Zwischen Schock und Gelassenheit

Präsident Trump: Reaktionen aus dem Landkreis

Landkreis – Die US-Amerikaner haben gewählt: Donald Trump wird neuer Präsident. So richtig glauben konnten das viele nicht, als sie gestern Morgen die ersten Ergebnisse sahen. Viele räumten Trump wegen seiner meist chauvinistischen und rechtspopulistischen Aussagen kaum Chancen gegen Hillary Clinton ein. Auch im Landkreis überwiegt die Sorge, was ein Präsident Trump für Europa bedeuten könnte. Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) postete etwa auf Facebook „Ich mache mir Sorgen, die Welt wird nicht einfacher.“

Mit Argusaugen beobachtete auch der Deutsch-Amerikanische Verein in Ismaning den Wahlkampf in den USA. Bei dem Verein, der Menschen beider Länder zusammenbringen möchte, blicken die Verantwortlichen skeptisch auf den neuen „Ich habe ein knappes Rennen erwartet“, sagt Vorsitzende und Vereinsgründerin Christa Nicklas (72). Nun müsse man abwarten, was am Ende aus den vollmundigen Ankündigungen des neuen Präsidenten Amerikas werde. Christa Nicklas hat auch in der Wahlnacht mit Freunden in den USA telefoniert. Diese berichteten von einem zerrissenen Land und sehr unterschiedlichen Vorhersagen für die Wahl. Überrascht war Christa Nicklas, wie tief die politischen Gräben in dem wohl härtesten Wahlkampf der amerikanischen Geschichte gingen: „Es gab heftige politische Diskussionen auch in den Familien, wo die Menschen dann teilweise nicht mehr miteinander gesprochen haben.“ Christa Nicklas berichteten auch die befreundeten Lehrer aus Germantown in dem lange hart umkämpften und am Ende von Trump als Schlüsselstaat gewonnenen Wisconsin von ihrem Engagement: „Die dortige Lehrergewerkschaft hat sich nicht wie bei uns in Deutschland neutral verhalten, sondern Hillary Clinton empfohlen. Sie hatte angekündigt, die Bildungspolitik zu stärken.“

Brigitte Thoma (71), zweite Vorsitzende des Freundschaftsvereins und ehemalige Dritte Bürgermeisterin von Ismaning sagt: „Ich bin geschockt. Aber jetzt hoffe ich, dass Trump im Amt vernünftiger wird.“ Sie habe in den vergangenen Tagen trotz der zeitweise anderes lautenden Prognosen mit diesem Ausgang der US-Wahl gerechnet. „Jetzt muss sich die Freundschaft bewähren“, sagt Thoma mit Blick auf die Verbindungen des Vereins zwischen Germantown und Ismaning. 

Bei Natascha Kohnen, Generalsekretärin der SPD in Bayern, löst der Wahlsieg Trumps ein Gefühl der Angst aus. Sie ist nicht nur verunsichert, weil sie Trump als unberechenbaren Menschen einschätzt. Sie befürchtet auch, dass die Rechtspopulisten in ganz Europa jetzt einen starken Aufwind erfahren: „Das war schon ein sehr perverser Wahlkampf, den Trump geführt hat. Seine Äußerungen über Mexikaner und über Frauen sind menschenverachtend und rassistisch. Und das sollte uns wirklich zu denken geben, auch was Wut-Wahlkämpfe anrichten können. Die Rechtspopulisten haben sich natürlich als erste ganz besonders über seinen Wahlsieg gefreut. Diese Entwicklung halte ich für bedenklich. Um so wichtiger finde ich es jetzt, das Ganze als Weckruf zu verstehen, sich aktiv zu beteiligen und zu zeigen, was uns Demokratie wert ist.“ 

Bernd Hops (43) hatte eine kurze Nacht hinter sich. Der Pressesprecher des Halbleiterunternehmens Infineon in Neubiberg hat die Wahlen im bayerischen Landtag verfolgt und war einer von rund tausend Besuchern. Bis um drei Uhr morgens hat er die Auszählungen bei der Party des Amerika-Hauses abgewartet. „Als Infineon beunruhigt uns – und das betrifft nicht nur Trump – dass weltweit dem Protektionismus stärker das Wort gesprochen wird. Für uns als Handelsunternehmen ist es wichtig, den freien Handel gewährleistet zu sehen, der auf gesicherten Grundlagen beruht.“ Man müsse abwarten, wie die konkrete Politik aussehe. „Wenn man sich Trumps erste Rede anhört, versucht er, die Gräben, die durch den Wahlkampf entstanden sind, zuzuschütten.“ Die Infineon-Technologie-Aktie jedenfalls hat gestern Morgen die Negativ-Spitze von 14,85 Euro erreicht. „Unsere Aktie ist zusammen mit dem Markt ziemlich in die Knie gegangen, hat aber im Laufe des Vormittags fast das Niveau des Vortags erreicht.“ 

Bundestagsabgeordneter Florian Hahn (CSU) hat die Nachricht von der Wahl Donald Trumps gleich am Morgen mit Blick aufs Handy erfahren. Er war kaum überrascht. Seiner Ansicht nach war es im Vorfeld zu erwarten, dass das Rennen um das höchste Amt knapp wird. „Man spürte ja in den vergangenen Tagen, dass noch einmal Bewegung reinkam, gerade auch mit Blick auf die E-Mail-Affäre, die Hillary Clinton belastet hat“, sagt Hahn. Der Experte in Sachen Verteidigungspolitik ist „guter Hoffnung, dass Trump mit Ablegen des Klamaukwahlkampfs ein Partner wird, mit dem wir an die traditionell guten, transatlantischen Beziehungen anknüpfen können“. Das sei schließlich im Interesse Amerikas, Europas und Deutschlands. Aber wie steht’s mit der Vorbildfunktion? Befeuert ein solches Abschneiden auch populistische Strömungen hierzulande? Florian Hahn sieht in der Tendenz kein Phänomen, das sich nur auf die USA beschränkt, und verweist dabei auf die Entscheidung über den Brexit in Großbritannien und die Bundespräsidentenwahl in Österreich. Davon müsse man sich in Deutschland erfolgreich abgrenzen, indem man gerade auch für jene Politik betreibt, die sich zurückgelassen fühlen. „Man muss noch deutlicher machen, dass die Populisten keine gute Politik betreiben. Gute Politik aber ist eine, die den Bürgern real hilft, statt nur zu vereinfachen.“

nb, icb, msc, pk

Rubriklistenbild: © dpa

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