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Bundeswehr

Mit dem Rucksack an die Leistungsgrenze

Neubiberg - Die jungen Männer in Springerstiefeln und Tarnanzug, die für die Bundeswehr mit schwer bepackten Rucksäcken durch den Landkreis marschieren, gehören wie alte Bekannte zum Straßenbild. In einem Erfahrungsbericht schildert ein Student, wie das genau vonstatten geht.

Neubiberg – 7 Uhr morgens, dunkel, kalt, ein leichter Nieselregen schlägt gegen die Fensterscheibe. Das gleichmäßige, sanfte Prasseln wird durch ein mir sehr gut bekanntes schrilles Piepen unterbrochen, der Wecker klingelt. Es ist Mittwochmorgen am der Bundeswehruniversität Neubiberg, der Rucksack steht schon – am Vorabend akkurat mit 15 Kilogramm bepackt – einsatzbereit in der Stubenecke. Ein verschlafener Blick, dann die Erinnerung: „Achja, heute Leistungsmarsch.“

Einen ebensolchen muss jeder Soldat zweimal jährlich absolvieren. Egal ob männlich oder weiblich, egal ob 18 oder 48 Jahre alt. Es gilt, zwölf Kilometer in weniger als zwei Stunden zu marschieren. Eigentlich kein Problem, denn ehrgeizige Kameraden joggen die Strecke und erreichen Zeiten um eine Stunde. Dennoch kostet es Überwindung. Aufstehen, aufwachen, fit werden. Es ist nicht viel Zeit bis zum Antreten. Schnell einen Kaffee aufbrühen. Es wird Zeit. Ich schwinge den Rucksack auf meinen Rücken und merke zum ersten Mal seit langem wieder, wie schwer 15 Kilo sein können. 

Auf dem Weg zum Antreteplatz nehme ich mir vor, den Marsch gemütlich anzugehen. Hauptsache unter zwei Stunden. Sollen die anderen sich abhetzen, bestanden ist bestanden. Nach der Einweisung durch den Leiter und dem anschließenden obligatorischen Wiegen des Gepäcks werden wir auf die ausgeschilderte Strecke geschickt. Ich beginne schnellen Schrittes zu gehen. Manch einer beginnt direkt loszurennen. Ich denke kurz nach. Ich sage mir: „Hey, laufen musst du das sowieso, wieso also nicht so gut wie möglich?“

 Ich beginne zu traben, gehe ins Joggen über, greife den Rucksack bei den Riemen, und die Motivation hat mich wieder gepackt, wie jedes Mal. Kilometer für Kilometer lasse ich hinter mir. Erfahrungsgemäß fängt es ab Kilometer acht langsam an, anstrengend zu werden. Ich schaue nicht auf die Uhr oder auf den Streckenmesser des Smartphones. Ich will es nicht wissen. Betrüge mich selbst. Was, wenn ich noch mehr Strecke vor mir habe als vermutet? Was, wenn ich schlecht in der Zeit liege? In stoischer Unwissenheit laufe ich weiter und weiter. Ich spüre langsam den stechenden, mir wohlbekannten Schmerz in den Oberschenkeln. Die Uniform ist bis auf die äußerste Schicht durchgeschwitzt. Passanten werfen mir verwunderte Blicke beim Vorübergehen zu oder tuscheln untereinander. Egal, fast geschafft. Zähne zusammenbeißen heißt die Devise. Endlich, das Ziel am Ende der Straße. Ich gebe noch einmal alles. Ich habe es geschafft. 

Der Schreiber empfängt mich mit einem gelangweilten „gut gemacht“ und notiert meine Zeit, während ein anderer Kamerad meinen Rucksack zur Kontrolle noch einmal wiegt. Eine Stunde und zehn Minuten habe ich benötigt, eine gute Zeit. Mit einem Gefühl des Stolzes und der Befriedigung gehe ich in Richtung Unterkunft. Den ersten Leistungsmarsch habe ich gut gemeistert, der nächste wird halb so schlimm. Doch dieses Erfolgsgefühl nach erbrachter Leistung, wenn man wieder einmal an seine eigenen Grenzen kommt, ist es, was unseren Beruf so oft ausmacht. Ein erhabenes Gefühl. Stefan Göb

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