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Bunte Kostüme, ein liebevolles Bühnenbild und starke Gesangsleistungen begeistern bei der "Entführung aus dem Serail".

Oper "Entführung aus dem Serail" in Ödenpullach

Mozart in der Maschinenhalle

Oberhaching – Wer braucht große Konzerthäuser? In Ödenpullach funktioniert Oper in der Maschinenhalle - mit starkem Gesang, Top-Kostümen und einer super Kulisse. Alles selbstgemacht.

Es braucht nicht zwingend ein bestens ausgestattetes Bürgerhaus, um hochrangige Kulturveranstaltungen präsentieren zu können. Das hat sich in Oberhaching gezeigt, wo derzeit „Die Entführung aus dem Serail“ auf dem Spielplan steht. Und zwar in einer Maschinenhalle in Ödenpullach. Münchens Theatergänger mögen in der Tiefgarage unter der Oper ihr Auto parken. In Oberhaching stellt man den Wagen auf einer Wiese ab – und hofft, dass die sich während der zweieinhalbstündigen Aufführung nicht in ein Sumpfgebiet verwandelt. 

Dann geht man in die Halle – und verbringt dort einen wunderbaren Abend. Bekannte Gesichter unter den Mitwirkenden gibt es kaum zu entdecken. Der Chor des Gymnasiums und der Oberhachinger Kammerchor, beide geleitet von Musiklehrerin Ricarda Geary, die auch die Opernreihe auf dem Land vor acht Jahren etabliert hat, kommen nur zu zwei kleinen Auftritten. Ansonsten wird die Aufführung bestritten von engagierten Solisten und vom Kammerorchester unter der Leitung von Gerold Huber.

 Dabei setzt sich in der Maschinenhalle fort, was auch andernorts immer wieder auffällt: Die Laien-Darbietungen haben immer öfter fast schon Profi-Niveau. Weil scheinbar überall in den Gemeinden Theaterleute (oder im Nähen und Kulissenbau begabte Mütter) wohnen, die sich gern in der Freizeit einbringen mit ihrem Können. So war auch in Oberhaching das Bühnenbild von Norbert Meisl überaus gewitzt: Bunt gewürfelte Schiebe-Wände markierten die Palast-Mauern des reichen Türken Bassa Selim, der die von ihm angehimmelte Konstanze gekidnappt hat, samt Zofe „Blonde“ und Diener „Pedrillo“. 

Die dann von ihrem Geliebten Belmonte aus dem Serail wieder zurückentführt werden soll, was scheitert. Am Schluss kommt Konstanze trotzdem frei, weil Bassa Selim kein Unmensch ist – und auf Rache verzichtet. Auch wenn Belmontes Vater ihm früher übel mitgespielt hat. Er bleibt dabei und singt an Belmonte gewandt: „Nimm Deine Freiheit, nimm Konstanze, segne Dein Vaterland.“ Und: „Werde Du menschlicher als Dein Vater.“ 

Hinterher gab es für die rund 80 bis 100 Mitwirkenden, die vorwiegend hinter den Kulissen agierten, lang anhaltenden Applaus. „Was die immer auf die Bühne bringen“, meinte anerkennend eine Besucherin. 

Andrea Kästle

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