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Im offenen Atelier in Pullach an der Habenschadenstraße haben (oben links; v.l.) Renate Ross, Antje Reck, Evelyn Heinsdorf für die Besucher einiges vorbereitet (im Hintergrund „Fischfang von Renate Ross, im vordergrund arbeiten aus Papier, Gesso und Acryl von Evelyn Heinsdorf.

Offene Ateliers

Pfad zu den Kreativen

Pullach - Während der Künstlerkreis Münchner Süden im Herbst in einer großen Jahresausstellung im Bürgerhaus präsent ist, zeigt er im Sommer bei den Offenen Ateliertagen im kleineren Kreis, was er zu bieten hat.

In den Privathäusern der Mitglieder aus Solln und Pullach ist ein persönlicher Austausch über die Kunst im Allgemeinen und die Arbeiten der einzelnen Künstler im Besonderen nicht nur besser möglich als in der großen Ausstellung, sondern auch ausdrücklich erwünscht. Über eine „sehr, sehr gute Stimmung“ im Miteinander von Besuchern und Künstlerinnen freute sich Evelyn Heinsdorf.

Als Nichtmitglied im Künstlerkreis öffnete sie als Gastausstellerin ihr Haus an der Pullacher Habenschadenstraße und sorgte mit Renate Ross und Antje Reck dafür, dass „dem Publikum eine möglichst hohe Vielfalt“ geboten wurde. Neben den abstrakten, großformatigen Aquarellen von Reck, den tiefgründigen Ölbildern und Bronzeskulpturen von Ross zeigte Heinsdorf, die auch Malerin ist, Skulpturen aus Papier. In den großen Raum, der eigentlich Esszimmer ist, hatten die Künstlerinnen eine Bank gestellt, so dass sich die Besucher, wie im Museum, vor die Kunstwerke setzen konnten. Etliche Fragen richteten die Besucher an die Drei. Wie ihre Papierskulpturen entstanden, die aussehen, als seien sie aus Keramik – sie haben auch eine ähnlich feste Struktur –, erläuterte beispielsweise Heinsdorf. Sie fertigt sie aus einer Mischung Rügener Kreide, Hasenleim und etwas Gips. Das Geheimnis: Unter der angerührten Masse befindet sich während des Schaffensprozesses eine Art Gerüst. Eine Schale etwa oder, wie man es vom Basteln aus dem Kindergarten kennt, ein Luftballon. Die geschliffenen und mit mehreren Farbschichten versehenen Papierarbeiten zeigen interessante Farbspiele. Heinsdorf, die heuer zum ersten Mal dabei war, will 2017 wieder dabei sein: „Ich werde Wiederholungstäterin sein“, lacht sie. 

Über das Feedback seiner Besucher, die sich vor allem am zweiten Ateliertag „die Klinke in die Hand gaben“, freute sich auch Georg Steidinger. Der Pullacher ist Maler und Medienkünstler zugleich. Er ist vor allem für seine Installationen aus englischen Wörtern mit vier Buchstaben, den „4-Letter-Words“, bekannt. Außerdem zeigte Steidinger in seinem Haus an der Römerstraße Collagen-Arbeiten und einige Werke mit Neon-Buchstaben, bei denen die Worte in die dritte Dimension übergehen „und den Faktor Licht zu einer neuen Ausdrucksform führen“. Besucher, die Steidingers Kunst kannten, fielen gleich die neuen Arbeiten auf. Für den Künstler sind sie eine „konsequente Weiterentwicklung meiner ,4-Letter-Words‘-Serie, in der sich Bild und Worte zu einem neuen Ganzen vereinen“. Jeweils auf Holz und auf weißem Hintergrund zeigte Steidinger reduzierte Portraits außergewöhnlicher Persönlichkeiten: Es sind Künstler, die zumindest am Anfang ihrer Karriere, äußerst umstritten waren. Über den Portraits von David Bowie, Joseph Beuys, Andy Warhol und Leonardo da Vinci schrieb Steidinger ein für sie typisches Zitat, das allerdings nicht in der Muttersprache des jeweiligen Künstlers ist. In einem Breitformat ergänzt Ai Wei Wei als noch lebender, nonkonformer Künstler die Serie mit einem Text, der sein künstlerisches Schaffen beschreibt. 

Neues gab es auch einige Häuser weiter bei Elisabeth Dick zu sehen. Wie Evelyn Heinsdorf ist sie nicht Mitglied im Künstlerkreis. Im vergangenen Jahr präsentierte sie ihre Werke in der Tiefgarage der Wohnanlage an der Römerstraße, heuer drängten sich im Flur des Hauses die Besucher. Ihre ästhetische Art der Malerei mit außergewöhnlichen Ideen und anziehenden Farben entsteht „auf der Suche nach neuen Möglichkeiten“. Das Bild „Matrose Jeremiah“ entstand nach einem Foto, das Dick in der Zeitung entdeckt hatte. Das Portrait hat sie auf Leinwand mit vielen Farbschichten gestaltet und die Konturen mit einem neongelben Klebeband verstärkt. Durch Übereinlegen von dünnen Farbschichten bekommt das Bild „In den Mangrovenwäldern“ eine besondere Tiefe. Bernadette Heimann

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