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Lost Place in Ismaning: Altes Elektrizitätswerk der Papierfabrik.

Auf Spurensuche

Industrie-Denkmal am Seebach

Ismaning - Von den Scheiben existieren bloß noch Reste, die Fenster sind längst eingeschlagen: Dort, wo in Ismaning der Seebach in die Isar mündet, steht eine Industrie-Ruine – das inzwischen verfallene Elektrizitätswerk hat einst die Papierfabrik mit Strom versorgt.

„Made in Ismaning“ heißt die Ausstellung, die noch bis zum 26. Juni im örtlichen Schlossmuseum zu sehen ist. Die Sonderausstellung zeigt die Geschichte von kleinen und großen Unternehmen, beispielsweise die der Papierfabrik: Sie war 1859 das erste im Ort angesiedelte Unternehmen. Von der bis 1971 betriebenen Papierfabrik selbst, damals einer der wichtigsten Arbeitgeber in Ismaning, ist heute nichts mehr zu sehen – am einstigen Standort (Fischerstraße / Ecke Auenstraße) sind längst Wohnungen gebaut worden. Übrig geblieben ist, als typischer „Lost Place“, das Elektrizitätswerk am Seebach. Von der Holzbrücke aus ist das eingezäunte Grundstück, das dem Freistaat Bayern gehört, gut einsehbar; besonders Neugierige klettern bisweilen übers Brückengeländer und werfen von oben einen Blick durch die eingeschlagenenen Fensterscheiben: Kabelreste sind zu sehen, ein Schaltschrank, die Überbleibsel des grün gestrichenen Generators.

Betrieben worden ist das Elektrizitätswerk mit Wasserkraft – weil der Seebach nach dem großen Hochwasser seinen Verlauf geändert hatte in sein heutiges Bachbett; zuvor floss der Seebach weiter nördlich in einen Nebenarm der Isar. Die Chance, den neuen Bachverlauf zu nutzen, ergriff später Emil Kurz, dessen Vater Hubert 1919 die Papierfabrik erworben hatte: Im Jahr 1954 ließ Emil Kurz an der Seebach-Mündung das Elektrizitätswerk bauen; die Anlage versorgte zunächst nur die Papiermaschinen, später die ganze Papierfabrik mit Strom. Die Geschichte der Papierfabrik reicht zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als auch im agrarischen Bayern die industrielle Revolution Einzug heilt und sich ein neuer Wirtschaftszweig bildete: die Verpackungsindustrie. 

Die Unternehmer Lizowsky und Bullinger nutzten die Gunst jener Zeit und gründeten in Ismaning eine Fabrik für Verpackungspapiere, sogenannte „Emballagen“. Das Papier wurde aus Stroh und Lumpen hergestellt. Von 1875 bis 1909 führte die Familie Kayser die Fabrik, 1919 übernahm die Familie Kurz das Unternehmen. Mit rund 100 Beschäftigten gehörte die Papierfabrik 112 Jahre lang zu den wichtigsten Arbeitgebern in Ismaning. Irgendwann rentierte sich der Betrieb aber nicht mehr wegen steigender Umweltauflagen und der Konkurrenz durch Kunststoffverpackungen – 1971 wurde das Ismaninger Werk stillgelegt. Einziges Relikt aus jener Ära: das E-Werk am Seebach. Martin Becker

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