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Helmut Achatz und sein Falke Sokrates.

Experiment der Bundeswehr-Uni Neubiberg

Im Sturzflug durch den Windkanal

Neubiberg - Sokrates liebt gutes Essen. Für eine Wachtel jagt der Würgefalke sogar durch den Windkanal der Bundeswehr-Uni in Neubiberg. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über das Flugverhalten der Falken.

Während Falkner, Helmut Achatz, routiniert Frage um Frage der Journalisten beantwortet, thront Sokrates auf seiner Hand und kratzt sich gelegentlich am Schnabel. Ganz so, als würde den Würgefalken der Rummel tief unterhalb des Geländes der Bundeswehr-Universität in Neubiberg so rein garnichts angehen. Dabei sind heute alle Kameras nur auf ihn gerichtet. Sein Auftritt im Windkanal der Fakultät für Aerodynamik steht unmittelbar bevor.

Für Sokrates wird der Sturzflug durch den Windkanal nur ein Weg zu einem Leckerbissen sein. Die saftige Wachtel baumelt schon leblos an einer Angel am Ende des Windkanals. Die Forscher der Bundeswehr-Universität erhoffen sich von dem Flug neue Erkenntnisse über das Flugverhalten des schnellsten Raubvogels der Welt.

Zuhause in Lenggries, heimisch in der Mongolei 

Und schnell ist Sokrates. Bis zu 360 Kilometer pro Stunde kann er im Sturzflug erreichen. Sokrates, zehn Jahre alt, lebt auf dem Falkenhof in Lenggries. Seine Artgenossen jedoch stammen weiter her: Von der Ostgrenze Tschechiens bis tief in die Mongolei hinein sind die Raubvögel heimisch. Aber vor allem im arabischen Raum gelten die Würgefalken, im Fachjargon Sakerfalken genannt, als die beliebteste Art zur Falkenjagd.

Heute jedoch ist Sokrates ein Objekt der Wissenschaft. „Wir wollen die Aerodynamik eines fliegenden Falken verstehen“, sagt Martin Heinbold. Dabei steht Frage im Mittelpunkt „Wieso fliegt dieser Vogel so gut?“ Heinold promoviert an der Neubiberger Universität. Sein Fachgebiet: Das Flugverhalten von Falken. Auch heute dreht sich alles um Auftrieb und Widerstand beim Flügelschlag, die Aerodynamik und Geometrie des Falkenflugs. Um all diese Parameter messen und auswerten zu können, haben Heinold und sein Team lange am Versuchsaufbau gefeilt.

Sokrates Gefieder erleichtert den Forschern die Arbeit

Zehn Hochgeschwindigkeitskameras sind im Windkanal installiert, nehmen jeden Flügelschlag des Falken auf. 1000 Bilder pro Sekunde entstehen so. Mit Hilfe einer Turbine am einen Ende des Windkanals erzeugen die Forscher exakt so viel Gegenwind, dass Sokrates bei seinem Flug genau dann den meisten Widerstand spürt und dadurch umso häufiger mit den Flügeln schlagen muss, wenn er an den Kameras vorbeirauscht.

In einem nächsten Schritt soll die Oberfläche des Falken ausgewertet werden. Sokrates eigne sich dafür besonders gut, da seine Flügel eine natürliche Musterung aufweisen. Diese Schattierungen, kleine Punkte auf dem Gefieder, fungieren als natürliches Raster und erleichtern es dem Forscher-Team, bei der Auswertung der Aufnahmen, Variablen wie Luftströmungen zu erkennen. Bei Windkanal-Tests mit Autos werden hierfür extra Markierungen an den Fahrzeugen angebracht.

„Mit unserem Mess-System können wir Daten schaffen, die so einmalig sind“, sagt Professor Christian Kähler, Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik. Aus den gesammelten Daten erstellen die Forscher in den kommenden Monaten eine sogenannte 3-D-Punktewolke, ein Modell, mit dessen Hilfe jeder Flügelschlag bis ins kleinste Detail zerlegt werden kann. Diese Ergebnisse könnten, „in ganz ferner Zukunft“, wie Martin Heinold betont, auch praktische Anwendung finden. Bei der Konzeption eines energiesparenden Flugzeugs mit falkenähnlichem Flügelprofil oder von Drohnen etwa. Alles Zukunftsmusik. Heinold: „Was wir hier heute machen, ist Grundlagenforschung.“

"Hauptsache die Motivation stimmt"

Einmal ist Sokrates an diesem Tag schon durch den Windkanal geschossen. „Zu weit rechts“, bemängelt Heinold. Neuer Versuch. Noch einmal hebt Sokrates ab, schlägt seine Klauen Sekunden später in die Wachtel und beißt zu. Heinold überprüft die Aufnahmen auf dem Bildschirm vor sich. Diesmal stimmt die Flugbahn. Mit den Daten können die Forscher arbeiten.

Beendet ist der Arbeitstag für Sokrates nicht. Ein paar Mal muss er an diesem Tag auf die Jagd nach Wachtelfleisch gehen. Und auch morgen hebt er noch einmal ab. Damit auch wirklich alles passt. Wissenschaftler sind da genau. Dem Falken macht das laut Falkner Achatz nichts aus: „Er ist ein alter Profi, hat jede Menge Erfahrung.“ Seit zehn Jahren trainieren die beiden zusammen. „Ob er über eine Wiese fliegt oder eben hier im Windkanal, ist ihm egal“, ergänzt Paul Klima, der Sokrates auf dem Falkenhof aufgezogen hat. „Hauptsache die Motivation stimmt.“ Mit der Wachtel hat er heute offenbar genau Sokrates Geschmack getroffen.

fp

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