Vermittelt online „jobsfürmama“: Simone Wendeln aus Pullach gibt gut ausgebildeten Müttern ein Forum, damit sie nicht aufs berufliche Abstellgleis kommen. foto: ak

Mama kann mehr

Pullach - Simone Wendeln aus Pullach initiiert eine Jobbörse für Mütter

Pullach - „Warum“, sagt Simone Wendeln, „soll eine qualifizierte Frau zurückstecken im Beruf - nur weil sie Mutter geworden ist?“ Die 36-Jährige, selbst Mama zweier Töchter, sitzt am Esstisch ihrer Pullacher Wohnung und schaut einen an. Sie hat international studiert, Betriebswirtschaft, dann „in der Parfumsparte“ gearbeitet. Bis zum Mutterschutz. Da wurde ihr angesichts der vielen ebenfalls aus dem Job gefallenen Mütter um sie herum langsam klar, dass es nicht so leicht sein würde, wieder zurückzufinden ins Arbeitsleben. Also? „Ist in meinem Kopf langsam diese Idee entstanden“, die sie dann mit ihrer Freundin Sabine Soblik, auch 36, auch Mutter, umzusetzen begann. Ende Januar ging „jobsfürmama.de“, ihre Stellenbörse für gut ausgebildete Mütter, online.

Mütter, sagt Simone Wendeln, brauchten sich auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht zu verstecken. Wo ist auch das Problem, wenn jemand, der Familie hat, nicht voll arbeiten will? Bei „jobsfürmama“ sind die Stellenangebote gleichmal von vornherein gegliedert in Voll- und Teilzeitjobs, in Freelance-Beschäftigungen und Tätigkeiten, die man von zuhause aus erledigen kann. Simone Wendeln kennt Mütter, die in ihrem Lebenslauf, um die Chance auf ein Bewerbungsgespräch zu erhöhen, die eigenen Kinder unter den Tisch fallen ließen. Das kann es, findet sie, nicht sein.

Überhaupt seien Mütter allerbeste Mitarbeiter. Weil sie in der Regel bestens vernetzt sind, krisenerprobt außerdem, loyal und flexibel ohnehin. „Unternehmen, die familienfreundlich agieren, tun außerdem was fürs Image.“ Letztlich, weiß die junge Frau, ersetze jemand, der engagiert 60 Prozent arbeite, durchaus eine Vollzeitkraft. Weil man im Job dann gar nicht erst privat telefoniert. Und längere Gespräche auf dem Gang ebenso sein lässt. Simone Wendeln strahlt einen an und sagt: „Es hat viele Vorteile, Mütter einzustellen“.

Der Auftritt der Jobbörse im Internet ist angenehm gestaltet, übersichtlich, leicht zu verstehen. Wer sich nicht registriert hat, kann erstmal auch so die Jobangebote durchblättern. Seit einem halben Jahr sind Wendeln und Soblik sowie eine Bekannte, die ein entsprechendes Portal in der Schweiz aufbaut, dabei, mittelständische Unternehmen zu akquirieren. „Es ist ein wenig wie Klinkenputzen“, aber die Reaktionen, die sie bekommen, sind meist positiv. 400 Mütter haben sich seit Januar eingeloggt bei „jobsfürmama“, die ersten Kontakte zu Betrieben wurden längst geknüpft. Ob daraus aber auch Arbeitsverhältnisse entstanden, weiß Simone Wendeln nicht. „Das verfolgen wir dann nicht mehr“. Wobei die Jobbörse so organisiert ist, dass die Unternehmen für ihre Stellenanzeige bezahlen, 150 Euro für die sechs Wochen, nach denen jedes Inserat automatisch gelöscht wird. Für die Mütter ist der Service kostenlos. Sie entscheiden auch selbst darüber, welche Teile ihres Profils sichtbar für alle sein sollen.

Und die Jobs selbst? Drehen sich viel um Wirtschaft, es werden Leute gesucht fürs Marketing, Controlling, im Vertrieb, aber auch technische Zeichner, Grafiker und Webdesigner, deutschlandweit, versteht sich. Eine Bank in Hamburg braucht gerade einen Teamleiter für die Kreditabteilung, die immerhin 12 Leute umfasst. „Das sind die Jobs, die wir haben wollen“, sagt Simone Wendeln. Dann klappt sie ihr Laptop auf, um einem die Pressefotos von sich und der Kollegin zu zeigen. Vor kurzem haben sie überhaupt erst angefangen damit, Redaktionen zu kontaktieren. Ziemlich schnell wurden sie daraufhin ins Frühstücksfernsehen eingeladen.

Simone Wendeln selbst hat schon vor einem Jahr wieder angefangen, zu arbeiten, in Teilzeit. Ihre Töchter sind 20 Monate und drei Jahre alt, für beide hat sie Krippenplätze bekommen, was ja auch keine Selbstverständlichkeit ist. Zwei Tage die Woche investiert sie momentan in den Aufbau ihrer Jobbörse. Ansonsten? Musste sie sich auch schon Kritik gefallen lassen an ihrem Unternehmen. Es waren Väter, die sich beschwerten. Und sagten, auch sie würden gern mal nicht nur Vollzeit arbeiten.

Andrea Kästle

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