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Himmlische und weltliche Gebote befolgt das Kloster Schäftlarn, das seit seiner Gründung 762 auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Am 17. Mai 1866 wurde es von König Ludwig I. von Bayern neu begründet.

Kloster Schäftlarn

Standfest wie ein Fels

Schäftlarn - Das Kloster Schäftlarn kann in seinem über 1250-jährigen Bestehen auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Nun feiert es mit einem Festgottesdienst und Festkonzert seine 150. Wiederbegründung.

762 gründetet Waltrich, ein aus einer fränkischen Adelsfamilie stammender Priester, die Benediktinerabtei und wurde zugleich ihr erster Abt. „Diese Klostergründung war für die umgebenden Orte von großer Bedeutung“, schreibt Lia Schneider-Stöckl in ihrem Buch „Ebenhausen im Isartal“. „Und zwar nicht nur in seelsorgerischer, sondern auch in wirtschaftlicher, kultureller und geistiger Hinsicht.“

Durch Schenkungen, wie beispielsweise Pullach, Münsing, Sendling und mehrerer Weinberge in Südtirol, wuchs das Kloster immer weiter. „Etwa 200 Jahre lang lebten hier Mönche, deren klösterliches Leben sich nach den Regeln des heiligen Benedikt ausrichtete“, weiß der Verwalter des Klosters, Stefan Rührgartner aus der Geschichte zu erzählen.

Doch dann marschierten die Hunnen ein und das Kloster verfiel allmählich. „An die Stelle der Benediktiner traten nun Weltpriester und verrichteten das Chorgebet.“ 1140 dann die nächste Veränderung: Bischof Otto von Freising übertrug das Kloster Schäftlarn an die Prämonstratenser-Chorherren aus dem schwäbischen Reichsstift Ursberg, die der Abtei zur neuen Blüte verhalfen. „Es wurde zu einer weithin anerkannten Stätte der Gelehrsamkeit“, berichtet Schneider-Stöckl weiter. Und das so sehr, dass sogar Gründung der Stadt München 1158 auf die Schäftlarner zurückzuführen ist, die auch das Namenspatronat übernahmen. Noch heute ist im Münchener Stadtwappen ein Mönch abgebildet, der seinen Segen spendet.

Nach der Pest drohte neues Unheil

Doch zurück ins Isartal, wo 1803 – kaum dass die Pest und verschiedene Brände überstanden waren – neues Unheil drohte. Im Rahmen der Säkularisation am 1. April wurde der Konvent aufgelöst. Gebäude, Grund und Inventar fielen an den Staat, die Mönche wurden heimatlos. Doch schon damals war das Kloster für seine alkalischen Mineralquellen bekannt. Man ergriff die Gelegenheit und errichtete in den ehrwürdigen Mauern ein Mineralbad „Bad Schäftlarn“ – einen Ort, den von nun an über 80 Jahre lang Kurgäste aus aller Herren Länder aufsuchten. „Sogar der Leibarzt von König Ludwig, Professor Johann Nepomuk, schwor auf die heilenden Quellwässer“, berichtet Schneider-Stöckl.

In einem anderen Teil der Klosteranlage wurde von 1816 bis 1849 eine Steingutmanufaktur unterhalten, ab 1845 unterrichteten hier zudem die Englischen Fräulein ihre Schülerinnen in einem Pensionat. Die größte Wende aber kam durch König Ludwig I. von Bayern. „Er stiftete aus eigenen finanziellen Mitteln am 17. Mai 1866 das Benediktinerkloster als unabhängiges Proarat neu“, erklärt Rührgartner. Eine Bedingung allerdings war mit der Neugründung verknüpft: Die Mönche sollten eine höhere Schule mit dazugehörigem Internat errichten. Ebenso sollten sie wieder die Seelsorge für die Gemeinden vor allem links der Isar übernehmen. Am 17. April 1910 wurde dem Kloster durch Prinzregent Luitpold dann endgültig wieder der Rang einer Abtei zugesprochen. Noch heute erfüllen die Mönche unter Abt Petrus Höhensteiger die damals gestellte Aufgabe: Sie unterrichten, unterstützen bei der Erziehung der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Kloster Schäftlarn und helfen bei in der Seelsorge und der Sakramentspendung aus.

Das Archiv beherbergt unzählige historische Schätze

Zudem wird nach wie vor eine Forstwirtschaft betrieben, eine Imkerei und eine Schnapsbrennerei wurden eingerichtet, und das von Pater Norbert Piller, Prior des Klosters, verwaltete Archiv beherbergt unzählige historische Schätze. Auch der Prälatengarten mit seinen vielen verschiedenen Rosensorten ist mittlerweile weit über die Landesgrenzen bekannt. „Den kulturelle Auftrag“, unterstreicht Rührgartner, „erfüllt das Kloster als Veranstalter der Schäftlarner Konzerte in der Klosterkirche“. Mit dieser verbindet Schneider-Stöckl noch eine besondere Geschichte. Neben dem ersten Schutzpatron, dem Heiligen Dioysius, fungiert hier die Heilige Juliana als Schutzpatronin. „Als meine Eltern heirateten und vor dem Hochaltar standen, sahen sie sich die Statue genauer an. ,Wenn wir mal eine Tochter bekommen’, beschlossen sie in diesem Augenblick, soll sie nach der Heiligen Juliana benannt werden.“ Schneider-Stöckl atmet tief durch. „Und da bin ich nun.“ 

Ein Hauch Italien in Schäftlarn

Der Festtag am Sonntag, 3. Juli, beginnt mit dem Pontifikalamt um 10 Uhr in der Klosterkirche. Bei seiner Gestaltung wirkt der Lassus-Chor aus München mit dem Ordinarium aus der „Missa octo vocum“ von Francesco Bianciardi unter der Leitung von Bernward Beyerle mit. Um 16 Uhr findet ein festliches Konzert in der Klosterkirche statt: Gemeinsam mit seinem Bläserensemble bringt der Lassus-Chor Festmusik der Renaissance aus Italien und Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten zu Gehör. Der Eintritt zum Konzert ist frei, allerdings können daher auch keine Platzreservierungen vorgenommen werden.

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