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Sonnenblumen und ein 60er-Schal: Matthias Rebhan (r.) und Nicolas Gkotses haben den Erinnerungsgang zum Grab von Max Merkel in Hohenbrunn organisiert.

Fussball

Pilgermarsch zum Grab von Max Merkel

Ottobrunn - Ein Pilgermarsch zum Grab von Max Merkel in Hohenbrunn, 50 Jahre nach der einzigen Löwen-Meisterschaft. Diese Idee lässt sogar die Polizei aufhorchen. Doch letztlich ist die Pilgerschar recht überschaubar, die Stimmung aber dennoch gut.

Spätestens beim Vaterunser drängt sich die Frage auf, was Max Merkel wohl zu all dem gesagt hätte. Einerseits hätte es dem Meister-Trainer der 1966er-Löwen sicher gefallen, dass da ein paar eiserne Blaue fünfzig Jahre nach dem einzigen Titelgewinn des TSV 1860 München zu seinem Grab pilgern – schließlich gehörte der Österreicher selbst zu denjenigen, die ihn am meisten verehrt haben. Andererseits hätte Merkel, dem das Schimpfen mindestens so lieb war wie der Fußball, wohl auch ein paar bissige Worte für derlei Sperenzchen übrig gehabt. Und dass am Ende gerade mal sieben Pilger vor seinem Grab stehen – das wäre der Trainerlegende sicher sauer aufgestoßen.

Dabei ist im Vorfeld so viel geschrieben worden über diesen Pilgermarsch nach Hohenbrunn, wo der 2006 verstorbene Merkel begraben liegt. Sogar die Polizei meldet sich am Vortag in der Lokalredaktion, um die Hintergründe zu erfragen – schließlich sei der Marsch nicht angemeldet worden, moniert der Beamte. Doch die Sorge, dass abertausende Löwen-Fans grölend durch Hohenbrunn ziehen, ist unbegründet: Tatsächlich sind es bloß zwei Frauen und fünf Männer, die zum Treffpunkt an der Pfarrei St. Magdalena in Ottobrunn erscheinen – was Nicolas Gkotses jedoch nicht stört. „Wir wollten ja, dass es ein privater Marsch wird“, erklärt der Gemeindereferent des Pfarrverbands Vierbrunnen, selbst ein glühender Löwen-Fan und gewissermaßen Initiator der Veranstaltung. 

Der 31-Jährige hat unlängst im Internet entdeckt, dass Max Merkel in Hohenbrunn begraben liegt – also auf jenem Friedhof, an dem er berufsbedingt fast täglich vorbeiradelt. Von dieser Entdeckung erzählt Gkotses dem Ottobrunner Pfarrgemeinderat Matthias Rebhan. Der Mathematikprofessor hat zwar selbst mit Fußball nichts am Hut und den Trainer Merkel bis dato gar nicht gekannt. „Doch einen Pilgermarsch zu organisieren, fand ich eine nette Idee“, sagt Rebhan, bevor er schnell hinzufügt: „Aber schreiben Sie das Wort pilgern bitte in Anführungszeichen.“ Eigentlich wären sie ja gerne am 28. Mai nach Hohenbrunn gezogen – zum 50. Jahrestag der Meisterschaft. Doch in den Wochen zuvor schwebten die Löwen wieder mal am Rande der Drittklassigkeit, und so verschob man den Termin. „Bei einem Abstieg wäre so ein Pilgermarsch etwas zynisch gewesen“, findet Rebhan. Nun aber steht dem Marsch nichts mehr im Wege. Nach und nach erscheinen die sieben Pilger, darunter auch einer, der sich Sigi nennt und früher bei den Löwen in der Jugend gekickt hat. „Wir haben die Spieler und den Trainer Max Merkel damals immer am Platz getroffen“, erzählt Sigi, hörbar angetan von dem kauzigen Österreicher. „Das war ein echter Zampano. Ohne den wären die Löwen nichts gewesen.“

 Mit etwas Verspätung kommen Erwin Boin und seine Frau Veronika angeradelt – weil er sich noch umziehen musste. „Ich wäre fast mit einem roten T-Shirt gekommen“, erzählt Boin und grinst. „Doch das geht natürlich gar nicht.“ Seine Frau freilich hätte dagegen nichts einzuwenden – schließlich ist sie der einzige Bayern-Fan hier. Ob’s da nicht Stress zu Hause gibt? Doch Veronika Boin winkt ab und sagt: „Wir sind mehr als vierzig Jahre verheiratet“ – und genauso lange sei er ein Blauer und sie eine Rote. Nun soll’s aber losgehen; die Gruppe setzt sich in Bewegung. „Wir wollen auf dem Weg ins Gespräch kommen“, hat der Gemeindereferent gesagt. Und tatsächlich wird bald munter geplaudert, natürlich auch über die Löwen, mit denen Gkotses fiebert, seit er als Bub eine Fan-Kutte vom Onkel geschenkt bekommen hat. Bis heute geht er regelmäßig ins Stadion, so auch vorige Saison beim Relegationsspiel gegen Kiel, als der TSV schon mit einem Bein in der 3. Liga stand. Ob man als Gemeindereferent in so einer Situation betet? „Beten darf man immer“, weicht Gkotses aus, ehe er betont: „Die Hoffnung liegt ja quasi in der Natur eines jeden Löwen-Fans.“ 

Gebetet wird auch am Grab von Max Merkel, das in der hintersten Ecke des Hohenbrunner Friedhofs liegt. Gemeinsam spricht das Septett ein Vaterunser, nachdem es einige Sonnenblumen niedergelegt hat – „Grün-Gold, wie die ursprünglichen Vereinsfarben des TSV“, weiß Nicolas Gkotses. Zum Schluss gibt’s noch ein Erinnerungsfoto, ehe die Pilger weiterziehen – zum Essen in den „Alten Wirt“. Dort sitzen sie dann in gemütlicher Runde beisammen – und zumindest das hätte Max Merkel sicher gutgeheißen.

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