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Im Repair-Café sind Angelika Seifert, Eugen Müller, Rudolf Botzian, Alfred Bugger und Carl Häfner in die Arbeit vertieft.

Ehrenamtliche gegen die Wegwerfgesellschaft

Schäftlarn - Muss man immer gleich alles wegwerfen? Nein, fand Carl Häfner, und bietet zusammen mit Eugen Müller, Alfred Bugger, Horst Müller und Dirsko Graf von Pfeil unter dem Motto „Reparieren statt wegwerfen“ jeden letzten Dienstag im Monat im „Repair Café ab 16 Uhr seine Hilfe an.

„Die ursprüngliche Idee kommt aus Holland“, erzählt Häfner. Der 80-Jährige überlegte, wie man diese auch in Schäftlarn umsetzten könnte. „In Starnberg hat es auch geklappt.“ Er beriet sich mit Marisa Martini-Bäumler vom Familienzentrum KindErNetz an der Käthe-Kruse-Straße. „Im April 2015 haben wir in einem Raum im ersten Stock begonnen – und es war, als ob man einen Stein ins Wasser wirft. Der Bedarf ist auf alle Fälle da.“ Häfner kann sich sogar noch an das allererste Teil erinnern, dass im Repair Café jemals wieder in Ordnung gebracht wurde. „Das war ein Koffer, bei dem der Griff abgerissen war.“ Seitdem wird fast alles repariert. 

Eine Ausnahme aber sind Uhren. „Da braucht es besonderes Werkzeug und Fachwissen.“ Auch heute herrscht rege Betriebsamkeit. Christiane Botzian bringt einen defekten DVD-Player, ihr Vater Rudolf Botzian (82) einen PC, „der absolut keinen Mucks mehr von sich gibt“, und auch der Hebel von Angelika Seiferts Toaster lässt sich nicht mehr arretieren. „Na dann wollen wir mal“, meint Alfred Bugger (75), eigentlich gelernter Kupferschmied, und beginnt die Abdeckung des PC aufzuschrauben. „Es geht hier in erster Linie um Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Häfner. „Wir sind kein kostenloser Reparaturdienstleister. Wir leiten an und stehen mit Rat, Tat und Werkzeug zur Seite.“ Alle Experten arbeiten ehrenamtlich. „Wir berechnen nur die Ersatzteile. Für unsere Arbeit erbitten wir eine Spende für den Seniorentreff – schließlich entstehen hier ja auch Kosten.“ Wie auf ein Stichwort öffnet sich die Tür und Martini-Bäumler bringt auf einem Wagen duftenden Kaffee und Kekse herein. „Übrigens, oft sind es nur Kleinigkeiten, wie eine gebrochene Lötstelle oder ein geknicktes Kabel, warum das Gerät nicht funktioniert“, sagt Häfner und beobachtet Horst Müller (Elektroingenieur, 71) dabei, wie er zusammen mit Kunde Paul Vogt dessen Lampe überprüft. „Manchmal ist es reine Detektivarbeit, den Fehler zu finden.“ Und manchmal will auch das Gerät nicht so, wie Besitzer und Reparatur-Experten wollen.

 Bestes Beispiel ist Seiferts Toaster. „Irgendwie muss doch der Boden entfernt werden können“, überlegt Ingenieur Dr. Eugen Müller (68), der sich des Geräts angenommen hat. „Vielleicht, wenn man alle vier Bolzen gleichzeitig herunterdrückt.“ Vorsichtig dreht er den Toaster in Händen. „Ich denke, das müsste klappen.“ Nun ist Improvisationstalent angesagt. Inzwischen hat sich Botzian Senior dazu gesellt. „Beim Computer reparieren störe ich mehr, als ich helfen kann.“ Vier Schraubenzieher werden in Position gebracht. „Bei drei alle gleichzeitig nach unten drücken.“ Müller greift selbst nach zwei, Seifert und Botzian nehmen die beiden übrigen. „Eins, zwei drei.“ Und siehe da, der Toaster gibt auf: Der Boden löst sich aus der Verankerung und somit steht einer Reparatur nichts mehr im Weg. „Gemeinsam geht eben alles besser“, sagt Botzian. Häfner bietet Kekse an. „Wir würden ja gerne“, sagt Christiane Botzian und deutet auf ihre Tochter. „Aber bei uns steht nach dem Repair Café noch ein Besuch beim Zahnarzt an. Denn Zähne repariert ihr ja leider noch nicht.“

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