Neue Buslinie zwischen Deisenhofen und Wolfratshausen

Nachbarlandkreis fühlt sich für Pendler-Problem nicht zuständig

Oberhaching - Mit einer neuen Buslinie zwischen den S-Bahnhöfen Deisenhofen und Wolfratshausen will die Gemeinde Oberhaching Individualverkehr eindämmen und eine landkreisübergreifende ÖPNV-Verbindung schaffen (wir berichteten). Der Kreisausschuss des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen hat die Idee jedoch abgelehnt.

Der Antrag für die landkreisübergreifende Buslinie stammt von den Gemeinden Egling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Oberhaching (Kreis München). Die Idee: Im 40-Minuten-Takt sollten die S-Bahnhöfe in Wolfratshausen und Deisenhofen verbunden werden. Der Hintergrund: Der S-Bahnhof im Nachbarlandkreis ist für Pendler aus dem Tölzer Land attraktiv. Einmal fährt von dort der Meridian nach Rosenheim. Zum anderen bietet die S3 einen Zehn-Minuten-Takt nach München.

„Der Oberhachinger Bürgermeister beklagt, dass der Parkplatz am Bahnhof übervoll ist und geprägt von Autos mit WOR- und TÖL-Kennzeichen“, berichtete Johann Kunz, ÖPNV-Experte am Landratsamt, in der Sitzung. So entstand der Plan für die zusätzliche Buslinie. Das Hauptproblem aus Sicht des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen: Die Kosten für das Projekt belaufen sich pro Jahr auf rund 500 000 Euro. Davon müsste der Landkreis 330 000 Euro übernehmen. Zum Vergleich: Im Moment investiert der Landkreis 1,5 Millionen Euro pro Jahr in den gesamten ÖPNV. „Es wäre also eine relativ kostenträchtige Linie“, befand Vize-Landrat Thomas Holz (CSU), der die Sitzung leitete. Dennoch hatte sich der Umwelt- und Infrastrukturaussschuss in seiner April-Sitzung für die Einrichtung ausgesprochen. Fünf Jahre mit der Option auf zwei Jahre Verlängerung sollten die Verträge laufen.

Der Kreisausschuss – zuständig für die Finanzen – sah das anders. „Ich halte diesen Kurs nicht für absolut notwendig“, sagte CSU-Fraktionschef Martin Bachhuber. Außerdem habe er sich den Parkplatz in Deisenhofen angeschaut, „und die Anzahl an TÖL- und WOR-Kennzeichen war überschaubar“.

Überhaupt sei das Parkplatzproblem keines, „das von uns gelöst werden muss“, ergänzte FW-Fraktionschef Hans Sappl. Er frage sich, wie viele Pendler tatsächlich vom Auto auf den Bus umsteigen, um nach Deisenhofen zu kommen. Hier hat sogar Kunz Bedenken – zumal es drei weitere Buslinien gibt, die im Bereich der geplanten unterwegs sind. Auch deshalb findet der Tölzer Bürgermeister Josef Janker (CSU) „den Antrag kurios – vor allem mit der Begründung, dass der Parkplatz voll ist“. Kurios finde er aber auch, dass er mit keinerlei Zahlenmaterial unterfüttert sei. „Es heißt nur: Da stehen viele Autos.“ FW-Kreisrat Andreas Wiedemann fand das „blauäuig“.

Es gab aber auch Fürsprecher. Die Ost-West-Verbindungen im Münchner Umland seien schlecht und könnten durch die neue Linie verbessert werden, sagte Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne). Auch mit Blick auf die Energiewende sei die Verringerung des Individualverkehrs wichtig. „Die Höhe der Kosten lässt uns zwar auch schlucken. Aber wir würden es halt mal probieren.“ Dem schloss sich Reiner Berchtold (SPD) an. Bis auf die beiden Grünen und Berchtold lehnten alle Kreisausschussmitglieder die Buslinie ab. Das letzte Wort hat aber der Kreistag am 20. Juli.

Das sagt Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle

Mit Enttäuschung hat Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) auf das Nein zur geplanten neuen Buslinie zwischen den S-Bahnhöfen Wolfratshausen und Deisenhofen im Kreisausschuss des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen reagiert. Auf Nachfrage sprach er von einer Entscheidung, die „zu kurz gedacht“ sei. Immerhin würde von der Buslinie nicht allein die Gemeinde Oberhaching profitieren (Stichwort: überfüllter Pendler-Parkplatz am S-Bahnhof Deisenhofen), sondern „vor allem auch der nördliche Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“. Für die „Bürger aus Endlhausen, Egling oder Thanning ist es doch ein tolles Angebot, mit diesem Bus in Richtung Kreisstadt Wolfratshausen zu fahren“, sagte Schelle. „Und dieses Angebot wäre vom Landkreis München mitfinanziert“. Wie berichtet, hat der Landkreis München der geplanten neuen Buslinie bereits grundsätzlich zugestimmt. Und auch im Gemeinderat Oberhaching ist die Richtung klar. „Unsere Position ist, dass wir lieber in einen neuen Busbahnhof investieren als in einen weiteren Parkplatz“, bekräftigte Schelle. Er hofft nun, dass die Verwaltung im Landratsamt München eventuell noch Wege findet, um die Buslinie zu realisieren – „indem man Kosten eventuell reduziert oder teilt“. Aufgeben will der Oberhachinger Bürgermeister das landkreisübergreifende Projekt jedenfalls noch nicht. „Wenn das Ganze am Geld scheitern sollte, wäre das wirklich schade.“

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