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Die eigene Familiengeschichte hat Stefan Treiber dazu bewogen, ein Gesprächscafé ins Leben zu rufen, in dem sich Menschen mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen können.

Gegen das Gefühl der Heimatlosigkeit:

Riemerlinger gründet Erzähl-Café

Riemerling - Stefan Treiber (49) aus Riemerling will in Wolfratshausen ein Gesprächs-Café für Kriegsenkel gründen. Er will damit den Generationen eine Plattform bieten, die – wie er selbst – mit Gefühlen von Heimatlosigkeit und Entwurzelung zu kämpfen haben.

Noch immer bestimmt der Zweite Weltkrieg das Leben vieler Menschen in Deutschland - auch das von Stefan Treiber. Der 49-Jährige will in Wolfratshausen ein Gesprächs-Café ins Leben rufen. Im Fokus sollen die Kriegsenkel stehen, diejenigen also, die heute zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, sich nicht mehr an den Krieg erinnern können, sich aber Fragen stellen. Fragen über ihre Geschichte, ihre Familie, vielleicht auch über Spätfolgen, die über Generationen hinweg an sie vererbt wurden und die sie sich nicht erklären können.

Auch Stefan Treiber begann irgendwann zu grübeln. „Warum fühle ich mich nicht verwurzelt? Warum entsteht bei mir kein Heimatgefühl?“ Diese Fragen geisterten immer wieder durch seinen Kopf. Eine mögliche Antwort fand er in seiner Familienhistorie. Treibers Vater war Kriegsflüchtling, als 16-Jähriger wurde er aus dem Sudetenland vertrieben, die Familie verschlug es nach Darmstadt in Hessen. Hier wuchs Treiber auf. Zu Hause fühlte er sich nie. Hat sein Vater diese Entwurzelung, diese Heimatlosigkeit, an seinen Sohn weitergegeben? Fragen wie diesen soll das Gesprächs-Café eine Plattform bieten.

Treiber ist verheiratet und lebt seit fast 20 Jahren mit seiner Frau in Riemerling. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Günther Achatz aus Murnau will er zunächst alle zwei Monate den Gästen in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit geben, sich über die Folgen ihrer Familiengeschichten auszutauschen. „Ziel soll es sein, sich besser zu verstehen und zu erkennen, was uns positiv wie negativ geprägt hat“, sagt Treiber. „Aber wir wollen auch voneinander lernen, wie das Erbe der Vergangenheit in eine gute Zukunft gelenkt werden kann. Vieles aus dem eigenen Leben bekommt im Licht der Vergangenheit eine andere, eine ganz neue Bedeutung.“

Treiber, der als selbstständiger Stadtführer in München arbeitet und Referent an der KZ-Gedenkstätte in Dachau ist, erinnert an das Schicksal von Frauen, deren Männerbild davon geprägt ist, dass sie im Krieg vergewaltigt wurden. Er legt aber Wert darauf, dass das Gesprächs-Café keine Therapie ersetzen kann und soll, auch wenn ein Pfarrer und eine Psychotherapeutin als Ansprechpartner dabei sein werden. Warum aber will er sein Gesprächsangebot ausgerechnet in der Loisachstadt etablieren? „Ganz einfach“, sagt Stefan Treiber und lacht. „Günther Achatz kommt aus Murnau, ich aus Riemerling. Wolfratshausen ist in etwa die goldene Mitte.“ Außerdem gebe es in München ein ähnliches Angebot, die Kokurrenz wäre möglicherweise zu groß.

Treffen mit Anmeldung

 Das erste Gesprächscafé findet am Mittwoch, 2. Juni, 19.30 Uhr, im Gemeindehaus von St. Michael, Bahnhofstraße 2, in Wolfrytshausen statt. Um Anmeldung per E-Mail an s-treiber@gmx.de wird gebeten.

Frederik Lang

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