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Mit Wickelschürze: So kannte die "Schmuck Anni" jeder. 

Argeter Urgestein mit 87 Jahren gestorben

Die "Schmuck" Anni: Herz und Seele der Wirtsfamilie

Sauerlach – Sie war ein Argeter Urgestein, Tierfreundin und gute Seele der Wirtsfamilie: Anni Radlbeck. Sie hat 71 Jahre bei den Schmucks gelebt und gearbeitet. Nur mittwochs brauchte sie immer frei. 

Ein Meer aus Blumen und Kränzen bedeckt das Grab von Anni Radlbeck. Beinah ganz Arget ist zur Beerdigung der „Schmuck Anni“ gekommen. 71 Jahre lang und in fünf Generationen war ihr Schicksal mit dem der Wirtsfamilie Schmuck verknüpft. Im Alter von 87 Jahren verstarb Anni Radlbeck an den Folgen eines Gehirnschlags. 

„Wenn sie gesehen hätte, wie viele Menschen ihr die letzte Ehre erwiesen haben, hätte sie sich sehr gefreut“, sagt Angelika Schmuck, Chefin des gleichnamigen Landgasthofes, den sie mit Ehemann Franz-Xaver führt. Vier Kinder haben die Schmucks. Anni war mehr als nur eine Angestellte: Sie gehörte zur Familie. „So etwas Treues gibt es heute nicht mehr“, sagt die Wirtin. 

Die weiße Wickelschürze, ihre Dackel und die Liebe zur Volksmusik zeichneten die gebürtige Argeterin aus. Und ihr Kartoffelsalat war wohl der beste im ganzen Oberland“, sagt Angelika Schmuck lächelnd. 

Beim Bacher erblickte Anni Radlbeck am 23. Januar 1929 das Licht der Welt. Aufgezogen wurde sie vom Großvater. Als 16-jähriges Mädchen kam sie in die Familie Wiedenbauer. „Anna Wiedenbauer ist die Großmutter meines Mannes“, erläutert Angela Schmuck. Dort arbeitete sie als Kinder- und Hausmädchen, als Knecht, half in der Metzgerei – und im Wirtshaus. „71 Jahre lang war sie eine Stütze für die Familie, auch ihre Freizeit hat sie mit uns verbracht.“ 

Nur den Mittwochabend, den hat die Anni immer frei haben wollen für ihre beste Freundin, die Kogler Anni. Auch sie ist schon verstorben. „Dann saßen die beiden gemeinsam auf einer Bank vor dem Haus und ratschten“, erinnert sich die Wirtin. 

Anni habe alles gewusst, was in Arget vor sich geht, immer ein Ohr für die Sorgen anderer gehabt, war dabei loyal und verschwiegen. „Des geht mi nix an“, sagte sie dann nur. Der Morgen begann für sie früh in der damaligen Metzgerei, dann kam die Stallarbeit, danach half sie in der Küche. „Die Viecher, wie sie sie nannte, und die Landwirtschaft waren ihr mit das Liebste“, weiß Angelika Schmuck. 

Alles, was den Landgasthof heute ausmacht, habe die Anni mitgeprägt – als Herz und Seele des Hauses. Bis zu ihrem letzten Tag wohnte die 87-Jährige gemeinsam mit der verwitweten Schwiegermutter Marianne im Aussiedlerhaus. „Die beiden waren wie Schwestern.“ 

„Die enge Beziehung zu ihrer Dienstfamilie ist bis zu ihrem Todestag geblieben“, unterstrich Pfarrer Lorenz Poschenrieder in der Trauerrede. Anni Radlbeck habe die Kinder mit großziehen geholfen, sich stets schützend vor die Buben und Mädchen und alle, die im Betrieb arbeiteten, gestellt. „Wurde mal bei einer schlechten Schulnote eine Unterschrift der Eltern verlangt, holten die Kinder diese bei ihr ab. Sie unterschrieb – warum die Eltern belasten – mit dem Namen Schmuck“, erzählte Poschenrieder lächelnd. Klar, sie war ja die Schmuck Anni. Ihre letzte Ruhe fand sie nun im Familiengrab.

Kathrin Kohnke

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