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Ein letztes Mal stehen Karl Müllers Milchkühe auf der Weide. Mit Wehmut nimmt der Milchbauer Abschied von seinen Tieren. Mittwochfrüh wurden sie zum Schlachthof gebracht.

Viehwirtschaft lohnt sich für Karl Müller nicht mehr

Letzter Oberhachinger Milchbauer gibt auf

Oberhaching - Landwirt Karl Müller gibt auf. Die Milchviehwirtschaft lohnt sich für ihn nicht mehr. Schweren Herzens musste er gestern zusehen, wie seine Kühe abtransportiert wurden. Damit endet in Oberhaching ein Teil Ortsgeschichte. Denn Karl Müller (63) war der letzte Milchbauer in der Gemeinde.

Man hätte den zwölf Milchkühen und ihrem Besitzer Landwirt Karl Müller vom Fischhaber-Hof einen schöneren letzten Tag auf der großen Weide hinter dem Stall gewünscht. Doch zum Abschied regnete es in Strömen. Mittwoch in aller Früh ging es in den Stall und von dort in einen Transporter, der die Tiere direkt zum Schlachthof brachte. „Es ist wirklich sehr traurig, vor allem bei einem kleinen Betrieb wie dem unseren, wo man die Tiere mit ihren unterschiedlichen Charakteren alle gut kennt“, sagt der Landwirt betrübt.

Milchwirtschaft war das Herzstück des Hofes

Nun wird er nicht mehr jeden Morgen und Abend die Kühe von der Weide in den Stall zum Melken rufen. Der Nebenerwerbslandwirt führt den Fischhaber-Hof seit 1985 zusammen mit seiner Schwester Regina. Übernommen hat er ihn von seinem Vater Karl Müller senior. Die Milchwirtschaft bildete dabei stets das Herzstück des Hofes. Schon die Urgroßeltern hatten Milchkühe, damals noch für den Eigenbedarf. „Ob es auch davor schon Kühe auf dem Hof gab, ist leider nicht bekannt“, sagt Müller. Doch seit zwei Jahren reduziert er die Zahl der Kühe kontinuierlich. Damals waren es noch 24 Milchkühe und 16 bis 20 Kälber und erstmals trächtige Rinder, die den ganzen Sommer über auf der Weide waren und zwischen 6000 und 10 000 Liter Milch pro Jahr gaben. „Zu dieser Zeit war schon abzusehen, dass mir eine größere Operation bevorsteht“, berichtet der 63-Jährige. Und einen Helfer anzustellen, wäre finanziell schlicht nicht vorstellbar. „Außerdem ist die wirtschaftliche Situation für Milchbauern bekanntermaßen schon lange schwierig, obwohl ich mit der Privatkäserei Bergader als Abnehmer noch im oberen Bereich der Auszahlungen liege.“

Keine andere Lösung als der Schlachthof

Ein Verkauf der Kühe auf einen anderen Hof war nicht möglich, da die Tiere schon zwischen fünf und zehn Jahren alt sind, und in Bayern eine Kuh durchschnittlich nicht älter als viereinhalb Jahre wird. „Außerdem haben meine Kühe Hörner, was nur in einem Anbindestall geht, und die meisten Landwirte haben mittlerweile Laufställe“, erklärt der Landwirt. Selbst für „Linda“, die Müller wegen ihres sanften Wesens besonders schätzt, gab es keine andere Lösung. So ist nun auch der letzte Milchbauer im Oberhachinger Gemeindegebiet verschwunden.

Der Fischhaber-Hof ist seit dem Jahr 1690 im Besitz der Familie. Das uralte kleine Bauernhaus gegenüber dem neuen Gebäude, das Müller zusammen mit seinem Vater 1987 erbaut hat, existiert noch. Zwar wechselte durch Einheiraten immer wieder der Name, doch die Familie blieb stets Besitzer des Hofs. Teile des alten Bauernhauses stammen wohl sogar aus der Zeit um 1700, wie der erste Stock, der noch vollständig aus Holz ist. „Dort habe ich meine Kindheit verbracht“, erinnert sich Müller. Der große Stall wurde 1971 errichtet. „Nun werde ich wohl einen Teil davon verpachten, den anderen selbst nutzen.“ Denn weiterhin wird der Landwirt Heu auf seiner Weide machen, die Äcker bestellen und sich um den zum Hof gehörigen Wald kümmern.

Birgit Davies

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