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Wie kommt der Ton aus der Orgel? Hubertus Graf von Kerssenbrock zeigt, wie es funktioniert. Malachias (r.) und sein Bruder Clemens montieren gerade ein Mundteil.

Ferienprogramm Grünwald

"Jede Orgel hat ihren eigenen Charakter" 

Grünwald - 90 Angebote gibt es im Ferienprogramm Grünwald, eines verlockender als das andere. 750 Schüler machen insgesamt mit. Eine wahre Perle darunter ist die Orgelwerkstatt von Hubertus von Kerssenbrock.

Im Handumdrehen ist der Kurs im Schweindlhof ausgebucht. „Ich bin schon das sechste Mal hier, es wird nie langweilig“, sagt Malachias und strahlt. Der 12-Jährige Bub hatte Glück und sich rechtzeitig angemeldet. So wie auch sein jüngerer Bruder Clemens (8) und Julian (11), Floris (10) und Moritz (10). Organisiert wird das Angebot in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftshilfe vor Ort. Wie in eine andere Zeit versetzt fühlen sich die Kinder. Den Schweindlhof gibt es schon seit 500 Jahren, er ist einer der ältesten Bauernhöfe Grünwalds – und weit über dessen Grenzen bekannt. Ebenso wie seine Bewohner, das Ehepaar Veronika und Hubertus von Kerssenbrock. Der 84-jährige Graf ist ein Orgelbauer aus Passion, nur noch wenige verstehen das Handwerk so wie er. Er hat sich auf die Restaurierung alter, historischer Orgeln spezialisiert, denn das ist die wahre Kunst. „Jede Orgel hat ihren ganz eigenen Charakter. Den gilt es zu erkennen und zu bewahren“, sagt von Kerssenbrock. Einen Einblick in sein Wissen gibt er schon seit vielen Jahren, gern und gerade auch an Kinder. „Als Bub habe ich noch einem Schlosser, Schmied oder Schreiner über die Schultern schauen dürfen, die Buben und Mädchen von heute kennen das gar nicht mehr“, bedauert der Orgelbauer.

Kinder bauen gemeinsam an einer Modellorgel

Hier im Schweindlhof sind die Kinder drei Tage lang in ihrem Element. Hier tickt die Uhr einfach anders. Schon das Außengelände ist für sie verheißungsvoll: Da gackern Hühner im Stall, summen Bienen in Körben. Weiter hinten ein Bereich voller Gemüsebeete und Blumen. Ein Idyll. In der alten Scheune des Hofgebäudes ist die eigentliche Werkstatt. Die Kinder können sich gar nicht satt sehen, in jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Historische Hausorgeln, Teile davon, Drehorgeln und jede Menge Antiquitäten. Drehbänke, Bohrer und Werkzeug allerorts. „Wie in einem Heimatmuseum“, staunen die Kinder. „Einfach zauberhaft“, findet Floris.

Viel haben sie über die Hölzer der Heimat gehört, kennen jetzt viele am Duft. Natürlich sind sie stolz auf ihr Wissen. „Das hier ist eine Orgeluhr mit Walze von 1780“, hat etwa Malachias gelernt. Er ist von den Buben der Älteste hier, seit neun Jahren spielt er Klavier. „Es gibt es so viel Mechanisches zu sehen, das ist richtig toll“, staunt der Bub. Er mag es sehr, mit Holz zu arbeiten. Später wird er vielleicht mal Lehrer. Ein Talent dazu hat er: Gern hilft er den Jüngeren und zeigt ihnen, wie es geht. Gemeinsam haben alle an einer kleinen Modellorgel gebaut, freilich ohne Mechanik. Jeder Bub hat ein Mundteil gefräst, gebohrt, gefeilt. „Die ersetzen quasi bei unserer Orgel die Tasten“, erklärt sein jüngerer Bruder Clemens. Einen Balg hat die kleine Modellorgel noch nicht. „Aber den bauen wir dann beim nächsten Mal“, schlägt Malachias vor. Über kleine Schläuche, die in die Löcher der Mundteile gesteckt werden, gelangt man in die Pfeifen der Mini-Orgel Luft. Und tatsächlich, sie funktioniert. Den Beweis tritt Clemens gleich an: „Alle meine Entchen“ pustet er mit Freude. In Sachen Orgelmechanik kann den Kindern keiner mehr etwas weis machen, da kennen sie sich jetzt aus. Orgelbauer Hubertus von Kerssenbrock sieht dies mit Vergnügen. 

Nebenregister einer Kerssenbrock-Orgel imitiert Drossel 

Wer einmal eine Original-Kerssenbrock-Orgel hören möchte, kann dies beispielsweise in St. Otto in Ottobrunn. 1993 wurde diese dort eingeweiht. Sie verfügt gar über ein Nebenregister, das den Gesang einer Drossel imitiert.

Die Ergebnisse der Orgelwerkstatt, wie auch die aller Kurse des Ferienprogramms, zeigt eine Ausstellung am Donnerstag, 13. Oktober, 17.30 Uhr, im Grünwalder Rathaus.(kko) 

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