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Mitten im Ort liegt der Bahnhof.

Bahn rauscht durch Sauerlach

Zuglärm: Anwohner fordern Gutachten

Sauerlach –Schneller, lauter, immer mehr: Die Anwohner sind genervt vom Zuglärm - und von der Gemeinde enttäuscht.

Mit wenigen Worten lässt sich beschreiben, was Hans Grund schon lange den Schlaf raubt: der Schienenverkehrslärm in Sauerlach. Immer mehr Züge durchqueren den Ort, über ein Drittel davon abends und nachts. Grund reagierte. So entstand die „Initiative gegen Schienenlärm“, kurz IgSL, innerhalb der Agenda 21. Etwa 330 Bürger machten bei einer Unterschriftensammlung mit. 

Der Info-Tisch, mit dem die Initiative im Rahmen der Bürgerversammlung auf das Lärm-Problem hinwies, war gut besucht. Auch der Geschäftsleitende Beamte im Rathaus, Robert Maier, schaute vorbei. „Ich habe etwa 20 Jahre in der Nähe des Bahnhofs gewohnt, ich kenne das Thema“, erzählte er. 

Grund ist ebenfalls Anwohner. Der 56-Jährige lebt seit 25 Jahren mit seiner Familie in der Wendelsteinstraße – rund 20 Meter von den Gleisen entfernt. Der Software-Entwickler ging das Thema analytisch an und nahm Messungen vor. „Die Lärmpegel liegen teils deutlich über den Grenzwerten“, sagt er zum Ergebnis. Die Spitzen reichten bis 90 dB(A). Nur drei Stunden in der Nacht lägen die Werte unter 59 dB(A), dem Grenzwert für Alt-Verkehrsstrecken durch Wohngebiete.

Gerade schwere Güterzüge, zwischen 20 und 30 sind es etwa am Tag, machten den Anliegern zu schaffen. Erst kürzlich seien nachts gegen 2 Uhr innerhalb einer Stunde drei Züge durch den Ort gerauscht. „Eine derartige Häufung passiert immer dann, wenn anderenorts am Schienennetz gearbeitet wird“, weiß Grund. So, wie derzeit bis voraussichtlich 9. Mai auf den Strecken München-Salzburg/Kufstein und Holzkirchen-Rosenheim. Über Sauerlach werden die Züge umgeleitet. 

Schlimmer seien aber die Regionalzüge, erzählt Grund. Akribisch genau hat der 56-Jährige Fahrpläne ausgewertet. Sein Ergebnis: In den vergangenen 20 Jahren haben sich die täglich durch Sauerlach fahrenden Regionalzüge von 40 im Jahr 1996 auf aktuell rund 78 erhöht. Zwischen 22 und 6 Uhr rauschen neun Züge mit 150 km/h durch den Ort. „Jahr für Jahr wird die Entwicklung schlimmer“, beklagt Grund. Wenn das so weitergeht, befürchtet die Arbeitsgemeinschaft eines: Sauerlach kommt unter die Räder. 

Eines ist Grund wichtig zu betonen: „Wir sind keine ideologischen Bahngegner, wir fahren selbst mit dem Zug.“ Etwa 20 Mitglieder gehören der Initiative an. Und natürlich müsse, wer neben einem Gleis wohnt, mit Lärm leben. Doch die Dosis macht das Gift, ein Kompromiss muss her, fordern die Aktiven. 

Vom Engagement der Verwaltung hat sich die IgSL bislang mehr erhofft, etwa die Zusage für ein schalltechnisches Gutachten durch unabhängige Sachverständige. „Das ist für eine Gemeinde aufgrund der erforderlichen Daten einfacher und günstiger als für Privatpersonen“, erläutert Grund. 

Bei der Bürgerversammlung hatte Rathauschefin Barbara Bogner aber betont, die Gemeinde habe derzeit dafür kein Geld. Doch Hans Grund, der auch im Vorstand des Heimatvereins sowie der Ortsgruppe des Bund Naturschutz engagiert ist, gibt die Hoffnung nicht auf. „Wir beantragen, langfristige Messungen durchzuführen, um eine objektive Datenbasis aufzubauen.“ Sicher werde sich der Gemeinderat mit dem Problem zu befassen haben.

Ein Lärmschutz entlang der Gleise, Verbesserungen an den Zügen und eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit im Ortsbereich wären gut. Doch Grund würde sich vor allem eines wünschen: „Wenn die Züge nachts nur langsamer und daher leiser fahren würden, wäre allen schon gedient."

Kathrin Kohnke

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