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Stillstand: Auf der Baustelle an der M 11 geht derzeit nichts vorwärts. Der Stahlüberbau ist mangelhaft.

Montage der neuen Brückenkonstruktion verzögert sich erneut

Trauerspiel Kapellensteig

Oberhaching -Hamburg hat seine Elbphilharmonie, Berlin seinen Flughafen, und Oberhaching den Kapellensteig. Mit viel Galgenhumor ist es mittlerweile wohl durchaus zulässig, den Rad- und Fußgängerüberweg, der eigentlich schon seit Juli wieder über die Kreisstraße M 11 führen soll, in diese Liste schier nicht enden wollender Bauprojekte aufzunehmen.

Zugegeben: Während sich die norddeutschen Bauvorhaben schon über Jahre hinziehen, ist der Kapellensteig mit gut drei Monaten Verzug noch einigermaßen im Zeitplan. Gemessen am Umfang fügt er sich jedoch nahtlos ein. Nun musste der für Oktober angesetzte Montagetermin der neuen Konstruktion erneut verschoben werden, diesmal auf Mitte November. 

Schuld daran ist – das macht das zuständige Straßenbauamt Freising unmissverständlich klar – der Stahlbauer, der das Brückengerüst zusammenschweißt. Bei wiederholten Kontrollen hätten die Schweißnähte qualitative Mängel aufgewiesen, erläutert Jessy Swoboda, Projektleiterin des Straßenbauamts. Diese Mängel habe der Stahlbauer noch nicht behoben. „Die Situation ist sehr unbefriedigend“, sagt Swoboda. „Es wurde nicht so gearbeitet, dass es für unsere Qualitätsansprüche gereicht hätte.“ Die alte Holzbrücke ist im April nach 29 Jahren abgerissen worden. Das Holz war marode, ein Abriss unausweichlich. Beim Neubau entschied sich der Landkreis für eine Konstruktion aus Stahl und Holz, um das Gebilde in drei Jahrzehnten nicht wieder austauschen zu müssen. Damals war die Rede von einer Bauzeit von wenigen Wochen, Mitte Juli sollte das Projekt spätestens abgeschlossen sein. Jedoch musste der Einhub des neuen Stahlgerüsts schon damals auf Mitte August verschoben werden, dann nochmals auf Oktober. 

Doch noch immer ist von der Brücke, außer den Fundamenten auf beiden Straßenseiten, nichts zu sehen. Damit sich das zügig ändert und der neue Termin diesmal eingehalten wird, steht Projektleiterin Jessy Swoboda täglich in Kontakt mit der Baufirma „Strabag“. Das österreichische Unternehmen ist zuständig für den Bau und hat den Stahlbauer als Subunternehmen engagiert. Mit dem besteht seitens des Straßenbauamtes daher kein Vertragsverhältnis. „Strabag“ hingegen habe man bereits abgemahnt und sogar mit einer Kündigung gedroht, sagt Swoboda. Dort hätte man zwar Verständnis für die Frustration, „aber Oberhaching ist offenbar nicht ihre allerwichtigste Baustelle.“ Normal sei das alles schon lange nicht mehr. „In der Form ist mir das auch wirklich noch nie untergekommen“, sagt Swoboda. 

Immerhin hat die Stahlbaufirma die Fertigstellung des stählernen Überbaus und den Transport auf die Baustelle nun auf Ende Oktober terminiert. Dort muss dann noch die Holzverkleidung angebracht und die fertige Brücke auf das Fundament gehoben werden. Bis Mitte November soll das der Fall sein. Auf einen genauen Termin will sich diesmal Swoboda nicht festlegen. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter den Mehrkosten, die durch die Verzögerung bislang entstanden sind. Etwa 350 000 Euro sollte das Projekt kosten. Klar ist aber: Der Landkreis, der die Brücke finanziert, kommt für die zusätzlichen Kosten nicht auf. Swoboda: „Das bleibt an den Unternehmen hängen, die haben es ja verschuldet.“ 

Im Oberhachinger Rathaus begegnet man dem „Trauerspiel“, wie Stefan Schelle, Erster Bürgermeister (CSU), das Bauprojekt bezeichnet, mittlerweile nur noch mit Sarkasmus. „Uns bleibt ja gar nichts anderes übrig“, sagt Schelle. Verantwortlich für das Projekt sei immerhin das Straßenbauamt. „Wir haben da gar keine Aktien“, sagt Schelle. „Wir sind lediglich die Leidtragenden.“ Und auch die Oberhachinger sind nicht gut zu sprechen auf das in Verzug geratene Projekt. In der Facebookgruppe „Bürgerforum Oberhaching“ entfachte die Nachricht über die neuerliche Verzögerung den Unmut der Nutzer. „Das darf nicht wahr sein“, schreibt eine Nutzerin. „Das ist echt ein Witz.“ Und ein Oberhachinger sieht den Kapellensteig tatsächlich in einer Reihe mit dem Berliner Flughafenneubau, er schreibt: „Das ist unser Flughafen.“

Florian Prommer

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