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Professor für Tuba – auch das ist Andreas Martin Hofmeir, der Ex-Tubist von „La Brass Banda“. 

Im Wolf-Ferrari-Haus Ottobrunn

Vergnüglicher Abend mit dem Ex-Tubisten von „La Brass Banda“

Ottobrunn - Brasilianische Liebeslieder und viele persönliche Geschichten: Andreas Martin Hofmeir zeigte sein Programm „Kein Aufwand“.

„Ich möcht“, sagte Andreas Martin Hofmeir auf der Bühne im Wolf-Ferrari-Haus, „was machen, was überhaupt kein Aufwand ist“. Deswegen erzähle er den Besuchern ja auch „nur meine Lebensgeschichte, ich hab mir nicht mal was ausgedacht“. Aber der Ex-Tubist von „La Brass Banda“ las dann auch aus seinem Buch, das, wie auch sein Programm, „Kein Aufwand“ heißt. Und er spielte, zusammen mit seinem „Kompagnon“, dem Gitarristen André Wagner, einige „brasilianische Liebeslieder“. Alles zusammen: Ein höchst vergnüglicher Abend, bei dem sich die rund 200 Besucher zwei Zugaben erklatschten.

Im ersten Teil erzählte Hofmeir mehr und las, nach der Pause spielte er vorwiegend. Am witzigsten war er allerdings, wenn er sich mit dem Publikum unterhielt. Etwa wissen wollte, ob man hier, in Ottobrunn, mehr auf dem Land sei oder in der Stadt, ob man eine Ahnung habe, wo er herkomme. Ob man sie kenne, die Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“, in der der Tuba eine wichtige Rolle zukommt – sie übersetzt nämlich in Musik, wenn die Köchin, die bekanntlich die drei Orangen bewacht, wieder mal einen fahren lässt, wofür sie, die Köchin, berüchtigt ist.

Man wusste es dann ja: Andreas Martin Hofmeir kommt aus der Holledau, dorther also, wo „man auf dem Weg in den Norden die erste Bieselpause einlegt“, wo die einzige Kultur, die man dort kennt, die Monokultur des Hopfenanbaus ist. „Der Holledauer ist schon überfordert, wenn auf der Pizza Artischocken liegen.“ Seine erste Oper habe er in Berlin gehört, beziehungsweise habe er dort gleich mitgespielt. Derweil sei die Tuba „quasi der letzte Schrei der Evolution“, das Instrument der Instrumente, 1835 erfunden. Erst 1955 allerdings wurde dann das erste Solowerk für die Tuba geschrieben, „es hat halt gedauert, bis man jemanden gefunden hat, der freiwillig hineingeblasen hat“. Dann spielte Hofmeir, der auch Professor für Tuba am Mozarteum in Salzburg ist, wieder ein brasilianisches Liebeslied.

So ging es munter weiter, die Zuhörer bekamen ein Gedicht von ihm zu hören, mit langer Vorrede, man erfuhr, dass er nie gern geübt hat, weil eben „Musiker mit viel Talent nicht gern üben“, dass sein Kompagnon aus Nordnordnordostostost-Brasilien kommt – „die erste Lüge des Abends, es wird die einzige bleiben“. Ehe er berichtete, dass er bei „La Brass Banda“ vor drei Jahren aufgehört habe, weil die Tourneen langsam mit ziemlich viel Aufwand verbunden gewesen sind. „Am Anfang haben wir alle in einen Passat gepasst, die Tuba kam aufs Dach.“ Zum Schluss waren dann „neun Musiker in vier Trucks mit 35 Roadies“ unterwegs. Das war ihm zuviel.

In der Pause saß er an einem weißen Tisch und brachte den „Devotionalienhandel“ mit seinen CDs und dem Buch in Schwung, wobei er die CDs auch zum „Schrott-Wichteln“ empfohlen hatte. Während rundherum die vielen Feuerwehrler stolz in die Runde lächelten – der Abend war schließlich von der Ottobrunner Feuerwehr organisiert worden, die seit ihrer mit viel Programm aufgezogenen 100-Jahr-Feier vor drei Jahren das Managen von Kultur-Events für sich entdeckt hat.

Nach der Pause erzählte Hofmeir von seiner Studentenzeit in Berlin, wo er mit einem vergeistigten Kommillitonen zusammenwohnte, der gern vergaß, den Anrufbeantworter einzustecken. Weshalb ihm manches Engagement durch die Lappen ging.

Die Zugaben waren: Ein Gedicht auf „Starckdeutsch“, das jetzt nicht weiter erläutert wird, aber sehr lustig war, und – genau: noch zwei brasilianische Liebeslieder. Eins davon hieß „Latin Lover“ - „ein Auftragswerk für den Altphilologenverband“. Andrea Kästle

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