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Martkttaugliches Großereignis: Der Leonhardiumritt in Siegertsbrunn, hier 2015, hat eine Jahrhunderte lange Tradition – und sollte bei der Bewerbung als Marktgemeinde berücksichtigt werden, meint die CSU.

"Ein positives Signal für Geschäftsleute"

Besseres Image? CSU will Gemeinde zum Markt erheben

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Die CSU will aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine Marktgemeinde machen. Fürs Marketing und für die Identifikation. Es wäre der erste Markt im Landkreis.

Fast 11 000 Einwohner hat die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Sie ist eine der größten Kommunen im südöstlichen Teil des Landkreises München – und soll zur Marktgemeinde werden. Die erste im ganzen Landkreis. Das jedenfalls wünscht sich die CSU-Fraktion im Gemeinderat und reichte in dessen Sitzung überraschend einen entsprechenden Antrag ein.

„Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat den Titel Markt verdient“, meint die CSU-Fraktion. Die Voraussetzungen wie entsprechende Einwohnerzahl, wirtschaftliche Verhältnisse, eine gewisse Bedeutung für die umliegenden Gemeinden, zentrale Lage sowie der Sitz überörtlicher Einrichtungen seien erfüllt, meinen die Christsozialen. Auf vier Seiten nennen sie Faktoren, die für eine Ernennung sprechen. Dies obliegt dem bayerischen Innenministerium. Denn eigentlich bezeichnet der Titel kleinere Orte, denen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein das Marktrecht verliehen wurde und die als Markt historisch gewachsen sind. Höhenkirchen-Siegertsbrunn dagegen ist historisch gesehen nicht einmal ein Ort, sondern zwei.

Gute Infrastruktur, traditionelle Feste und bald auch ein Ortszentrum

Dafür punktet die Gemeinde mit hervorragenden Verkehrsanbindungen durch die beiden S-Bahn-Haltestellen und die MVV-Buslinien argumentiert die CSU. Zudem gebe es das Leonhardifest, eine seit Jahrhunderten bedeutende Wallfahrt und kirchliches Großereignis zugleich, das künftige gemeinsame Ortszentrum beider Ortsteile am Bahnhof, der Sitz des Katholischen Pfarrverbandes und der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, beide mit Zuständigkeiten über die Gemeindegrenze hinaus. Von Bedeutung sei auch das Schulzentrum mit zwei Grund-, einer Mittelschule und dem Gymnasium für die angrenzenden Kommunen. Ein eigenes Seniorenzentrum, ein vielfältiges Freizeitangebot für Jugendliche in der Freizeitstätte „Blue Box“ sowie über 500 Kinderbetreuungsplätze und die seit 14 Jahren beispielhafte Pionierarbeit bei der Unterbringung von Flüchtlingen wertet die CSU ebenso als positiv auf dem Weg zur Marktgemeinde. Nicht zu vergessen die soziale Arbeit der über 40 Vereine. 

Der Titel 'Marktgemeinde' wäre ein Alleinstellungsmerkmal

Das Ziel: „Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist eine aufstrebende Gemeinde mit bereits hohem Wohn- und Freizeitwert. Mit dem Titel Marktgemeinde würde die Kommune nach der Eingemeindung des neun Quadratkilometer großen Höhenkirchner Forstes einen weiteren weichen Standortfaktor gewinnen und ein Alleinstellungsmerkmal unter den beiden Städten und 27 Gemeinden des Landkreises München erlangen“, heißt es in dem CSU-Antrag. Außerdem würde der Titel weiter zur Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde beitragen. Und: „Er ist ein positives Signal für unsere Geschäftsleute, auch weil damit das Recht verbunden ist, an Sonntagen weitere Märkte abzuhalten“, schreibt die CSU. 

2020 beginnt die 1000-Jahrfeier - ein idealer Zeitpunkt, um zum Markt zu werden

Schnell wird ihr Wunsch allerdings nicht in Erfüllung gehen. Zunächst einmal muss der Antrag im Gemeinderat beraten und ihm zugestimmt werden. Um das Vorhaben anzuschieben, wurde der Antrag mit der umfangreichen Begründung nicht nur der Verwaltung übergeben, sondern den anderen Fraktionen im Gemeinderat. Diese sollen das Thema intern beraten und sich eine Meinung bilden, bevor es wieder auf die Tagesordnung einer Sitzungen kommt. 

Im für die CSU besten Fall stimmt die Mehrheit für den Vorstoß. Dann würde die Verwaltung und Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) beauftragt, den entsprechenden Antrag auf „Erhebung der Gemeinde zum Markt“ beim bayerischen Innenministerium zu stellen. Als idealen Zeitpunkt für die Verleihung des Titels stellt sich die CSU das Jahr 2020 vor. Denn dann begeht die Gemeinde die 1000-Jahrfeier.

Welche Gemeinde zum Markt werden und welche nicht

Das Interesse ist groß, Bewerbungen gibt es viele. Doch vergeben wird der Name Marktgemeinde „sehr restriktiv“, sagt Andreas Gaß, Referent für Kommunalrecht beim Bayerischen Gemeindetag. Die Entscheidung obliegt dem bayerischen Innenministerium. Dessen Sprecher Stefan Frey bestätigt: „Zum Markt werden Gemeinden eher selten erhoben, weil dies die Gemeinden in besonderer Weise hervorhebt.“

Zuletzt wurde Ruhstorf am Inn und Kaufering diese Ehre 2008 zuteil. Insgesamt dürfen sich 386 von 2056 Kommunen in Bayern Markt nennen. „Es gibt viel Auslegungsspielraum bei der Vergabe“, sagt Gaß. Doch die Kriterien sind natürlich für alle gleich: Entscheidend sind die Einwohnerzahl (mindestens 7500), die Siedlungsform, die „eine geschlossene Bauweise und eine Kernbildung um einen Mittelpunkt“ vorsieht, wie Frey erläutert, und die wirtschaftlichen Verhältnisse wie eine Steuerkraft über dem Landesdurchschnitt. Auch mit überörtlich wichtiger Infrastruktur wie weiterführenden Schulen, Kliniken und Behördensitzen punktet eine Gemeinde.

"Reines Marketing" 

Übrigens: Oberföhring besaß bis 1158 das Marktrecht. Denn die Bezeichnung stammt aus dem historisch begründeten Marktrecht, das Gemeinden zwischen Mittelalter und 18. Jahrhundert verliehen wurde. Heute ist es für Kommunen, sagt Gaß, „reines Marketing“.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema von Merkur-Autorin Janine Tokarski.

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Janine Tokarski

Janine Tokarski

E-Mail:janine.tokarski@merkur.de

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