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Musik statt Tanztee: Bei der Senioren-Band „Mittendrin“ geht die Post ab.

Band „Mittendrin“ aus Ottobrunn 

Senioren rocken Begegnungsstätte

Ottobrunn – Tanztee? Nein, danke. Etwas mehr Groove bitte. Das finden die Mitglieder der Band „Mittendrin“. Die Band sorgt für Rock’n’Roll im Haus der Senioren. Bald kann jeder mitsingen.

Im Übungsraum im ersten Stock spielt das pure Leben. Es wird viel gelacht, geprobt und ehrliche Musik von Hand gemacht. Das Durchschnittsalter liegt bei 69 Jahren, mit 59 Jahren ist Trudi Dorn das Küken. Fast alle Bandmitglieder sind ehrenamtlich mit dem Haus der Senioren verwoben.

Wie beispielsweise Bandleader Werner Schmidts (64). Er leitet einen Kochkurs für alleinstehende Senioren und ist musikalisch ein waschechter Autodidakt. Mit zwölf Jahren, bei den Pfadfindern, verliebte er sich ins Gitarrenspiel, die Eltern haben es ihm verboten. „Also habe ich mich mit einem Freund in den Wald geschlichen und dort heimlich geübt“, erzählt der E-Gitarrist lachend. Eric Clapton und die Beatles waren ihre Lehrer.

Unlängst begeisterte ein „Mittendrin“-Konzert im Haus für Weiterbildung in Neubiberg. „Aber auch auf dem Ottostraßenfest standen wir auf der Bühne“, erzählt Schmidts. Bei allen sechs Musikern strahlen die Augen, so viel Freude hat es ihnen gemacht. „Als wir die Capri-Fischer brachten, kam der Sängerkreis Ottobrunn zufällig vorbei und sang kurzerhand mit.“ Das sei ein richtiges Happening gewesen, erzählt Heide Schmidts (64), Bass-Gitarristin und seit 39 Jahren Gattin von Werner.

Beim Repertoire kennt „Mittendrin“ keine Grenzen: Gespielt wird, was gut ist – und das ist eine ganze Menge. „Rock around the Clock“ oder „Route 66“ zum Beispiel, aber auch deutsche Klassiker. „Gemeinsam ist allen Songs, dass die meisten Leute sie kennen, mitsingen und dazu tanzen möchten“, sagt Heidelore Mullak, die Sängerin. „Da gibt es einen Riesenbedarf“, sagt Werner Schmidts. Deshalb plant die Band eine gemeindeübergreifende Konzertreihe. „Sing mit uns“ könnte der Titel lauten. Singen können die Gäste dann zusammen mit Heidelore Mullak.

Die 74-Jährige ist geborene Mainzerin und karnevalserprobt. Ihre Stimme siedelt sie etwa bei Zarah Leander an. Mit dem „King oft the road“ von Roger Miller fing alles bei einem Busausflug an. „Da haben alle gesagt: Mensch, du kannst ja singen“, erzählt sie. Sie ist dabei geblieben, zudem im Seniorenbeirat der Gemeinde aktiv und, wie Heide Schmidts, eine der guten Seelen des Hauses. „Ohne sie wären wir aufgeschmissen“, betont Trudi Dorn, die Tenorsaxophonistin. Die 59-Jährige muss es wissen, sie ist die einzige Nicht-Rentnerin der Band, die als Grafik-Designerin arbeitet.

Christiane Raschbichler (76) spielt das zweite Saxophon der Band. Als sie ein kleines Mädchen war, übernahm ihre Familie die Flussbadeanstalt der Großmutter in Eschwege an der Werra. Schwimmen kostete fünf Pfennige. Das Geld für ihren Klavierunterricht wurde gegengerechnet. „Stunden gab mir ein Badegast gegen freien Eintritt“, erinnert sie sich. Vor zehn Jahren fing Raschbichler mit Altsaxophon an, sie wohnt mittlerweile in Ottobrunn. Wie auch Wolfgang Fritsch, mit 77 Jahren der Erfahrenste der Truppe. Er ist der Mann am Klavier, mit dem Schalk im Blick und dem strahlendsten Lächeln.

Nicht nur ihm reicht ab und an ein Konzert nicht. Die „Mittendrin“-Mitglieder wollen mehr. „Wir lassen uns gern auch buchen“, sagt Fritsch. 

Die nächsten Auftritte stehen bereits fest. Zu hören ist die Band bei der Nikolausfeier im Wolf-Ferrari-Haus (6. Dezember, 14.30 Uhr) sowie bei Weihnachtskonzerten im Haus der Senioren (11. und 18. Dezember, jeweils 14 Uhr). 

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