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Bürgermeisterin Ursula Mayer warb um Verständnis 

Diskussion mit Bürgermeisterin

Keine Kita-Plätze: Eltern prangern prekäre Situation an

Höhenkirchen-Siegertsbrunn –  In Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben jetzt Eltern mit Bürgermeisterin Ursula Mayer und CSU-Vertretern über gravierende Folgen des fehlenden Betreuungsangebots diskutiert. 

Drei Kinder hat die junge Mutter aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn in Betreuungseinrichtungen untergebracht, das vierte sollte ab September dieses Jahres die Krippe besuchen. „Der Platz wurde mir im Februar zugesagt.“ Daraufhin plante sie, ab Herbst wieder als Lehrerin zu arbeiten. Ende Juni erhielt sie dann eine Absage für den Krippenplatz. „Ich musste meiner Chefin kurzfristig erklären, dass ich nicht wieder ab September einsteigen kann“, erzählt sie. „Das geht nicht. Man muss als Mutter planen.“

Begrenzte Möglichkeiten

Es geht vielen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wie der jungen Frau. Einige Eltern erzählten beim Stammtisch des CSU-Ortsverbands, wie sehr sie die akuten Probleme, die die Gemeinde bei der Kinderbetreuung plagen (wir berichteten), treffen. Die große Dimension und vielen Facetten dieses drängenden Problems wurden an diesem Abend einmal mehr deutlich. Rund 45 Gäste waren gekommen, darunter einige Betroffene. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) betonte immer wieder: „Wir bemühen uns wirklich.“ Doch die Möglichkeiten seien begrenzt. Die Schuld sieht sie beim Gesetzgeber, der 2013 allen Eltern das Recht auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr zusicherte. „Der Bund sagt: „,Macht mal, aber Geld gibt’s keins‘“, wetterte sie und erhielt Unterstützung von Pfarrer Thomas Lotz, dessen evangelische Gemeinde das Kinderhaus „Arche Noah“ betreibt. Auch der 49-Jährige findet: „Das war ein Versprechen, mit dem Ihnen einiges vorgemacht wurde.“ Denn bei der Umsetzung tun sich die Kommunen schwer. Vor allem bei der Suche nach Personal. Es „fehlt schlichtweg an Erziehern, die Ihre Kinder erziehen“, fasste Mayer zusammen. Aber „das Problem ist überall das gleiche“, fügte Pfarrer Lotz hinzu.

Eltern wollen sich selbst einbringen

Trösten konnte er die betroffenen Eltern damit nicht. Viele können die Notlage der Gemeinde verstehen, zeigten Verständnis, Kompromiss- und Dialogbereitschaft. „Ich will nicht nur Konsument sein“, betonte eine Zuhörerin. „Was können wir als Eltern denn tun?“ Die Antwort von Mayer kam prompt: „Tagesmutter werden.“ Denn so versucht die Kommune derzeit, den großen Engpass an Erziehern – derzeit fehlen 13,5 Kräfte, Tendenz steigend – abzufedern. Mit Eltern, die sich zu Tagespflegern ausbilden lassen und Nachwuchs privat betreuen. Im Gemeinde-Kindergarten an der Bahnhofstraße wird derzeit eine Großtagespflege mit Tagesmüttern aufgebaut, berichtete Mayer. Sie hofft, ab Dezember die erste Gruppe eröffnen zu können und so „nach und nach Platz für zehn Kinder zu schaffen“. Eine zweite Großtagespflege hat die Verwaltung im Blick, doch dieses Projekt steht noch am Anfang.

Um Erzieher, die oft von den horrenden Mieten im Landkreis abgeschreckt werden, dennoch nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu locken, hat die Kommune neben Zuschlagszahlungen 2015 ein Haus gekauft, in dem bis zu fünf Wohnungen für Erzieher und Pfleger entstehen sollen. Zudem ist eine Wohnanlage für dieses Personal geplant. „Doch das kann ich nicht aus dem Ärmel zaubern, das dauert.“ Sie rechnet mit mindestens eineinhalb Jahren, sobald der Bebauungsplan steht.

Konsequenz: Wohnungsbau einschränken

Um dem Problem Einhalt zu gebieten – durchschnittlich werden pro Jahr in Höhenkirchen-Siegerstbrunn 120 Babys geboren – „hauen wir auch beim Bau von Wohnungen nun erstmal die Bremse rein“, betonte die Rathauschefin. Das Dilemma bei der Kinderbetreuung zieht weite Kreise. Auch finanziell drückt der Schuh. Zwölf Millionen Euro habe die Kommune in den vergangenen fünf Jahren für die Kinderbetreuung ausgegeben, sagte Mayer. Nun ist die Gemeinde am Limit. Das Landratsamt lehnt als Aufsichtsbehörde weitere Kreditaufnahmen ab. Einige Eltern wünschen sich dennoch mehr Engagement von der Gemeinde. So fand eine Mutter die Kriterien der Platzvergabe „beliebig intransparent“. Vergeben werden die begehrten Plätze nach dem Alter der Kinder. Dies fand nicht jeder gut und gerecht. „Wieso werden die Plätze nicht nach der Arbeitszeit der Eltern vergeben?“, hakte die Mutter nach. Über jeden Einzelfall werde im Kreis aller Träger beraten, antwortete Mayer. „In pädagogische Entscheidungen mische ich mich nicht ein“, sagte sie und spielte den Ball an die Träger. Mehrere Eltern wünschten sich, „frühzeitig zu erfahren, wenn es eng wird mit einem Platz. Sonst kann man nicht planen“, forderte eine Zuhörerin.

Lösungsideen

Erwärmen können sich viele fürs Platzsharing, bei dem sich zwei Familien einen Betreuungsplatz teilen. Bei diesem Thema zeigte sich ein weiteres Problem, das die Gemeinde neben Erziehermangel, finanziellem Kraftakt und der Suche nach Flächen und Immobilien ebenfalls in vielerlei Hinsicht trifft: rechtliche Vorgaben. Viele Träger lehnen laut Mayer das Platzsharing ab, weil bei Sommerfesten dann plötzlich viel mehr Kinder zu betreuen wären – für die Personal fehlt.

Janine Tokarski

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