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Noch sind die Bälle da: Frederic Schwedler bei seinem Auftritt 2015, der mit dem Titel des deutschen Jugendmeisters gekürt wurde. Mittlerweile tüftelt er an einer Nummer mit acht Bällen.

Pullacher Zauberschüler 

Frederic (17) hat das Magier-Gen

Pullach - Die Ehre der Zauberer ist unanfechtbar, wenn es um die Geheimhaltung der vorgeführten Tricks geht. Das gilt auch für Frederic Schwedler (17) aus Neuried. Sobald der Magier und deutsche Jugendmeister die Bühne betritt, wird der Trick zum Kunststück, und das Publikum zum Beobachter kleiner Wunder auf dem Boden einer sich verflüssigenden Realität.

Eltern kennen den magischen Urgrund des Menschen in seiner Quintessenz, wenn sie ihrem Kleinkind eine Münze vor die Nase halten, die Hand verschließen, wieder öffnen. Und dabei jeweils ein verblüfftes Aha-Erlebnis beim Baby hervorrufen. Die Lust an diesem Spiel mit Wirklichkeit, Zwischenwelten und einer eleganten Vermittlung von Hier- und Wegsein hat Frederic Schwedler, ehemaliger Schüler der Zauberakademie Pullach, schon als Kind mit sieben Jahren verspürt. Während viele nach dem ersten Zauberkasten die Lust verlieren, vergrößerte sich bei Frederic die Ausrüstung schnell, und ein eigenes Zauberzimmer behütet heute die wohl strukturierte Ordnung der gedanklichen Ausflüge nach Hogwarts.

In der Königsdisziplin der Manipulation, die neben Close-Ups und Illusionen die Welt der Magie verkörpert, macht ihm so schnell keiner etwas vor. Wie bei den Hütchenspielern, die einen Würfel verstecken, muss die Täuschung so funktionieren, dass das Auge auch bei konzentrierter Aufmerksamkeit keine Chance auf eine vernünftige Verfolgung des Geschehens hat. Durch Täuschung, Ablenkung und schnelle Griffe gelingt das Verblüffende ohne holprige Übergänge. Klappt ein Kunststück nicht reibungslos, wird es zwischenzeitlich ausgespart. Ein paar Wochen später kommt es dann in verbesserter Version zum Repertoire hinzu, das bei dem 17-Jährigen kaum mehr zu überschauen ist. Zu Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern mit 50 bis 100 Personen passt die Rosennummer gut. Der Magier, der gan nebenbei auch die Kunst des Jonglierens beherrscht, lässt einen Ball springen. Die Spannung steigt. Ein Augenblick, und heraus wächst eine Papierblume. Wenig später ein Tusch, eine Feuersäule, und eine echte Rose springt hervor. Hier sind die Grenzen zwischen Close-Up, Illusion und Manipulation verwischt.

Es gibt viele Rollen, die ein Zauberer annehmen kann, und das Nachwuchstalent hat sich schon immer speziell zum Mystischen hingezogen gefühlt, das etwa heute der Deutsche Meister Luke Dimon aus Forstinning, Magier des Jahres 2014, für seine Auftritte verwendet.

Die Geschichte drum herum wird bei Wettbewerben ebenso bewertet wie die Kleidung. Sie muss dem Darsteller auf den Leib geschneidert sein. Während etwa Weltmeister Hector Mancha aus Spanien seine Show in kurzer, zerschlissener Hose, in T-Shirt und barfuß moderiert, setzt Frederic Schwedler auf das klassische Ambiente, einen Frack im Stile der Mozart-Zeit mit modernen Applikationen, einem schwarzen Gürtel und Zylinder. Erinnert ein wenig an die 1920er Jahre, die ein Revival erleben durch die Hände eines späten Nachfahren. In Eleganz und Bescheidenheit tritt er auf. Die stupende Fingerfertigkeit kommt nach kurzer Einleitung zu Einsatz: Aus seinen Handinnenflächen zaubert der 17-Jährige Spielkarten hervor, die sich unversehens vermehren, und am Ende wird aus dem Pik Buben das Herz Ass.

Und wer weiß, vielleicht wird aus Frederic Schwedler, der im Herbst mit dem Studium Maschinenbau an der TU beginnt, am Ende noch ein hauptberuflicher Profi in der Kunst der Manipulation? Nicht bei Volkswagen, sondern auf der Bühne.

Qualifikation für die deutsche Meisterschaft

Zwei Jahre lang ließ sich Frederic Schwedler an der Pullacher Zauber-Akademie ausbilden. Mit 14 Jahren wurde er nach der Abschlussprüfung im „Brückenwirt“ in den magischen Zirkel aufgenommen und nimmt an den regelmäßigen Treffen im Schwabinger „Wassermann“ teil. Für Begeisterung sorgte der Künstler, als er vor wenigen Monaten mit seiner Zaubershow das Publikum im Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach in Staunen versetzte. Kugeln und Karten verschwanden, tauchten wieder auf, wurden auf einmal bunt und landeten letztlich im Publikum. Mit seinem Programm gewann er 2015 die deutschen Jugendmeisterschaften in der Kategorie „Manipulation“. Der Absolvent der Zauber-Akademie führte seine Kunststücke mit schwierigen und sauberen Griffe und gutem Tempo vor zur Musik „Rise like a Phoenix“. Der 17-Jährige ist nach dem Triumph für die deutsche Meisterschaft qualifiziert, die im Mai nächsten Jahres in Saarbrücken stattfindet. Außerdem überzeugte der Zauberer die Jury im Dezember vergangenen Jahres beim Munich Magic Slam im Theater Heppel & Ettlich.

Marc Oliver Schreib

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