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„Leben in der Wirtsstub’n“ lautet der Titel einer Sonderausstellung im ersten Stock des Heimatmuseums. Gezeigt werden Exponate aus dem bereits abgerissenen Dorfwirtshaus in Lochhofen. Das Foto zeigt den ersten Wirt Josef Böckl mit seiner Familie.

Besuchermagnet

Verführerisches aus der Museumsküche

Sauerlach - Das Heimatmuseum Arget feiert sein Jubiläum mit einem besonderen Programm.

Es duftete nach Zwuller mit Kraut, auch der Pichelsteiner ging weg wie warme Semmeln. In der historischen Küche dampfte und zischte es mächtig. Der Kartoffelsonntag im Argeter Heimatmuseum erwies sich auch heuer als ganz großer Renner. Die Verantwortlichen des Fördervereins hatten tags zuvor noch mit dem Wetter gehadert. Optimistisch stellten sie dann doch lange Tischreihen in den Hof. Der Mut wurde belohnt, größtenteils schien gar die Sonne. 

Zur Freude des Vize-Vorsitzenden Hans Gosau (78) kamen die Besucher in Scharen. Erst im Frühjahr war der gebürtige Hamburger in den Vorstand gewählt worden. Der Pfarrhof von 1682, Troadkasten (1667) und Stadel (1855) geben dem Fest stets einen besonderen Rahmen. Für die ganze Familie wird etwas geboten. Erstmals fuhr auch ein kostenloser Pendelbus zwischen Sauerlach und Arget, organisiert hat dies die Nachbarschaftshilfe. 

Das Museum an der Holzkirchener Straße gibt es nunmehr seit 25 Jahren, Eigner des historischen Ensembles ist die Gemeinde. Anlässlich des Jubiläums gab es deshalb ein besonderes Programm. In der historischen Küche führte Marianne Lederer das Regiment, seit 2013 ist sie im Verein Kassier. Unterstützt von etwa 15 eifrigen Helfern gingen 50 Kilo Kartoffeln geschält und gerieben über den Tisch. Der alte Herd, gefüllt mit ordentlich Kohle, kam erst gegen Abend wieder zur Ruh.

Stolz ist der Förderverein auf eine neue Sonderausstellung im Obergeschoss des Museums. „Leben in der Wirtsstub‘n“, so der Titel. „Wir haben als Stiftungsspende Exponate aus dem ehemaligen Wirtshaus in Lochhofen bekommen“, erläutert Hans Gosau. Eine zünftige Doppelsitzer-Bank und der Tresen sind etwa von 1930, Stühle und Tische seien von der einstigen Brauereigenossenschaft Holzkirchen. Alte Schützenscheiben zieren die Wände, Generationen von Bierkrügen stehen im Regal. Helmut Berthold, ein Vereinsmitglied der ersten Stunde, hat viele der Exponate für das Museum gerettet, gereinigt und repariert. „Das Wirtshaus ist bereits abgerissen, dort entstehen jetzt Wohnhäuser“, weiß Gosau. Der erste Wirt war Josef Böckel gewesen, ab etwa 1950 folgte sein Enkel Josef Streicher und dessen Gattin Veronika. Beide sind Anfang der 1980er verstorben. Deren Nachkommen hatten an einer Weiterführung kein Interesse. So wurde der 5000 Quadratmeter große Grund an einen Bauträger verkauft. „Wir wollen mit der Ausstellung auch ein Stück Wirtshauskultur bewahren“, sagt Gosau.

Ebenfalls im Obergeschoss zeigten die Künstlerinnen Ursula Schall und Hela Karb, beide Vorsitzende des Sauerlacher Künstlerkreises, einige ihrer schönsten Arbeiten. Schall in bekannt kräftigen, lebendigen Farben, Karb eher zart und in Pastell. Etwa zwölf Mitglieder hat der Kreis, es gibt ihn schon seit 2000. „Unsere Jahresausstellung in der Mehrzweckhalle am ersten Advent müssen wir leider absagen“, bedauern beide. Krankheitsfälle seien der Grund. Aber auch Nachwuchssorgen plagen den Kreis. „Wir treffen uns jeden letzten Freitag ab 18.30 Uhr im Sulag“. Interessierte seien stets willkommen. Traditionelle Verkaufsstände, Kinderaktionen und griabige Klänge von der „Badergassn-Musi“ rundeten das Fest ab. „Jetzt wird alles winterfest gemacht, denn hier gibt es keine richtige Heizung“, erläutert Hans Gosau. Der Kartoffelsonntag sei stets Krönung und Ende der Museumssaison, bis April sei hier nun Pause. (kko)

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