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Auf Bundesebene erfolgreich war der ehemalige CSU-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Als Festredner der Jubiläumsfeier in Neubiberg mahnt er an, Freiheit und Verantwortung mit Leben zu füllen.

70 Jahre CSU Neubiberg: Das Bürgermeister-Problem

Neubiberg - Der 21. Januar 1946 war aus meteorologischer Sicht ein ziemlich normaler Wintertag. Temperaturen um Minus Neun Grad, der Schnee lag etwa 20 Zentimeter hoch im Süden Münchens. Doch für die CSU in Neubiberg ist dieser Tag ein besonderer: ihr Gründungstag.

 Acht Männer hatten sich damals versammelt, um kurz nach dem Krieg auch in Neubiberg einen Ableger der Partei zu gründen. Die Männer wollten wohl wie viele andere CSU-Mitglieder der ersten Stunden ein Gegengewicht zu SPD und KPD setzen, die sich nach dem Krieg schnell wieder organisiert hatten. In München, Bamberg oder in Coburg hatte es bereits im Herbst 1945 Gründungen gegeben, dann folgten Stück für Stück ländlichere Regionen. Die erste Wahl in Neubiberg, am 27. Januar 1946, ist für die CSU bis heute historisch: Mit 70 Prozent holte sie ihr – bis heute – bestes Ergebnis. Mit Lorenz Bauer stellte sie den Bürgermeister – bis 1960. Und auch das letzte Mal bis heute. 

Denn seitdem gelang es der Partei nie wieder, den Chefposten im Rathaus zu gewinnen. Immer wieder mal war es aber knapp: Im Wahlkampf zwischen Josef Hasler (heute 72) und dem damaligen Bürgermeister Josef Schneider (SPD) etwa fehlten 1978 dem CSU-Kandidaten Hasler nur rund 150 Stimmen zum Sieg. Das Problem sei damals gewesen, dass er als Junggeselle gegen den verheirateten Familienvater Schneider hatte antreten müssen, sagt Hasler heute. 1984 versuchte er es noch einmal und scheiterte erneut. Im Rückblick findet er: „Man muss es alle sechs Jahre wieder probieren.“ 

Ganz schwer fällt es der CSU auch nicht, dass sie den Bürgermeisterposten bisher nicht mehr gewinnen konnte. Immerhin sind die Christsozialen immer eine der stärksten, oft auch die stärkste Fraktion im Neubiberger Gemeinderat gewesen. Dietmar Baier (heute 76) saß für die Partei von 1972 bis 2008 im Neubiberger Gemeinderat, und vertrat die CSU im Kreistag. Wann genau er in die Partei eingetreten ist, weiß er gar nicht mehr. Ende der 1960er-Jahre, oder zu Beginn der 1970er-Jahre war es wohl. Dafür war er aber über Jahrzehnte Fraktionssprecher im Gemeinderat, bis 2002. Er hat seine eigene Erklärung, warum die CSU ihre Kandidaten nie gegen Josef Schneider durchsetzen konnte: „Er war eine dominante Figur und hat für sein Amt gelebt.“ Zudem sei es immer schwierig, gegen den Bürgermeister anzutreten. Dafür sei die CSU aber stets vorne gewesen, bei Themen wie Wohnungsnot, oder Infrastruktur.

 Themen, die auch heute aktuell sind. Im Jahr 2000 trat Josef Schneider als Bürgermeister zurück und starb kurz darauf. Dennoch gaben seitdem zuerst Johanna Rumschöttel (SPD), und heute, seit 2008, Günter Heyland (FW.N@U) den Ton an im Rathaus. Heyland lobt indirekt die Oppositionsarbeit der CSU-Fraktion: Sie mache es ihm nicht immer leicht. Dennoch trifft auch für ihn der Satz zu, den Dietmar Baier über seine Jahrzehnte im Gemeinderat sagt: „Wir sind öfter aneinandergeraten, aber wir haben uns geschätzt und uns vertraut.“ 

Auf Basis der Demokratie sind sich bei der Feier der CSU sowieso alle Redner einig: Zusammen müsse man gegen nicht-demokratische Ansichten vorgehen, egal, welcher Partei man angehöre. Aktuell geht es dabei auch um Schmierereien mit CSU-feindlichen Parolen in Neubiberg. Auch der Jubiläums-Vortrag des Festredners und ehemaligen CSU-Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich handelte im Grunde vom demokratischen Zusammenleben, ging aber auch auf die Grundsätze der CSU in der heutigen Zeit ein. Freiheit und Verantwortung seien die beiden grundsätzlichen Schlagworte, sagte Friedrich. Diese gelte es bei politischen Veranstaltungen, an Straßenständen und am Stammtisch mit Leben zu füllen, zu erklären und zu verteidigen. Es gelte, den Menschen klar zu machen, wofür die CSU stehe. Friedrich bot zudem an, zum 100. Gründungsjubiläum wieder in Neubiberg zu sprechen. Und wer weiß? Vielleicht hält auch die CSU bis dahin ihre Stärke im Gemeinderat, wenn auch nicht mit 70 Prozent.

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