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An schönen Tagen durchpflügen etwa 60 Offroad-Fahrer das sensible Gebiet zwischen Kloster Schäftlarn und Tierpark Hellabrunn.

„Isartrail“ als Kompromiss für Naturschützer und Mountainbiker

So kommt das Isartal nicht unter die Räder

Pullach - In dem 1660 Hektar großen Areal an der Isar zwischen Tierpark Hellabrunn und Kloster Schäftlarn sind nicht nur der kleinste bekannte Käfer Europas und die größte Eulenart der Welt, der Uhu, zuhause. Sondern hier haben auch Mountainbiker quasi einen natürlichen Trainingsraum für sich entdeckt. Sehr zum Kummer der Naturschützer, die unermüdlich auf die Einzigartigkeit des Gebiets verweisen.

Lange wurde ein Interessenausgleich gesucht zwischen den Sportlern und den Umweltschützern – was jetzt nach vielen Workshops, Diskussionsrunden und auch Ortsbegehungen mit allen Beteiligten gelungen scheint. Jedenfalls stellte im Pullacher Umweltausschuss Martina Mendler von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt den „Isar Trail“ vor, eine Route zu beiden Seiten der Isar, die eigens für die Biker ausgewiesen werden soll. Auf der für sie das Gelände also weiterhin erschlossen bleibt, von der sie aber nicht mehr abweichen dürfen.

Zu groß sind die Verwüstungen, die die Extrem-Radler angerichtet haben in diesem Stück wildromantischen Isartals, in dem seltene Tiere und Pflanzen sich angesiedelt haben. Teilweise erodiert schon der ganze Hang, den die Biker bisweilen senkrecht herunterbrechen. Sie haben schmale Trails erweitert zu breiten Pfaden, Furchen im Auwald hinterlassen. Orchideen sind unter die Räder gekommen, Froschlaiche wurden zerteilt. Ralph Baasch, der Umweltreferent der Gemeinde Pullach, hat auch mal eine Ringelnatter dort entdeckt, „die war einfach geplättet“. Das Ganze habe Ausmaße angenommen, „die sind nicht mehr tolerabel“.

Deshalb ärgert es die betroffenen Kommunen besonders, wenn sie registrieren, wie weiterhin in Online-Portalen das Isartal als ideales Trainingsgelände beworben wird. Wie dort kommerzielle Anbieter Gruppenfahrten anbieten, gern auch nachts, mit LED-Lampen – alles illegal. Dass die Biker wirklich wenig Hemmungen haben, zeigt ein Video im Netz, in dem sie über einen Regenwasserkanal brettern, den die Gemeinde Pullach eigens mit Pollern vor ihnen sichern wollte. Aber sie sägen die Poller ab und springen mit dem Rad über die Stumpen.

Besonders erfreulich hingegen ist, wie viele Beteiligte an den Verhandlungen für das sogenannte „Lenkungskonzept“ mitgewirkt haben. 50 kommunale Verbände waren eingebunden in den Prozess, den letztlich das Büro ifuplan angeleitet hat und an dem freilich auch die Radler mitwirkten über Mountainbike-Verbände und den DAV. Denn dass man die Sportler nicht völlig ausbremsen würde können, das war allen klar. Vielmehr ging es darum, ein sehr reduziertes, jedoch nach wie vor attraktives Trailnetz zu schaffen. Vielleicht schon nächstes Frühjahr, danach sieht es heute aus, ist die neue, ganz legale Route zwischen Marienklause und Schäftlarn befahrbar. Jedenfalls steht diesen Oktober der letzte und abschließende Workshop im Kalender, bei dem dann auch zu klären ist, wer eigentlich die Trägerschaft für den neuen offiziellen Weg übernimmt.

Der lange Weg für ein friedliches Miteinander

2010 haben sich auf Initiative der Landeshauptstadt Vertreter aus München und dem Landkreis mit Vertretern von Naturschutz- und Sportverbänden sowie weiteren Partnern, darunter das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zusammengesetzt. Gemeinsam erarbeitet wurde eine „Resolution zum Schutz des oberen Isartals“ – und damit eine erste Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Um die formulierten Inhalte auch umzusetzen, wurde im Juni 2012 eine Projektsteuergruppe eingerichtet, im März 2013 bereiteten dann Stadt und Landkreis gemeinsam das Projekt „NaturErholung Isartal im Süden von München“ vor. Dieses auf drei Jahre angelegte Projekt startete im März 2014. Zwei Workshops haben bislang stattgefunden, bei denen Naturschutzverbände und Grundeigentümer es gern bei einer Route im Isartal belassen hätten, die Radsportvertreter forderten mindestens eine pro Isarseite. Letztlich wurde dann vom Büro „ifuplan“ der „Isar Trail“ erarbeitet, zu beiden Seiten des Flusses.

Aktueller Stand

Den aktuellen Stand des Lenkungskonzepts kann man im Internet auf der Seite www.biken-isartal.de abrufen.

Andrea Kästle

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