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Im Kinderhaus Arche Noah fehlt Personal. Insgesamt sind drei Stellen offen.

Eltern ärgerlich

Höhenkirchen bietet zu wenig Kinderbetreuung 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Die Kindertageseinrichtungen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn benötigen dringend Personal. 13,5 Stellen sind offen. Bei Eltern, die keinen Kindergartenplatz bekommen, wächst der Unmut. Die Bürgermeisterin sieht die Schuld beim Gesetzgeber.

Wer in Höhenkirchen-Siegertsbrunn lebt und Zahnweh hat, kann wählen zwischen sechs unterschiedlichen Zahnärzten. Wer Essen gehen möchte, hat ebenfalls die Qual der Wahl: Zwölf Restaurants stehen zur Verfügung. Nur wer Kinder hat und einen Krippen- oder Kindergartenplatz sucht, hat derzeit ein Problem. Vielen der insgesamt 13 ortsansässigen Kindertageseinrichtungen mangelt es an Personal. 13,5 Stellen sind momentan offen. Die „Pfiffikus“-Kita inklusive Hort zum Beispiel hat ganze vier Stellen zu wenig, der Arche-Noah-Kita-Verbund drei Stellen. Die Folge: Eltern suchen oft vergeblich nach einem Betreuungsplatz für ihre Kinder.

Vater fühlt sich verschaukelt

Peter Stein, der eigentlich anders heißt und nicht seinen richtigen Namen in der Zeitung lesen möchte, lebt mit seiner Familie seit drei Jahren in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben“, schreibt er der Merkur-Redaktion, „außer es geht um die Kinderbetreuung.“ Bereits vor zwei Jahren seien er und seine Frau vor den Kopf gestoßen worden, als sie einen Kita-Platz für ihren Sohn suchten und schließlich eine Absage erhielten. Und nun brauchen sie einen Kindergarten-Platz. Aktuell stehen sie auf einer Warteliste ziemlich weit hinten. Stein schreibt, er fühle sich verschaukelt. „Was bringt uns das Recht auf einen Kindergartenplatz, wenn es tatsächlich einfach keinen Platz gibt?“ So wie seiner Familie gehe es noch anderen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Bürgermeisterin: "Es gibt einfach keine Erzieher"

Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) kann den „Unmut der Eltern verstehen“, wie sie sagt. Theoretisch wären genügend Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden. Mehr als 500 Krippen- und Kindergartenplätze gibt es in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Es gibt einen Gemeindekindergarten mit voraussichtlich 80 Plätzen – wie viele Plätze genau lässt sich schwer vorhersagen, da Kinder mit Migrationshintergrund oder behinderte Kinder mehr Plätze beanspruchen, weil sie mehr Förderung bedürfen. Mit den anderen Trägern hat die Gemeinde Verträge geschlossen. Mayer sagt: „Hundert Prozent wären eigentlich versorgt.“ Das Problem: „Es gibt einfach keine Erzieher.“ Die Bevölkerung in der Region wachse so schnell, dass die Ausbildung von Erziehern und Pflegern nicht hinterherkomme.

Zuzug verstärkt das Problem

Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik ist die Bevölkerungszahl in Höhenkirchen-Siegertsbrunn zwischen 2011 und 2014 um 515 gestiegen. Bei der Bevölkerungsgruppe Kinder unter sechs Jahren stieg die Zahl von 651 bis 687. Viele Kindertageseinrichtungen in der Region haben Probleme damit, genügend Fachkräfte zu finden.

In Ottobrunn schaut es ähnlich aus

Zum Beispiel die Gemeinde Ottobrunn. 659 Kindergartenplätze gibt es dort, rund 600 Mädchen und Buben werden in zwölf Einrichtungen derzeit betreut. 49 zur Verfügung stehende Plätze „konnten zum 15. Oktober 2015 wegen Personalmangels nicht besetzt werden“, erläutert Hauptamtsleiter Wolfgang Walter. Auch längere Öffnungszeiten, die sich viele Ottobrunner Familien wünschen, sind ohne eine ausreichende Zahl an Erziehern nicht möglich.

Der Beruf ist schlecht bezahlt

Das Problem: Der Beruf ist schlecht bezahlt. Viele Fachkräfte können sich die horrenden Mieten in der Region mit ihrem Gehalt nicht leisten. Darum hat die Gemeinde Ottobrunn erst kürzlich ein Appartement angemietet, um Erziehern oder Pflegepersonal günstigen Wohnraum bieten zu können. Die meisten Kommunen im Landkreis München zahlen seit einiger Zeit zudem eine Arbeitsmarktzulage. Das sind 200 Euro mehr pro Monat für Erzieher und 150 Euro mehr für Kinderpfleger. Doch gebracht hat das zumindest in Höhenkirchen-Siegertsbrunn nichts.

Bürgermeisterin sagt: Regierung ist schuld

Mayer sieht die Schuld grundsätzlich nicht bei den Kommunen, sondern beim Bund. „Ich ärgere mich maßlos über den Gesetzgeber“, sagt sie. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssten schließlich die Kommunen gewährleisten. Stein dagegen wirft der Gemeinde vor, die Schuld einfach von sich zu weisen. Er vermisst „wirkliche Versuche, die notwendigen Fachkräfte für die Kinderbetreuung zu bekommen.“

Janine Tokarski

Janine Tokarski

E-Mail:janine.tokarski@merkur.de

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