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Ein Büchlein rund um die Heiligen und ihre Symbolik legen Pater Norbert Piller und sein Mitbruder Emmeram Kränkl (v.l.) vor. Pater Norbert hat fotografiert, die kenntnisreichen Texte hat Pater Emmeram geschrieben.

Kloster Schäftlarn: Zwei Patres haben ein Buch geschrieben

Den Heiligen ins Leben geschaut

Schäftlarn - Vor 150 Jahren, am 17. Mai 1866, übergab Ludwig I. von Bayern das Kloster Schäftlarn wieder in die Hände der Benediktiner. Zu Ehren dieses denkwürdigen Tages sind zwei Patres nun unter die Autoren gegangen und erklären in einem Buch den „Heiligenhimmel von Kloster Schäftlarn“.

 „Das mit dem Buch war doch deine Idee?“ fragt Pater Norbert Piller (70), Prior des Klosters sein Gegenüber, Pater Emmeram Kränkl (74), Altabt des Kloster St. Stephan und heute in der Benediktinerabtei Schäftlarn als Lehrer tätig. „Nein“, kontert dieser, „Du hast das vorgeschlagen.“ Die beiden Autoren müssen lachen. „Also, egal wer die Idee hatte, wir wollten einfach gemeinsam etwas Bleibendes anlässlich der Übergabe schaffen.“ Und so machten sie sich im vergangenen Jahr ans Werk. Pater Emmeram stellte die Texte zusammen, Pater Norbert griff zur Kamera und begann, die einzelnen Fresken, Altäre, Beichtstühle und Reliefs abzulichten, als Ganzes und in Ausschnitten. „Allein in der Klosterkirche sind etwa 1500 Aufnahmen entstanden“, berichtet er. Dann folgte das Aussortieren und Bearbeiten per Photoshop. „Hier zum Vergleich“, sagt der 70-Jährige und deutet von der Fotografie auf das Original-Gemälde. „Das himmlische Jerusalem“ bildet sowohl in der Christkönigskapelle als auch im Buch den Abschluss. Nur ist das Werk in Natura um einiges dunkler als das Repro. „Das kommt vom Ruß“, erklärt der Geistliche. „Früher stand hier drin ein Ölofen. Und immer wenn ein Windstoß durch den Kamin blies, rußte er.“ Also Restauration per Mausklick. Überhaupt zeigen sich beide Patres sehr firm, was die Arbeit am Computer betrifft. „Wie könne ja schlecht von unseren Schülern verlangen, dass sie damit arbeiten“, findet Pater Emmeram, „aber selbst keine Ahnung davon haben.“ Der 74-Jährige lacht. „Zwar sind wir über tausende von Jahren ohne ausgekommen, aber wenn man mit dem PC und dem Internet umzugehen weiß, lernt man ihren Wert auch zu schätzen.“ Für die Texterstellung selbst brauchte Pater Emmeram nicht sehr lange, beschäftigt er sich doch bereits seit Jahren intensiv mit den Heiligen. „Ich habe mich immer wieder geärgert, wenn jemand einfach über andere Menschen schreibt, ohne sie wirklich zu kennen“, sagt er. „Das ist schon fast eine Anmaßung.“ Kurzerhand verfasste er deshalb unter dem Titel „Worte der Heiligen“ ein Buch, das statt Geschichten über die Heiligen, sie selbst mit ihren Texten und Aussagen zu Wort kommen lässt. Im „Heiligenhimmel von Schäftlarn“ beschreibt der 74-Jährige nun kurz das Leben der abgebildeten Figuren und erklärt zudem die verwendete Symbolik, wie das Schwert in der Hand der Heiligen Juliana und den Drachen, den sie an einer Leine mit sich führt. Zusammen mit den Bildern von Pater Norbert wird so das Auge des Betrachters immer wieder auf Details geführt, die man ansonsten leicht übersehen hätte. Denn wer bemerkt und weiß um die Bedeutung der Szenen auf dem alten Taufstein, der noch aus der Vorgängerkirche stammt, oder achtet auf all die fein gezeichneten Zwickelbilder und Deckenporträts? Der heutige Abt des Klosters, Petrus Höhensteiger, fasst es im Vorwort des Buches treffend zusammen: „Die Heiligen Schäftlarns drängen sich nicht auf. Wer aber mit aufmerksamen Auge die Sakralräume unserer Klosteranlage erforscht, dem wird sich eine überraschende Vielzahl von ihnen auftun.“

„Der Heiligenhimmel von Kloster Schäftlarn“ ist im Eigenverlag erschienen und für zehn Euro im Klosterladen, an der Klosterpforte, im Schulsekretariat und im Hollerhaus, bei Lia Schneider-Stöckl, erhältlich.

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