Bürgerinitiative gegründet

"Wie das PEP": Anwohner sind gegen Bebauung am Rathausplatz

Neubiberg - Gegen die geplante Bebauung der Fläche am Rathausplatz hat sich Widerstand aus der Anwohnerschaft formiert. Der Bürgermeister verteidigt das Vorhaben. 

Die Gegner der Neubebauung des Grundstücks am Rathausplatz 1 gehen in die Offensive. Eine Bürgerinitiative, die sich „Rettet den Rathausplatz“ nennt, hat sich formiert. Die Initiatoren stören sich an den Plänen der Gemeinde, zusammen mit einem privaten Investor das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) St. Cosmas zu vergrößern und ein Seniorenzentrum sowie dahinter Wohnungen zu bauen. Der Schlachtruf der Gegner lautet: „Nein zum Koloss am Neubiberger Rathausplatz.“ Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) verteidigt das Vorhaben. Er spricht von einem „Gewinn für die Neubiberger Bürger“. 

Der Gemeinderat hatte bereits im Juli 2015 der Vergrößerung des Ärztezentrums am Rathausplatz zugestimmt. Das Projekt ging nur mit knapper Mehrheit durch. CSU, Grüne und USU100%Uni hatten sich dagegen ausgesprochen. Nun lag der Entwurf des Bebauungsplans für die Fläche östlich der Lindenallee, westlich der Grundschule und nördlich des Rathausplatzes zum zweiten Mal öffentlich aus. Das neue MVZ soll in ein dreigeschossiges Gebäude mit Flachdach ziehen, das rund 60 Meter lang, 40 Meter tief und 15 Meter hoch sein soll. Der Bau ist in Richtung Rathausplatz abgestuft. Die Fläche ist als Sondergebiet zum Nutzen der Allgemeinheit ausgeschrieben. Dahinter sollen Mietwohnungen gebaut werden.

20 Mal bringen Anwohner ihre Einwände ein

Bis Mitte Juni haben Anwohner 20 Mal Einwände gegen das Vorhaben im Rathaus eingebracht. Der Planungsausschuss beschäftigt sich damit in seiner nächsten Sitzung Ende Juli. Hauptkritikpunkt der Gegner ist die massive Bebauung, die ihrer Ansicht nach nicht zum Erscheinungsbild der Gartenstadt Neubiberg passt. Sie sprechen von von „Klein Neuperlach“ in Anlehnung an das Einkaufszentrum PEP. Außerdem befürchten sie eine „unverantwortliche Verkehrswege- und Schulsituation“, wie es in einem Schreiben heißt, das die Gegner am Mittwoch in einem Anzeigenblatt veröffentlichen wollen und das dem Münchner Merkur vorliegt. Laut einer Verkehrsuntersuchung würde sich die Zahl an Fahrten am Rathausplatz von aktuell 538 auf 744 pro Tag erhöhen. 

Herlinde Simmet-Schumacher ist bei der Bürgerinitiative aktiv. Sie wohnt in direkter Nachbarschaft am Rathausplatz. Sie betont, dass die Initiative anders als eines Zeitungsberichtes zufolge, keineswegs die Ärztehaus-Pläne kippen wolle. „Wir unterstützen die Planungsziele der Gemeinde für den Erhalt und Ausbau des MVZ und der Schaffung von Wohnraum auf diesem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück. Nur nicht um jeden Preis“, sagt sie. 

Einige Anwohner fühlen ungerecht behandelt

Einige Anwohner fühlen sich von der Gemeinde ungerecht behandelt. Anita Hellmeier wohnt in der Lindenallee. Dort dürfen Wohnhäuser nicht höher als zweigeschossig gebaut werden. Außerdem sind Spitzdächer vorgeschrieben. Vor dem Hintergrund stört sich Hellmeier daran, dass der private Investor ein Gebäude mit drei Geschossen und einem Flachdach bauen darf. „Was unterscheidet uns von einem privaten Investor?“, fragt sie. 

Bürgermeister Heyland betont, die Gemeinde plane nicht gegen ihre Bürger. „Wir bauen entsprechend den Wünschen der Ärzteschaft.“ Das Gebäude dürfe man daher nicht mit einem Familienhaus vergleichen. „Es ist vom Charakter her eher ein Krankenhaus.“ Und Heyland macht klar: „Für das MVZ gibt es in Neubiberg keine Alternative.“ Die Bürgerinitiative will sich nun mit jeder einzelnen Fraktion des Gemeinderates zu Gesprächen verabreden. Die Anwohner wünschen sich eine andere Planung. Heyland begrüßt das Vorgehen. Er sagt: „Das ist ein demokratischer Prozess. Es ist gut, dass wir uns über solche Dinge unterhalten.“

rat

Rubriklistenbild: © Robert Brouczek

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