Aus dem Gericht

Betreuer tritt zu: Hund erleidet lebensbedrohlichen Milzriss

Grünwald - Artgerecht und mit Herz – so kümmert sich Hundebetreuer Sven K. (41, Name geändert) um die Tiere seiner Kunden. Zumindest steht das so auf seiner Homepage. Gestern saß der gelernte Zimmermann vor Gericht: Er soll den Hund von Sarah S. (31) einen so heftigen Tritt versetzt haben, dass dem Rüden in einer Not-OP die Milz entfernt werden musste. K. erklärte, er habe den Hund lediglich „weggestoßen“, als der einen seiner Rüden „besteigen“ wollte.

Sarah S. schildert im Gerichtsaal eine andere Geschichte. „Richtig weggetreten“ habe K. den 47-Kilo-Rüden. „Tyson hat laut geschrien und nach Luft geschnappt“, so S. „Der Schrei geht mir bis heute nicht aus dem Kopf!“ Tyson (10), ein nicht kastrierter Rhodesian-Ridgeback, kam mit acht Monaten zu ihr. „Ein sehr ruhiger, sehr ausgeglichener Hund“, sagt S., „nie aggressiv.“ Zum Tiermedizin-Studium kommt die Berlinerin nach München, Tyson bleib erst einmal in der Hauptstadt. Sie legt sich Hündin Bella zu, im Januar holte sie Tyson nach. Damit die Zusammenführung klappt, engagiert sie Sven K. An Neujahr fahren S. und K. in ein Walstück nahe Grünwald. Mit dabei: Tyson, Hündin Bella, drei Schäferhunde von K. und weitere Hunde. Es ist nicht der erste Ausflug der beiden Hundehalter, S. hat den Betreuer schon vorher um Hilfe bei Bella gebeten. Irgendwann besteigt Tyson einen von K.’s unkastrierten Rüden, wohl eine Art Dominanzverhalten. Laut Sarah K. tritt der Betreuer jetzt ohne Vorwarnung zu. Sven K. bestreitet das. Er habe Tyson lediglich wegstoßen wollen, da er nicht gewusst habe, ob es zu einem Kampf zwischen den Rüden kommen würde. Er habe sechs Jahre Erfahrung im Umgang mit Hunden. „Ich bin mehrfach verletzt worden, meist an der Hand!“, so K. „Ich geh’ da nicht mehr mit der Hand dazwischen!“ Tyson heult auf, kann aber zunächst weiterlaufen. Sarah S.: Ich war so geschockt, ich konnte gar nichts sagen!“ Nach einer Weile bricht Tyson zusammen. „Da hat mir Sven auch gleich geholfen!“ Die beiden tragen den Hund zurück zum Auto, fahren in die nächste Tierklinik. Weil Tyson bereits einen Liter Blut im Bauchraum hat, wird er sofort operiert. Die Ärztin sagte gestern als Zeugin: „Die Situation war lebensbedrohlich.“ Sven K. erklärt gegen Ende des Prozesses: „Es tut mir leid!“ Die Situation sei ihm zu viel geworden, S. habe nichts unternommen. Nun muss er 1500 Euro an Sarah S. zahlen und 1000 Euro an die „Aktion Tier". 

Tobias Scharnagl

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