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Geballte Faust in Ehe oder Beziehung: Immer noch kommt es vor, dass Männer gegenüber ihren Frauen Gewalt ausüben. Davon berichtet die Leiterin des Frauenhauses im Landkreises München.

Frauenhaus

Der harte Weg aus der Gewalt

Landkreis - Am „Tag gegen Gewalt an Frauen“ berichtet die Leiterin des Frauenhaus im Landkreis, Maria Colell, aus dem Alltag.

Sie hat viel ertragen. Schläge, Schreie, Beschimpfungen, Vergewaltigungen. Jahrelang. Immer wieder. Und das alles für den Traum von einer glücklichen Familie. „Es war schwer, diesen Traum aufzugeben, ein ganz großer Schritt“, sagt Maria Colell. „Die Frauen ertragen viel, um ihr Leben weiterleben zu können.“ Wie auch diese Frau, die von ihrem Ehemann immer wieder verprügelt wird.

Maria Colell, Leiterin des Frauenhauses im Landkreis München, nennt sie Frau Weber. Es blieb nicht bei Gewalt gegen sie, irgendwann traf es die Tochter Nadine. Und Frau Weber erkannte, was sie so lange schmerzlich verdrängt hatte: Es geht nicht mehr, die heile Familienwelt ist längst zerbrochen. Zerschlagen worden. „Wenn die Kinder mit hineingezogen werden, sagen viele Frauen: Jetzt reicht’s“, erzählt die Leiterin des Frauenhauses. Frau Weber und Nadine flohen in die Einrichtung, die im April dieses Jahres erst eröffnet hat.

19 Frauen und 30 Kinder hat das Team des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), der als Träger der Einrichtung fungiert, seitdem betreut. Frau Weber und Nadine sind „eine der eher seltenen, Ausnahmen“, sagt Colell. Ein Fall, der Hoffnung gibt.

Colell schildert zum „internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ im Landratsamt „erlebnisreiche Zeiten“. Es geht im Haus „turbulent zu“, nicht immer harmonisch. Denn dort treffen Frauen und Kinder aus vielen Ländern und Kulturen mit verschiedenen Sprachen, Werten, sehr individuellen Schicksalen und Lebensläufen aufeinander. Eine deutsche Frau, die zum Islam konvertierte und einen Araber heiratete lebt dort, im geschützten Raum, neben einer Polin, die „sich schon immer auf der Straße durchsetzen musste“, erzählt die Leiterin. Sie eint nur die Opferrolle.

Für eine Afghanin beispielsweise sei es „unvorstellbar, selbstbestimmt und gewaltfrei allein mit den Kindern zu leben“, verdeutlicht Colell. Familie steht über allem. Für diese Mütter ist die Flucht ins Frauenhaus nur „eine Erholungspause“. Frau Weber und Nadine hingegen wollen ab sofort frei, ohne Angst und getrennt vom Ehemann und Vater leben. Nach mehreren Wochen können die beiden die Einrichtung verlassen. Sie haben in einem anderen Bundesland, wo Angehörige wohnen, eine Wohnung gefunden, wollen neu anfangen.

Ein Glücksfall, den das SkF-Team nur selten erlebt. Oft dauert es Jahre und gibt viele Wiedersehen. 10 der 19 Frauen, die seit April im Frauenhaus wohnten, sind zurück zum Ehemann gegangen, schätzt Colell. Es dauert, bis sich eine Frau endgültig trennt und ein neues Leben ohne Gewalt beginnt – „im Durchschnitt sieben Jahre“, verdeutlicht Sonja Saxinger von der Interventionsstelle Landkreis München (ILM).

Und selbst dann lässt sich nicht innerhalb von sechs Wochen ein neues Leben aufbauen. Mit dieser durchschnittlichen Aufenthaltsdauer wird aber für Frauenhäuser bundesweit kalkuliert. Rein statistisch. Die Realität sieht anders aus. Bei Maria Colell bleiben die Frauen und Kinder bis zu einem halben Jahr. Sie kommen manchmal nur „mit der Kleidung am Körper“, sagt die Leiterin. Im Frauenhaus gibt es Notrationen für alles: Kleidung, Essen, Getränke. Grundsätzlich versorgen sich die Bewohnerinnen selbst. Pro Stockwerk gibt es eine gemeinsame Küche. Insgesamt haben sieben Frauen und 13 Kinder in dem Haus gleichzeitig Platz.

Der reicht aber nicht. Der Bedarf ist viel größer, wie Sachsinger betonte. „Es gibt grundsätzlich zu wenige Frauenhäuser.“ Bis zur Eröffnung im April mussten Frauen aus dem Landkreis in Einrichtungen der Stadt München unterkommen, der Landkreis trug die Kosten dafür. Dann baute er die eigene Einrichtung, die Tanja Böhm vom ILM als „wichtigen Schritt“ bezeichnet. Aber „auf dem darf sich der Landkreis nicht ausruhen“, fordert sie und wünscht sich ein Kompetenzzentrum „häusliche Gewalt“, bei dem alle Ansprechpartner und Hilfsangebote gebündelt werden.

Auch Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) ist froh „über den gesellschaftlichen Wandel, der sehr spät kam“, aber mit der Einrichtung des Frauenhauses und der Beratungsstelle für männliche Gewalttäter (MILK) in diesem Jahr eine große Schubkraft erhielt. Tausendfreund findet es noch heute „unsäglich, mit welchen Argumenten früher solche Einrichtungen abgelehnt wurden: ,Hier herrscht eine heile Welt und gibt es solche Probleme nicht‘“.

Doch es gibt ein Umdenken. Schritt für Schritt. Ein Prozess, der dauert. Wie auch für die vielen Frauen, die jahrelang Gewalt erdulden. Bis es nicht mehr geht. Frau Weber und ihre Tochter Nadine haben diesen Schnitt gemacht, sich auf einen neuen Weg begeben und das alte Leben hinter sich gelassen.

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