Replik auf Kritik

„An Lächerlichkeit nicht zu überbieten“

Riemerling - Wie öffentlichkeitswirksam muss ein Bauprojekt begonnen werden? An dieser Frage scheiden sich die Geister in Hohenbrunn-Riemerling.

Es geht um die Carl-Steinmeier-Mittelschule.  Der Spatenstich zum Neubau in Hohenbrunn-Riemerling war im eher „kleinen Kreis“  erfolgt. Kritiker sehen darin einen „Affront“ und bemängeln „null Transparenz“ – die Entscheidungsträger indes verteidigen sich mit klaren Worten.

21 Millionen Euro lassen die Gemeinde Hohenbrunn und ihre Schulverbandspartner es sich kosten, bis 2018 zwischen Georg-Kerschensteiner- und Georginenstraße die Schule auf den bisherigen Sportfreiflächen zu bauen. Ein großes Projekt mit emotionaler Vorgeschichte (Anwohnerproteste, Bürgerentscheid im September 2014), keine Frage. Aber deshalb auch eins, das zum Bauauftakt übermäßig zelebriert werden muss?

Dass es am vergangenen Freitag „nur“ einen 15-minütigen Pressetermin zum symbolischen Spatenstich mit den Bürgermeistern der vier Schulverbandsgemeinden (Hohenbrunn, Ottobrunn, Neubiberg und Putzbrunn) gegeben hatte, empört die Grünen und das Bürgerforum. Weil, wie es in Pressemitteilungen heißt, „zum Festakt mit geladenen Gästen“ weder Anwohner noch Gemeinderatsmitglieder eingeladen worden seien. „Null Transparenz“ moniert Pauline Miller vom Bürgerforum, einen „Affront gegen den Gemeinderat“ witterte Grünen-Sprecherin Martina Kreder-Strugalla, man sei „nur als Zaungäste geduldet“ worden.

Viel Aufregung also. Aber: Um was eigentlich?

Der Bürgermeister von Hohenbrunn, Stefan Straßmair (CSU), spricht von einer „Nichtigkeit“, von „Frechheit“, empfindet die Vorwürfe als „bodenlos“. Ein „Festakt“, gar mit „geladenen Gästen“ (und ausgesperrter Rest-Öffentlichkeit), wie vom Bürgerforum behauptet? Straßmair schnaubt verächtlich: „Ja geht’s noch? Aber echt jetzt.“ Sein Ärger: unüberhörbar.

Gefeiert wird „selbstverständlich“ – beim Richtfest

All die Kritiker, sagt Straßmair, hätten den Spatenstich „falsch interpretiert“. Es sei bewusst ein kleiner Pressetermin mit Bürgermeistern und Bauleitung gewesen, „wie es sich gehört und überall üblich ist“. Nicht mehr, nicht weniger. Die konkludent geäußerte Forderung, man hätte den Spatenstich doch zum „Festakt“ erheben können, kontert Straßmair: „Für eine Riesenparty mit über 100 Leuten – so viele hätten wir einladen müssen – hätte es wenig Verständnis gegeben.“ Es werde „selbstverständlich gefeiert“, aber erst bei Grundsteinlegung oder Richtfest, „wenn wir den Bürgern schon etwas zeigen können“. Aber nicht jetzt, bei einem rein symbolischen Akt.

„Was denen stinkt“, weiß Straßmair, „ist, dass sie vom Pressetermin nicht vorab erfahren hatten.“ Daraus werde er Lehren ziehen, auch über derlei künftig informieren. „Aber dann“, ergänzt der Bürgermeister und Chef des Schulverbands, „werde ich wohl lernen müssen, das Gras wachsen zu hören.“

Weniger diplomatisch geht sein Stellvertreter im Schulverband, der Ottobrunner Bürgermeister Thomas Loderer (CSU), mit den Kritikern um. „Mit Verlaub, dies ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten“, geißelt Loderer die Vorwürfe. „Die Kritik kommt von Leuten, denen der Neubau ein Dorn im Auge ist und die sich nicht damit abfinden wollen, dass sie den Bürgerentscheid verloren haben und die das demokratische Ergebnis nicht respektieren.“ Seriös sei dieses „ständige Genörgele“ aber nicht, sondern „egoistisch gedacht“.

Denn, so Loderer: „Wir haben klare Beschlüsse gefasst, die jetzt umgesetzt werden; es gilt, der Schule etwas Gutes zu tun. Oder sollen wir festhalten an einem alten, lausigen Gebäude?“

Nein, spätestens seit dem Bürgerentscheid am 21. September 2014 war allen die Entwicklung klar. Der Spatenstich jetzt sei lediglich „ein kleiner Termin“ gewesen, „der Startschuss“. Aber, betont Loderer, „ein Spatenstich ist doch kein Bürgerfest“. Nicht mal ein Glas Sekt habe es gegeben – bloß ein Foto, fertig.

„Profis am Werk“: Loderer warnt vor Panikmache

Dazu, dass es doch schließlich auch um Informationen zu Baustelle und deren Sicherung sowie zur Zeitachse gehe, sagt Loderer: „Natürlich ist das für die Anwohner nicht angenehm. Aber sollen wir deshalb plötzlich keine Schule bauen? Es werden so viele Lastwagen fahren, wie es nötig ist, um die Baugrube auszuheben. Außerdem haben die Arbeiten schon eineinhalb Wochen vor dem Spatenstich begonnen.“ Wegen Bedenken in puncto Verkehrssicherheit im Baustellenbereich und in den engen Wohngebietsstraßen rät Loderer zu mehr Gelassenheit: „Da sind Profis am Werk! Aber wenn es konkrete Probleme gibt, können wir gern darüber reden.“

Was das gemeinsame Feiern und einen Austausch im Sinne der von Kritikern geforderten „Transparenz“ angeht, so verweist Loderer auf Grundsteinlegung und Richtfest sowie den publizierten Bauzeitenplan. „Ansonsten aber“, ergänzt er mit Nachdruck, „habe ich keinerlei Interesse daran, Leute zu überzeugen, die ich sowieso nicht überzeugen kann und die immer das Haar in der Suppe suchen werden."

Rubriklistenbild: © Benedict Witzenberger

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