+

Kabarett

Hader in Sauerlach

Sauerlach - Er hätte gern, meinte Josef Hader gegen Ende des Abends, den Zuhörern einen Satz mitgegeben, einen besonderen, der sie auch noch am nächsten Morgen zum Lächeln bringen würde, wenn sie im Badezimmerspiegel ihr verschlafenes Gesicht ansehen. Aber: „Es gibt nix, was ich Ihnen sagen könntat am Schluss, weil ich kei Botschaft hab.“

Die vielleicht 350 Besucher in Sauerlach gingen nach zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung trotzdem hoch beglückt nach Hause. Der große österreichische Kabarettist, wohl der beste überhaupt im deutschsprachigen Raum, zeigte sein aktuelles Programm „Hader spielt Hader“. Das ja ein Zusammenschnitt ist aus verschiedenen Bühnenmonologen der letzten Jahre. Quasi eine Art Best of. Dazwischen sang er im, wie er eingangs gleich bemerkt hatte, „schönen Ambiente“ der Mehrzweckhalle, immer wieder Lieder am Klavier. Selten ist, das darf man wohl annehmen, zwischen Basketballkörben und Sprossenwand soviel gelacht worden, eine Frau konnte sich in der zweiten Hälfte schier nicht mehr einkriegen – und lachte einfach durch. Manchmal saß man aber auch da und war ziemlich bewegt – weil Hader, der ja, wie man weiß, auch ein begnadeter Schauspieler ist, es schafft, auf so zarte Weise die Absurditäten und Abgründe des Lebens zu beschreiben. Das ist dann einfach nur zum Niederknien. „Gurkenschmäh“, wie der Wiener zu plumpen Schenkelklopfern sagt, kriegt man von ihm nicht vorgesetzt.

Verschiedene Figuren kamen im Lauf des Abends mehrmals vor – und manche von ihnen kannte man ja auch schon. Den Mann etwa, der sich soeben von seiner Uschi getrennt hat und die Scheidung jetzt rechtfertigt vor sich und den Zuhörern. Weil sie ihm doch immer so nahe gekommen sei, selbst im Sommer bei 40 Grad legte sie ihm noch manchmal ihre Hand aufs Knie. Hader stellte außerdem einen dieser Rucola-Ökos vor, die wenig brauchen im Leben außer ihren Steinpilzen und ihrem Trüffelöl, die beruflich „über Leichen gehen, aber immer mit Bio-Resonanz“ – und den Flüchtlingen am Hauptbahnhof nicht geholfen haben, denn: „Ich spende lieber.“ Besang den Franz, der „nach zwei Gulasch noch ned gnua hat“ und die Leute im Gemeindebau, die, auch weil die Wände dort so dünn sind und man alles hört, einander hassen und „sich die Autos zerkratzen“.

Zwischendurch verging einem allerdings das Lachen auch; nach einem „Kurzreferat über das Thema Humanismus“, das aberwitzige Geschichten über Sokrates und Platon ebenso enthielt wie die traurige, wahre Tatsache, dass der Vater von Heinrich Himmler ja Gymnasialprofessor für Altgriechisch am Wittelsbacher Gymnasium in München gewesen ist, schimpfte Hader ein wenig auf Wiener, Tschechen, Franzosen und Kurden – alle miteinander die „unfreundlichsten Menschen der Welt“. Machte weiter: „De meisten Tiere san a blöd“ und „alle Politiker ghörn weg“ - und bekam an der Stelle Extra-Applaus. Aber dann machte er plötzlich einen Diktator nach und bezog in die Reihen derer, „die schuld sind“, weil ja ein Kabarettist den Leuten immer sagen muss, wer überhaupt schuld ist, auch die Rentner ein, die Frauen, die Amerikaner und Katzen – also eigentlich alle. Da wurde es dann still. „Des is des Schöne am Älterwerden, es is so lässig, ich trau mich was sagen“, meinte er dann munter.

In der Pause gab’s Bier aus Plastikbechern, ein Besucher sagte: „Der Hader is so super.“ Er ist unschlagbar.

Lieblingslieder des Abends waren das nach einer windschiefen Variation der „Ballade pour Adeline“ völlig schräg gesungene: „Ich will ein Künstler bleiben“ und das Lied über den Sinn des Lebens: „Der eine kommt nach Paris, der andere kommt nicht nach Paris, wie das Leben halt so is.“ Oder: „Die meisten sind integer, andere sind Brillenträger, die wenigsten wern Leichenträger, aber alle wern vom Leichenträger Auftraggeber.“ 

Schließlich, in Ermangelung der eingangs schon erwähnten Botschaft: „Ich sing jetzt a Lied, das sehr lang ist, Sie gehen dann einfach.“ Das Lied ging über die Nachbarschaft, in der wir ja alle leben – und einander eben leider oft genug nicht leben lassen.

Auch interessant

<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Meistgelesene Artikel

Radfahrer kracht in Auto

Sauerlach -  Bremsen half nichts: Ein Radler aus Taufkirchen ist in ein Auto gekracht. Er hatte es übersehen.
Radfahrer kracht in Auto

60.000 Euro Schaden bei Karambolage vor Autohaus

Sauerlach – Eine Mercedes-Fahrerin hat am Dienstag gegen 14.30 Uhr auf dem Gebrauchtwagenareal des Autohauses Huber in Lochhofen vier abgestellte Pkw ramponiert und …
60.000 Euro Schaden bei Karambolage vor Autohaus

Sauerlach sagt Grüß Gott

Sauerlach - Naturnähe, das beschauliche Leben, die Freundlichkeit: das lieben Neubürger an Sauerlach. 341 Menschen sind 2016 hergezogen. Bürgermeisterin Barbara Bogner …
Sauerlach sagt Grüß Gott

Kommentare