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Im Walderlebniszentrum in Gründwald arbeiten sechs Künstler an Baumstämmen und gestalten aus ihnen Skulpturen. Einer von ihnen ist Peter Frisch. Er hat seine Esche „gequält“, sagt er, weil sie ihn selbst geärgert hat – mit ihrem „trockenen, zähen" Stamm.

Walderlebniszentrum Grünwald

Der Wald als großes Atelier

Grünwald - Auf der Forststraße liegen Sägespäne, es duftet nach frischem Holz. Geräusche mehrerer Motorsägen sind zu hören. Sie werden lauter auf dem Weg zum Walderlebniszentrum in Grünwald. Doch es sind keine Fällarbeiten, die der Besucher hautnah erlebt. Vielmehr wird er Zeuge eines Kunstprojekts.

Sechs Bildhauer sind derzeit im Walderlebniszentrum zu Gast. Sie verwandeln das Gelände für Umweltpädagogik in ein Freiluft-Atelier der besonderen Art. Noch an diesem Wochenende können Besucher ihnen beim Holzbildhauer-Symposium über die Schulter schauen. Sie kreieren aus Eschen, Buchen, Eichen und weiteren heimischen Baumarten mannshohe Skulpturen, Hocker mit liebevollen Verzierungen und Sitzbänke der besonderen Art. Filigrane Kunst und fein gearbeitete Strukturen, gemacht mit der Kettensäge.

 Ein Männer-Werkzeug, das auch Frauen beherrschen. Zum Beispiel Susanne Musfeldt-Gohm. Arbeitshose, schwere Stiefel, Ohrenschützer und einen Gesichtsschutz trägt die Münchnerin. Kräftig und elegant zugleich führt die zierliche Frau die Motorsäge in den Stamm, die Späne wirbeln um sie herum. In geschwungenen Linie legt sie so das Innere der Fichte frei. „Die Baumform an sich soll erhalten bleiben“, sagt die 52-Jährige. Mit „spielerischen Elementen“ widmet sie sich dem Thema des Symposiums „Kunst im Wald“. Eine stammhohe Säule lässt sie in dieser Woche noch bis Sonntag entstehen. Und das mit einer Fichte, die vom Pilz befallen ist. Ein blauer Schimmer auf dem Holz zeugt davon. 

Für Förster ist solch ein Baum zweite Wahl. Bestenfalls. „Wir mögen den Pilz nicht“, sagt Wilhelm Seerieder, Betriebsleiter des Forstbetriebs München, der die Bäume für das Projekt spendet und die Arbeit im Zentrum unterstützt. Und eben genau diese Fichte zeigt, „dass es nicht nur einen Verwendungszweck für Holz gibt“, sagt Seerieder. Der Förster hasst den Pilz, Susanne Musfeldt-Gohm macht ihn zur Kunst. „Die Vielfalt des Holzes gerät oft in Vergessenheit“, sagt der Betriebsleiter. „Es wird nicht nur zum Bauen und Heizen verwendet. Das Symposium eröffnet eine andere Sicht aufs Holz, Bäume und den Wald.“ 

Was nicht heißt, dass nicht auch die Künstler manchmal mit dem Material hadern. Peter Frisch hat „sein Bäumchen“, eine Esche, „schon richtig gequält“, sagt der Münchner – und lacht. Denn nun ist der 58-Jährige doch „sehr zufrieden“, was aus dem „trockenen, zähen“ Stamm geworden ist. Eine Art Sitzbank in Blattform. Weil die Esche Frisch ärgerte, entwarf er aus ihr „etwas zum Draufsitzen, damit ich mich ausruhen kann“, sagt er augenzwinkernd. Denn eine echte Sitzbank ist seine Skulptur nicht. Eher eine liegende Plattform in „Balance-Schwebeform“. 1973 begann er die Ausbildung zum Holzbildhauer, seit 1986 arbeitet er als freischaffender Künstler. 

Seit mehr als 20 Jahren hat auch Sabine Boczkowski-Sigges mit Holz und Motorsäge zu tun. Dabei „hab’ ich Holz als Kind gehasst“, sagt die 57-Jährige aus der Nähe von Husum. Ein echtes Nordlicht und die Symposiums-Teilnehmerin mit dem weitesten Heimweg. „Bei uns daheim war alles aus Holz.“ Aus Hass wurde Liebe. Mittlerweile steht sie „seit vier Jahren jeden Tag an der Motorsäge“, erzählt sie. Denn „das braucht viel Übung und Disziplin“. Geht ein Schnitt daneben, ist es zu spät – und Kreativität gefragt, um das Kunstobjekt zu retten. 

Kaum ein Künstler nutzt Farbe bei der Arbeit mit Holz. Boczkowski-Sigges schon. Bunt geht es auf der Wiese zu, auf der sie arbeitet. Eine bunte Biene und ein weißer Schwan stehen dort. Sie arbeitet gerade an einem zweiten Schwan. Die Inspiration dazu kam ihr beim Besuch von Schloss Neuschwanstein. „Einmalig“ findet ihn eine Besucherin. „Er sieht aus, wie aus zerknülltem Papier gemacht.“ Sie ist begeistert vom Mut der sechs Künstler. „Es ist verdammt schwer, in der Öffentlichkeit zu arbeiten.“

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