leben, ehelos zu bleiben, gehorsam zu sein. „Ich hab gedacht, es muss wunderschön sein, sein Leben Gott zu schenken und für die Menschen da zu sein.“ Dabei hatte sie in ihrem Leben nie ein festes Zuhause – „wir sind ja Ausgesandte“. Als Erzieherin war sie unter anderem in Bamberg, in Ingolstadt und Wien tätig.

2001 ist sie nach 45 Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden. Aber sie wollte weiterhin mit Menschen zu tun haben – und ließ sich deshalb ausbilden zur Kursleiterin für Egli-Figuren. Man stellt sich das Fertigen dieser gesichtslosen Puppen, mit denen sich biblische Szenen besonders gut nachstellen lassen, und für die es Rohlinge gibt in sechs Größen, einfacher vor als es offensichtlich ist. Jedenfalls ist es keine Seltenheit, dass Leute drei Kurse buchen – und immer noch nicht allein damit zurechtkommen, die Köpfe der Figuren schön zu formen, deren Kleider ordentlich zu nähen. Schwester Dolorosa, die ruhigste in der Runde, ist über eine Cousine in die Gemeinschaft gekommen. Sie war auch Erzieherin, in fünf Kindergärten. Sie sagt: „Die Heilige Schrift ist, was uns trägt und hält.“

Derweil hatte Schwetser Barbara Handarbeitslehrerin werden wollen. Sie musste aber erst mal Paramentenstickerin lernen. Nach zwölf Jahren teilte sie der Oberin mit: „Ich bin jung und hab Energie und kann nicht den ganzen Tag sitzen und nadeln.“ Sie konnte sich dann ausbilden lassen zur Krankenpflegerin, aber als sich die Gelegenheit bot, rauszugehen in die Welt – da zögerte sie nicht lange. Sie ließ sich in die Karibik schicken, obwohl sie nicht mal Englisch konnte. Nach Trinidad, St. Lucia und Barbados verirrte sich damals noch kein Tourist, „da war bitterste Armut“. Medikamente gab es nur in Form von Probepackungen. 

Fünf Jahre blieb sie dort – bis sie gefragt wurde: Ob sie nicht zufällig nach Brasilien wechseln wolle? Nein, sagte sie. Sie sprach schließlich kein Wort Portugiesisch. Aber die Generaloberin ließ nicht locker – und dann gab Schwester Barbara doch nach. Fand sich daraufhin wieder in einem Vorort von Goiania, nicht allzu weit entfernt von Brasilia, der Hauptstadt des Riesenlandes. Sie sah die Leute in Plastikhütten hausen, die Kinder saßen auf der Straße herum und hatten nichts zu tun. „Am Anfang war das schon eine harte Zeit.“ Aber: „Ich hab mir dann ein paar Mädchen zusammengerufen und denen Handarbeitsunterricht gegeben.“ Später brachte sie die Jugendlichen in Ausbildungsberufen unter, sie fühlte sich ziemlich wohl. „Die Leute sind so gastfreundlich, auch das Klima hat mir gut getan.“ 

In ihrem schlichten Wohnzimmer sitzen die drei und lächeln zufrieden. Schwester Maurilla stellt klar: „Unser Leben ist nicht nur Verzicht.“ Auch wenn sie wenig besitzen, auch wenn sie nie ihren Arbeitslohn in Form von Geld ausgezahlt bekommen haben. Die drei sagen: „Die Gemeinschaft sorgt für uns.“ Sie sind froh, ein Dach überm Kopf und zu essen zu haben, auch ein Auto steht ihnen zur Verfügung: „Das hat nicht jeder.“

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