+
So was darf nicht vorkommen. „An unserer Schule ist unglaublich viel Geld in die Sicherheit investiert worden – dann erwarte ich auch, dass die Dinge so funktionieren, dass sich niemand Sorgen machen muss.“ Achim Lebert ärgert sich über den Fehlalarm.

Schon drei Fehlalarme

Amok-Alarm-Anlage am Gymnasium spielt verrückt

Ottobrunn - Das Gymnasium Ottobrunn befand sich Ende der Woche im Ausnahmezustand, weil der Amok-Alarm verrückt spielte. Der Direktor berichtet uns, was genau geschehen ist in den Klassenräumen. 

Das Gymnasium Ottobrunn, an dem am Donnerstag ein technischer Defekt einen Amok-Alarm ausgelöst hatte und die Schule 45 Minuten lang in den Ausnahmezustand versetzte, konnte auch am Freitag noch nicht wirklich zurückkehren zur Normalität. Denn noch zweimal sind zwischen 11 und 13 Uhr auch am Freitag die einprogrammierten Notfall-Durchsagen gekommen.

Ohne dass jemand einen der in jedem Klassenzimmer vorhandenen Notfallknöpfe gedrückt hätte. Kurz nach 13 Uhr waren dann die Techniker der zuständigen Firma im Haus, um nach den Ursachen zu forschen. Zwischendurch hatte Direktor Achim Lebert seine Lehrer informiert, dass, sollte es zu einem weiteren Zwischenfall kommen, „der Unterricht beendet wird, da man unter solchen Umständen nicht arbeiten kann“. Wir haben mit ihm gesprochen. 

Bei Ihnen am Gymnasium schien es am Donnerstag eine Zeitlang, als wäre die Horrorvision jeder Schule Wirklichkeit geworden. Es gab einen Notfallalarm – der sich erst nach 45 Minuten als Fehlalarm herausstellte. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Achim Lebert: Ich war selbst im Unterricht, ich hatte eine elfte Klasse. Dann kam diese Durchsage, die ich, als sie eingerichtet worden ist, ja schon 100 Mal gehört hatte. Die Aufforderung, die Türen zu schließen, was jetzt, in unserem Neubau, von innen auch ohne Schlüssel möglich ist. Aber kurz nach diesem ersten Alarm kam auch die weitere Durchsage meiner Stellvertreterin, die wissen wollte, ob jemand vielleicht versehentlich einen Fehlalarm ausgelöst hat. Und den Betreffenden bat, sich zu melden.

Es hat sich aber keiner gemeldet – oder? Und wie kam Ihre Stellvertreterin darauf, überhaupt nachzufragen?

Achim Lebert: Wir konnten, was sonst technisch möglich ist, nicht lokalisieren, woher der Fehlalarm kam, in welchem der Klassenzimmer der Notknopf gedrückt worden war. Damit lag der Verdacht nahe, dass die Ursache für den Alarm ein technischer Defekt gewesen ist.

Die zweite Durchsage hat wahrscheinlich schon ein bisschen zur Beruhigung beigetragen, oder? 

Achim Lebert: Völlig entspannt hat natürlich niemand die Situation gesehen. Aber wirkliche Panik ist dadurch eben dann auch nicht aufgekommen. Was die Anspannung wieder erhöht hat, war für manche freilich der Moment, in dem die Polizei ins Haus kam. Wenn man mitbekommt, wie Beamte mit Maschinengewehren die Schule durchkämmen – das kann natürlich den einen oder anderen verunsichern.

Was macht man als Lehrer in so einem Moment? Werden die Kinder angewiesen, sich zu verschanzen unter Tischen? 

Achim Lebert: Nein, erst mal überhaupt nicht. Es geht zunächst nur darum, ruhig zu bleiben. Ich habe in meiner Klasse natürlich weiter unterrichtet – bei geschlossener Tür. Und dann in der Pause, die auch noch in die Notfall-Zeit gefallen ist, mit den Schülern auch Pause gemacht. Einige haben Karten gespielt. Andere haben sich unterhalten. Es war nicht so, dass alle in Angst und Schrecken dagesessen wären. Wir haben uns einfach ruhig verhalten – bis dann die Polizei an die Tür geklopft hat. Da war dann die Geschichte schon durch.

Die Möglichkeit eines Fehlalarms stand also recht schnell im Raum. Aber das Notfall-Programm muss ja trotzdem durchgezogen werden.

Achim Lebert: Das war natürlich auch richtig so, man muss ja die kleinste Gefährdung auf jeden Fall ausschließen.

Im Gegensatz zum Feueralarm wird Terroralarm in der Schule ja nicht geübt.

Achim Lebert: Ja, das ist ganz wichtig. Weil man damit erst potenzielle Täter möglicherweise auf dumme Gedanken bringen könnte. Die wüssten ja dann genau, was möglich ist an der Schule und was nicht.

Die Ursache des Fehlalarms steht aber noch nicht fest?

Achim Lebert: Die Techniker sind jetzt unterwegs in die Schule, um nach den Ursachen zu suchen. Freitagvormittag ist es zu zwei weiteren Fehlalarmen gekommen – und wir konnten diesmal wenigstens den Raum identifizieren, in dem sie ausgelöst worden sind.

Ein technischer Defekt also im nagelneuen System – so was sollte eigentlich nicht vorkommen.

Achim Lebert: Sowas darf nicht vorkommen. An unserer Schule ist unglaublich viel Geld in die Sicherheit investiert worden – dann erwarte ich auch, dass die Dinge so funktionieren, dass sich niemand Sorgen machen muss. 

Welche Firma ist es denn, die Ihnen das System geliefert hat?

Achim Lebert: Das weiß ich nicht, in diese technischen Details bin ich nicht eingebunden gewesen. Aber ich hatte, als die Anlage eingerichtet worden ist, schon den Eindruck, dass das Ganze sehr ernst genommen wird. Die Durchsage ist sicher 100 Mal probegelaufen. Heute Nachmittag trifft sich das Kriseninterventionsteam der Schule mit der Polizei, da wird das sicher auch Thema werden. Ich gehe mal davon aus, dass es systemintern noch Protokolle gibt, die vielleicht einen Hinweis geben auf die Fehlerquelle.

Haben Sie von Ihren Lehrerkollegen erfahren, wie deren Schüler reagiert haben auf den Alarm? Und wie die Kollegen selbst damit umgegangen sind? Haben alle weiter Unterricht gehalten?

Achim Lebert: Die Schule ist natürlich zu groß, um mit allen Schülern und Lehrern in der Zwischenzeit gesprochen zu haben. Ich kann hier eigentlich nur wiedergeben, was gestern die Polizei gesagt hat: dass sie überall gut durchgekommen ist, dass die Situation im allgemeinen ruhig geblieben ist. Natürlich gibt es dann Klassen, da schaukeln sich die Dinge ein wenig mehr auf. Ich denke, den meisten Lehrern ist es gelungen, eine gewisse Normalität aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite gab es dann natürlich auch Schüler, die wollten die Polizisten bei ihrem Einsatz, der ja lebensgefährlich hätte sein können, mit dem Handy fotografieren. Denen mussten wir dann natürlich auch mitteilen, dass das hier keine Fun-Veranstaltung war, kein Event, das man digital dokumentiert. 

Überhaupt – auch ein Problem: dass Schüler vielleicht noch während des Alarms die Eltern informieren oder Freunde. 

Achim Lebert: Das ist wirklich ein Problem. Und wir hatten am Donnerstag tatsächlich den Fall, dass eine Zeitung online über den Alarm berichtet hat, noch ehe es Entwarnung gab. Im Ernstfall kann das sehr schwierig werden, weil wir dann damit beschäftigt wären, hier mit der Presse zu kommunizieren. Dabei müssten wir dringend für Polizei und Einsatzkräfte erreichbar sein. 

Haben Sie die Schüler angewiesen, auf keinen Fall etwas über ihre Handys herauszugeben?

Achim Lebert:  In meiner Klasse war das überhaupt kein Thema – ich will das noch einmal deutlich machen: Es gab ja nicht die Durchsage, dass ein Unbekannter in der Schule unterwegs ist. Und in den Lernlandschaften der Klassen fünf bis neun ist es sowieso so, dass zu Beginn des Unterrichts die Handys alle eingesammelt werden.

Haben Sie am Freitag die Lehrer gebeten, noch einmal mit den Schülern über die Angelegenheit zu sprechen?

Achim Lebert: Wir sind hier übereingekommen, dass die Lehrer ihren Klassen jedenfalls anbieten, noch einmal über alles zu reden. Bei so einer großen Schule sind die Befindlichkeiten ja sehr unterschiedlich. Ansonsten gibt es ja auch unsere Jugendsozialarbeiter, die sind heute auch im Haus.

Es haben sich aber am Donnerstag Schüler nach dem Alarm befreien lassen. 

Achim Lebert: Ja, das stimmt, es waren aber wenige. Zehn vielleicht von 1000. Und dann war es so, dass in einer Klasse gleich mehrere nach Hause gehen wollten, da sind vielleicht auch Wellen entstanden. Wir haben die Schüler entlassen – wenn sie uns versichert haben, dass sie zuhause nicht allein sind.

Und von den Eltern – haben Sie da schon Reaktionen bekommen?

Achim Lebert: Bis jetzt nicht. Wir haben mit den Eltern am Donnerstag gleich auf unserer internen Plattform kommuniziert, und meine Stellvertreterin hat auch sofort, als klar war, das Ganze ist ein Fehlalarm, diese Nachricht auf die Homepage gestellt. Und natürlich waren wir auch in Kontakt mit der Elternbeiratsvorsitzenden.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

„Wir haben viele Jahre bluten müssen“

Die schwerpunktmäßige Verlagerung des High-Tech-Konzerns Airbus von Ottobrunn nach Toulouse ist nicht aufzuhalten. Das schlägt sich in einem radikalen Stellenabbau …
„Wir haben viele Jahre bluten müssen“

Airbus streicht über 1100 Jobs - viele davon in Ottobrunn

Toulouse - Airbus-Chef Tom Enders baut seinen riesigen Konzern um. Über einen Stellenabbau wird schon länger gesprochen - nun wird er bestätigt. Auch Deutschland ist …
Airbus streicht über 1100 Jobs - viele davon in Ottobrunn

Kommentare